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Kommentar: Thema der Woche

Der Preis des Wohlstands

20.07.2012 | 19:30 Uhr
Der Preis des Wohlstands
Karikatur: Holtschulte

Duisburg-Marxloh.   So lange im Osten deutsche Rekordgewinne sprudeln, müssen wir mit Menschen leben, denen Deutschland als „Gelobtes Land“ erscheint

Was regten sich einige User unseres Internet-Portals über die Hilfe-zur-Selbsthilfe-Aktion für eine Marxloher Roma-Familie auf! Starker Tobak, das. Dabei haben wir nicht immer schlecht gedacht über die Zigeuner, die Cigani, wie sie sich eigentlich selbst nennen.

Lang ist’s her, als sie besungen wurden. Bert ist ja jetzt leider tot. Die bessere, jedenfalls andere Hälfte von Cindy starb vor Tagen in Düsseldorf. Als „Cindy & Bert“ feierten sie in den siebziger Jahren Schlager-Erfolge. Hits wie, „Aber am Abend da spielt der Zigeuner“ sind ja unvergessen.

Tatsächlich war damals die Vorstellung, die der bundesdeutsche Wohlstandsbürger vom Zigeuner an sich hatte, eine romantische. Kein Wunder: War dieser Zigeuner doch ausbruchssicher in Ungarn, der Tschechoslowakei oder den sogenannten Volksrepubliken Polens, Rumäniens und Bulgariens hinter dem Eisernen Vorhang des Kommunismus weggesperrt.

Und die putzigen Zigeunerchen, die gemeinsam mit dem Hans Moser und der Lilo Pulver über die ersten Farbfernseh-Schirme der Republik scharwenzelten – ach, die waren ja herzallerliebst.

Als dann die Menschen im Osten – mit ihnen die Zigeuner – durch Courage und Wut zu freien Bürgern eines demokratischen Europas wurden, waren die Versprechen des reichen Westens vollmundig: ,Weil ihr im Kommunismus gelitten habt, teilen wir unseren Wohlstand nun mit euch!’, riefen wir den Brüdern im Osten zu. Die hörten es gern und tanzten zur deutschen „Ode an die Freude“.

Komischerweise will sich daran heute kaum mehr jemand erinnern. Zumindest bei uns, im Deutschland 2012. Die Menschen im Osten erinnern sich sehr wohl daran, wo sie her kamen, wie sehr sie unter dem Joch ihrer Diktatoren litten. Der Traum vom Wohlstand lebt in ihnen weiter und hat für viele Menschen im Osten, auch für die Roma, nach wie vor einen Namen: Deutschland.

Kein Wunder, dass die Roma, die es nun aus Bulgarien und Rumänien auch nach Marxloh zieht, unser Land für das gelobte halten: Vieles,was in ihrer Heimat gut und teuer ist – der Mercedes, der Audi oder der BMW, die Bosch-Pumpe, der Adidas-Schuh – all’ das ist für die Menschen in Osteuropa Deutschland.

Kein Land in Mittel-, Ost- oder Südosteuropa, in das wir nicht für ‘zig Milliarden Euro unsere deutschen Waren und Dienstleistungen exportieren, selbst wenn sie dort auf Pump bezahlt werden – die Euro-Krise lässt grüßen.

Dass sie mich nicht falsch verstehen: Es ist Spitze, dass Deutschland mehr als jedes andere Land von Europa profitiert. Doch so lange im Osten weiter deutsche Rekordgewinne generiert werden, müssen wir mit Menschen leben, denen Deutschland als „Gelobtes Land“ erscheint. Auch mit den Marxloher Roma, die jetzt froh sind, dass der Müll endlich weg ist.

Christian Balke

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Kommentare
23.07.2012
21:32
Der Preis des Wohlstands
von hercules150 | #5

zu 4 Sie hatten ihren Arbeitsplatz schon in der Tasche unsere Gastarbeiter die damals kamen. Und von wegen Kurse und so, auch Damals lies man unsere gerufenen Gastarbeiter auch im Regen stehen. Doch das eigentlich schlimme ist das unsere Stadtspitze die Verwaltung nicht tätig wird und so sind nun einmal Probleme vorprogrammiert. Versuchen Sie einmal jemanden klar zu machen das es bei uns so etwas wie Nachtruhe gibt, wer der Jenige Sie nicht versteht?. Oder Mülltrennung. Leider haben die Wirtschaftsbetriebe noch keine Infofibeln auf bulgarisch oder rumänisch usw. usw.

23.07.2012
14:29
Der Preis des Wohlstands
von 47169marxloh | #4

Ist schon irgendwie komisch. In den 60er Jahren kamen die Türken. da gab es dann genaue Konzepte zur Anmeldung, Wohnungsvergabe,Sprachkurse, Beschulung usw. Damals gab es noch keine EU im heutigen Sinne. Heute ist es selbstverständlich, dass man in er der EU überall siedeln kann,- und nun haben wir kein Konzept. Holt doch einfach mal die 50 Jahre alten Unterlagen raus. Da steht drin, wie es geht.- Und speziell an unsere türkischen Freunde, die ganz vorne sind, wenn es heißt,- Die müssen weg ! Denkt daran, dass Ihr auch vor gar nicht so langer Zeit genauso angekommen seid, wie heute die Rumänen.- Mit dem Unterschied, Ihr durftet sofort arbeiten, sie nicht.

23.07.2012
08:57
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.07.2012
21:55
Der Preis des Wohlstands
von hercules150 | #2

zu 1 Teile Ihre Meinung. Und noch etwas unsere Stadtspitze kommt ihrer Verantwortung nicht nach und läßt nicht nur uns Bürger sondern auch unsere neu zugewanderten Bürger/ innen im Regen stehen. So das Konflikte vorprogramiert sind. Um dann wie immer dem Duisburger- Norden besonsders aber Marxloh und Bruckhausen an allem die Schuld zu zuschieben. Und die WAZ ist oft vorne mit dabei wenn es darum geht auf die Menschen im Norden einzuprügeln. Ich bin gegen Rassismus und fand die Kommentare zu dem Artikel ebenfalls beschämend, aber ihr Kommentar Herr Balke ist auch nicht gerade sehr gelungen und völlig neben der Spur.

22.07.2012
11:24
Der Preis des Wohlstands
von Baskerville | #1

Lieber Herr Balke,
Ihre Sichtweise ist schon etwas anders, als die Sichtweise der Menschen die vor Ort leben. Ihr Hinweis auf die Bürger in der ehemaligen DDR ist nicht richtig. Gerade in den neuen Bundesländern findet man nur ganz wenige der Zuziehenden. Woran sie gerade in Marxloh den "Preis des Wohlstands" festmachen wollen bleibt ein Rätsel. Die Neuankömmlinge lassen sich ja nicht in Kaiserswerth oder Oberkassel nieder. Kennen Sie einen Marxloher der durch die Geschäfte mit dem Osten oder anderen internationalen Verbindungen zu Wohlstand gekommen ist ?

1 Antwort
Kommunistenkeule !!
von Harke4711 | #1-1

Und wieder einmal sind die Kommunisten Schuld !

Es ist nicht zu fassen !

Die Wahrheit ist : Die Unterschicht aus Osteuropa wird der Unterschicht im Westen durch die Europäische Union zugesellt.

Ghettos wie Marxloh, Hochfeld sind für diese Menschen die Endstation.

Da fliegt auch mal, vor Freude, der "Wohlstandsmüll" aus dem Fenster.

Die hier angeführten Bevölkerungsgruppen konnten sich in ihren Heimatländern

nicht in die Arbeitswelt einfügen. Und jetzt hier ?

Ich lach mich Schrott !

P.S.: Im Gegensatz zu diesem Kommentar, ist es in Polizeiberichten untersagt, das Wort ******** zu gebrauchen.

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