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Die Emscher färbte sich oft rot

18.04.2008 | 17:51 Uhr
Die Emscher färbte sich oft rot

Von 1911 bis 1968 existierte in Hamborner ein Schlachthof. In den Anfangsjahren wurden dort jährlich knapp 44 000 Tiere verarbeitet. Weniger Betuchte wussten: Da gibt's billiges Fleisch

Fährt man heute von der Schlachthofstraße östlich in die Kopernikusstraße, so überquert man plötzlich Eisenbahnschienen. Manch einer wird sich fragen: Wieso liegen die hier?

Dieser Schienenstrang wurde 1911 von Buschhausen kommend entlang der neuen Emscher angelegt, also in dem Jahr, in dem Hamborn mit 103 000 Einwohnern Großstadt wurde. Über die Trasse erfolgte die Versorgung des neuen Hamborner Großschlachthofes.

15 Morgen (3,75 ha) groß war das Gelände mit seinen Hallen. Nebenan gab es ein Wohngebäude für den Direktor (der letzte war Erich Imping) sowie ein Verwaltungs- und Gaststättengebäude.

1913, also zwei Jahre nach der Inbetriebnahme, war die höchste Schlachtmenge erreicht: 43 239 Tiere. Pro Jahr wurden fortan rund 5000 Rinder, 1100 Pferde, 34 000 Schweine und Ziegen sowie tausende Schafe verarbeitet. Der Fleischbeschauer kontrollierte damals 1,5 Mio kg Fleisch vor dem Verkauf und Verzehr. 86 Metzgermeister ließen dort schlachten.

In Hamborn gab es zu jener Zeit zwei Groß-Viehhändler, die noch "per Doppelhandschlag" verkauften. Die Tiere kamen großteils per Güterzug. Lieferländer waren Holland und Dänemark. In den 40 m langen Hallen waren getrennte Abteilungen: Es gab die große Kuttelei, das Wampendüngerhaus, die Fellsalzerei, die Häutebe- und -verwertung, und - hoch eingezäunt - eine Abteilung für kranke Tiere.

Für die Schlachter gab es einen Ritus, der strikt eingehalten wurde: Kein Tier durfte zu seinem letzten Gang "getrieben oder geschlagen" werden. Das alles geschah im Holtkamp, damals ein Wäldchenviertel Hamborns. Für die ärmere Bevölkerung war der "Holtkamp" ein Begriff: "Da kannste Freibank- und Pferdefleisch billig kriegen!"

Gruselig war es ab und zu in und an der Emscher: Wenn im Schlachthof "rein Schiff gemacht wurde", färbte sich das Wasser rot, sie floss ja nur ca. 100 m am Schlachthof vorbei.

Rechts vom Schlachthof war das erste Hamborner Straßenbahndepot errichtet worden und später an der Ecke Kopernikusstraße der Milchhof. Heute ist das Gelände von Discountern und neueren Gewerbebetriebe belegt.

Von Hans Lembeck

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