Der Duisburger Stahlriese ist weiter im Wandel

Thomas Schlenz (Mitte) berichtete über die Situation bei Thyssen-Krupp.
Thomas Schlenz (Mitte) berichtete über die Situation bei Thyssen-Krupp.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Die SPD Meiderich hatte den Arbeitsdirektor von Thyssen-Krupp zu Gast. Er berichtete über die Situation am Duisburger Standort.

Meiderich..  Über die wirtschaftliche Lage bei Thyssen-Krupp-Steel Europe hat Arbeitsdirektor Thomas Schlenz auf Einladung der Meidericher SPD in der Gaststätte Mismahl am Markt gesprochen. Deutschlands größter Stahlkonzern beschäftigt 12 000 Menschen allein in Duisburg. Da gehöre es zu den Pflichten eines Lokalpolitikers, sich aus erster Hand über den Stand der Dinge zu informieren, sagte Bruno Sagurna, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins.

Millionen-Einsparungkam gerade richtig

„Ich weiß noch, dass ich den Posten als Arbeitsdirektor vor drei Jahren wegen der existenzbedrohenden Situation auf dem Stahlmarkt mit voller Hose angetreten habe“, erinnerte sich Schlenz. Und beschrieb noch einmal die Grundzüge des Sparprogramms „Best in Class - reloaded“ (BiC), das die Konzernfinanzen bis 2020 um 600 Millionen Euro aufstocken soll. „Ohne BiC hätten wir im Geschäftsjahr 2013/14 tiefrot abgeschlossen“, sagte Schlenz. Er rechnete vor, dass dem erwirtschafteten Gewinn von 219 Millionen Euro ein jährlicher Investitionsbedarf von 500 Millionen Euro gegenüberstehe, um die Anlagen auf Stand zu halten. Da kamen die 243 Millionen Einsparung über BiC gerade richtig.

Auch die interne Kommunikation war ein Thema: Die Belegschaft habe bei einer Befragung dem Konzern-Vorstand und der internen Kommunikation von Neuigkeiten schlechte Noten erteilt, sagte Thomas Schlenz. Der Vorstand arbeite aber daran, die Hierarchien im Konzern aufzubrechen.

Damit einher geht auch eine neue Strategie der Nachbarschaftspflege. „Wir haben die Kleinspenden wieder eingeführt und sponsern jetzt lieber die Pferde für die Martinszüge hier im Umfeld, als jährlich 20 000 Euro an die Freunde der Salzburger Festspiele zu zahlen“, meinte Schlenz und stellte sich anschließend den Fragen der Zuhörer.

„Stimmt es, dass die Belegschaft ihre reduzierten Arbeitsstunden als Mehrarbeit wieder an Thyssen verkauft?“, wollte Christl Baudisch wissen. „Es gibt schon Mehrarbeit, aber dass die den Gewinn aus der Einsparung auffrisst, ist Hüttenklatsch, da ist nichts dran“, lautete die Antwort.

„Ihr müsst aufpassen, dass ihr euer Geld nicht nur durch Einsparungen in der eigenen Bude verdient sondern auf dem Markt, das geht nämlich auf Dauer nicht gut“, warnte Horst Schmidt. Schlenz berichtete daraufhin von neu entwickelten, leichten Stahl-Kunststoff-Produkten, die das Potenzial zum Verkaufsschlager für die Autoindustrie hätten.