Die Frau an der Schranke

Christel Huhn sitzt seit vielen Jahren regelmäßig im Parkplatzhäuschen am St-Johannes-Hospital. Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services
Christel Huhn sitzt seit vielen Jahren regelmäßig im Parkplatzhäuschen am St-Johannes-Hospital. Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mitmenschen: Wer auf den Parkplatz an der Abtei auffährt, wird nicht vom Automaten, sondern von einem Lächeln begrüßt. Christel Huhns Lächeln.

Alt-Hamborn..  „Werner, kannst du mir mal Kleingeld bringen? Schon der zweite, der nur einen Fünfziger hatte“, ruft Christel Huhn, die gerade erst auf dem Stühlchen im Parkplatzhäuschen Platz genommen hat, ihrem Chef Werner Koch zu. „Wird erledigt“, ruft der zurück und eilt, um Metallgeld zu besorgen.

Christel Huhn nimmt sich derweil Zeit für einen netten Plausch mit dem jungen Mann am Steuer des Volvo, der gerade an der Schranke steht – so wartet sich’s dann auch gleich leichter.

In einer Zeit, in der Computerkassen sogar in Supermärkten den Menschen zum Nebendarsteller degradieren, bleibt im Parkplatzhäuschen von Abtei und St.-Johannes-Krankenhaus das Menschliche der entscheidende Faktor. Insgesamt sind es 14 Angestellte, die für Parkplatzbetreiber Werner Koch den reibungslosen Parkplatzbetrieb sicherstellen – und Christel Huhn ist eine davon.

„Wir sitzen hier bei jedem Wetter, zu jeder Tageszeit“, sagt die Rentnerin aus dem Röttgersbach lachend, „aber wenn es kalt wird, haben wir eine Heizung und wenn es zu heiß wird, einen kleinen Ventilator.“

Bischöfen hat sie hier schon die Schranke geöffnet, bekannten Politikern: „Es war auch mal ein bekannter Schauspieler dabei“, sagt Christel Huhn. Das Tagesgeschäft, sagt die fröhliche Dame, der man ansieht, dass sie, glücklich geschieden ist“, das Tagesgeschäft seien oft Menschen, die mit Sorgen rein und oft mit Sorgen wieder raus fahren: „Es ist schließlich ein Krankenhausparkplatz, da kommen viele Menschen, die krank sind oder kranke Angehörige besuchen wollen.“

Vielen sehe man ihre Sorgen an, sagt Christel Huhn: „Da kann ein liebes Wort vielleicht nicht alles gut machen, aber schaden tut es sicher nicht.“ An ihr sind aber auch schon viele junge Väter vorbei gefahren.

Oder Ehepaare, die es besonders eilig hatten: „Weil das Baby auf dem Weg war. Dann ist es gut, dass wir uns auskennen.“ Dann könne man den Leuten sofort sagen, wo sie hin müssen: „Dafür hat sich ein junger Vater auch schon mal mit einem fürstlichen Trinkgeld bedankt“, sagt die charmante Seniorin lachend. Chef Werner Koch, der beim Gespräch mit am Tisch sitzt, hebt erstaunt die Augenbrauen.

Alles nur Spaß, sagt Koch, dessen mittlerweile verstorbene Frau den Parkplatzbetrieb ab 1987 aufgebaut hatte: „Das Mitmenschliche ist bei uns Teil der Arbeit“, sagt er. Und er sei froh, Menschen wie Christel Huhn und ihre Kollegen gefunden zu haben, die das jeden Tag so verkörperten.

Trotz des neuen Parkplatzes hinter dem Hospital wird Christel Huhn weiter bei Sonne und Regen, Schnee und Sturm in ihrem Häuschen sitzen: „Auf uns hat das keinen Einfluss“, sagt sie und ihr Chef stimmt ihr nickend zu, „zumal das Parken bei uns genauso viel kostet, wie im neuen Parkhaus, das hinter der Klinik liegt.“ Und bei Christel ist Lächeln inklusive.