Duisburger Ordnungsamt bestrafte "Teddy-Retterin"

Renate Gerstmann vom Bürgerforum (li.) am Geschäft von „Blumen-Marie“ (re.). Dass sie dieses Kuscheltier aufhob und gut sichtbar auf einen Verteilerkasten setzte, kostete sie 20 Euro Strafe.
Renate Gerstmann vom Bürgerforum (li.) am Geschäft von „Blumen-Marie“ (re.). Dass sie dieses Kuscheltier aufhob und gut sichtbar auf einen Verteilerkasten setzte, kostete sie 20 Euro Strafe.
Foto: Christian Balke
Was wir bereits wissen
Die Frau, die ganz Duisburg-Marxloh als „Blumen-Marie“ kennt und schätzt, hob ein Stofftier von der Straße auf. Das Ordnungsamt der Stadt bestrafte sie dafür. Bei der Stadtverwaltung war man überhaupt nicht amüsiert über das übereifrige Vorgehen der Streife.

Duisburg.. Was ihr am 8. Januar vormittags vor ihrem Geschäft widerfuhr, lässt Marie, die in Marxloh seit 25 Jahren von allen nur „Blumen-Marie“ genannt wird (Name der Redaktion bekannt), auch heute noch verwundert den Kopf schütteln: „Eine Passantin hatte vor meinem Laden dieses Kuscheltier aufgehoben“, sagt die gebürtige Tschechin, „dann dachte ich mir, dass das arme Kind oder die Mutter, die es verloren haben, es suchen könnten.“ Deswegen setzte sie den kleinen Bären mit der Aufschrift „Happy Birthday“ auf den Verteilerkasten, der unmittelbar neben ihrem Geschäft steht.

„Plötzlich rief jemand von der anderen Straßenseite laut: Bleiben sie stehen wo sie sind!“, sagt die adrette Frau. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sei zu ihr herüber gelaufen, zwei weitere folgten. Zu dritt hätten die Männer sich vor ihr aufgebaut und ihr eröffnet, dass sie gerade die Straße verschmutzt habe – ja, genau: Indem sie das Stofftier auf den Verteilerkasten gesetzt habe: „Das würde 20 Euro kosten, sagten die dann.“

Beschuldigte fühlte sich eingeschüchtert

Als sie sich geweigert habe, zu bezahlen, habe ihr einer der Männer vom Ordnungsamt gesagt, dass die Weigerung sie teuer zu stehen käme: „Der sagte, wenn sie jetzt nicht bezahlen, dann wird das teuer. Dann geht das vor Gericht und dann sind sie über 100 Euro los.“

Bürokratie Schließlich habe sie gezahlt. Auch, weil sie sich eingeschüchtert gefühlt habe: „Es ist leicht, zu sagen, hätte ich nicht bezahlt“, sagt sie rückblickend, „aber die standen zu dritt hier vor mir. Ich dachte erst, das ist versteckte Kamera.“

Immer wieder muss „Blumen-Marie“ das Gespräch mit dem Redakteur unterbrechen. Jeder zweite Passant grüßt sie hier freundlich, viele Kunden bleiben stehen und wollen Blumen kaufen: „Seit 25 Jahren verkaufe ich die Blumen auf der Weseler Straße. So etwas ist mir noch nie passiert.“ Als gemein habe sie es empfunden, dass genau die Mitarbeiter des Amtes, die ihr das Geld abnahmen, an den folgenden Tagen mehrfach grinsend am Geschäft vorbei gegangen seien.

Stadt war über das Vorgehen nicht amüsiert

Noch am selben Tag wendete sie sich an Renate Gerstmann, die Vorsitzende des Bürgerforums. Die Frauen kennen sich bereits seit einer gefühlten Ewigkeit. Renate Gerstmann, schließlich, stellte den Kontakt zur Redaktion her: „Ich habe der Marie geraten, dass sie damit an die Öffentlichkeit gehen muss.“

Tradition Bei der Stadt war man überhaupt nicht amüsiert über das Vorgehen der Ordnungshüter: „Wir bedauern diesen Vorfall außerordentlich. Wir werden mit der Dame Kontakt aufnehmen und ihr die 20 Euro umgehend erstatten“, sagte ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage.