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Die Schleusen in Duisburg-Meiderich drohen einzufrieren

08.02.2012 | 09:01 Uhr
Die Schleusen in Duisburg-Meiderich drohen einzufrieren
In der Schleuse Meiderich zum Rhein-Herne-Kanal treiben dicke Eisschollen. Gehen die starken Nachtfröste weiter, droht die Schleuse kurzfristig einzufrieren. Schon jetzt dürfen nur noch 135-Meter-Schubverbände in die Schleuse einfahren. In der eisfreien Zeit passen 180-Meter-Verbände hinein. Foto: Hayrettin Özcan

Duisburg-Meiderich.   Die strengen Nachtfröste lassen den Rhein-Herne-Kanal immer mehr vereisen. Die Schleuse in Meiderich muss eventuell schon heute den Betrieb einstellen. Dann stoppt die Schifffahrt in Richtung Herne.

„Noch so eine kalte Nacht, und ich garantiere für nichts mehr“, sagt Klaus Fähnrich vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Meiderich. Soll heißen: Wenn die Temperaturen wieder so tief in den Keller gehen wie in der Nacht zum Dienstag, dann wird die Schifffahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal wohl bald zum Erliegen kommen, vielleicht sogar schon am Mittwoch. Denn: Dann könnten die ungeheizten Meidericher Schleusentore einfrieren – und das war’s dann, bis das große Tauwetter einsetzt.

Irgendwie ist es ja idyllisch, die Schiffe zu beobachten. Wie sie sich zentimeterweise der Schleuse nähern und dabei Berge von Eis vor sich herschieben. Aus der Ferne hört sich das Brechen der gut zehn Zentimeter dicken Schollen wie ferner Donner an, je näher die Pötte kommen, desto stärker nimmt man das Rammen als metallischen Ton und dann auch das Knacken des Eises wahr.

„Der Wesel-Dattel-Kanal ist dicht“

„Wir sind froh, dass jetzt noch so viele Schiffe durch die Schleuse fahren“, sagt Fähnrich. „Das hält die Fahrrinne frei“, weiß sein Kollege Volker Schlüter. Der Grund, warum derzeit täglich rund 40 Lastkähne von Mülheim kommend oder nach Mülheim fahrend die Schleuse nutzen, ist einfach: „Der Wesel-Dattel-Kanal ist dicht“, berichtet Fähnrich. Weil die Schleusentore bereits festgefroren sind. Also wird der Rhein-Herne-Kanal als Umleitung genutzt.

Der Wind pfeift eiskalt durch das 190 Meter lange Schleusenbecken. Darin treibt eine schon weitgehend geschlossene Schicht Eisschollen. Ein wenig erinnern die Bilder an Sibirien, und das mitten in der Großstadt. „Normalerweise lassen wir Schubverbände mit 180 Metern Länge in die Schleuse“, erzählt Schlüter. Aber jetzt nur noch Schiffe mit maximal 135 Metern. Wenn die Eisschollen zu stark zusammengeschoben würden, entstünde zu starker Druck aufs Schiebetor. Das fährt ohnehin schon nur noch mit Ach und Krach in die Nische, weil auch dort das Wasser immer mehr vereist. Die bis zu 20 Zentimeter dicken Eisplatten dort müssen schon jetzt regelmäßig per Bagger herausgefischt werden.

Die Schleuse
Ferngesteuert seit 2010

Die Meidericher Schleuse wurde – wie der gesamte Rhein-Herne-Kanal – 1914 in Betrieb genommen. Das ursprüngliche Schleusenbecken war mit 165 Metern etwas kürzer als das heutige (190 Meter). Das 1980 erweiterte Becken ist zwölf Meter breit und bietet großen Schubverbänden Platz. Die Wände sind gemauert. Die komplette Schleuse wurde von 2008 bis 2010 komplett überholt und erhielt neue Tore. Bei der Gelegenheit erfolgte auch die Umstellung von manuellem auf videoüberwachten, ferngesteuerten Betrieb.

Das Schauspiel verfolgen nur wenige Menschen. Es ist einfach zu kalt. Im Sommer ist die Schleuse neben der (derzeit weitgehend zugefrorenen) Ruhr ein beliebtes Ausflugsziel. Aber nicht bei minus neun Grad und frischer Brise. Nicht mal Enten und Möwen tummeln sich jetzt dort – auch ihnen scheint es zu unwirtlich zu sein. „So einen kalten Winter habe ich schon lange nicht mehr hier erlebt“, sagt Ingo Samson, der zufällig des Weges kommt. Er trägt nicht mal eine Mütze, und friert trotzdem nicht. Der Mann ist abgehärtet und genießt die Ruhe an der Schleuse und am nahen Ruhrwehr, bestaunt die Eisflächen. Von Meiderich in Richtung Innenstadt fahrende Radler haben dafür nur einen kurzen Blick übrig – „bloß nicht anhalten und auskühlen“ heißt ihre Devise.

Selbst, wenn die Wetterprognosen der nächsten Tage eintreten: Die Gefahr, dass die Schifffahrt eingestellt werden muss, ist damit nicht gebannt. „Entspannung gibt es erst, wenn es wieder dauerhaft Plusgrade gibt“, sagt Klaus Fähnrich. Denn das Wasser sei momentan so kalt, dass es bei den geringsten Minustemperaturen gleich wieder gefrieren würde.

Gregor Herberhold

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