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Fleissarbeit

Das Gesamtwerk hat 422 Seiten

14.06.2012 | 09:00 Uhr
Das Gesamtwerk hat 422 Seiten
Das Verlobungsfoto: Hermine Grauer und Kurt Buchwald. Foto: privat/Repro: Gregor Herberhold

In unendlicher Fleißarbeit und mit Hilfe ihrer Schwägerin Helga Buchwald, die das Lektorat übernahm, hat Gabriele Buchwald alle 600 Briefe chronologisch geordnet zu einem Gesamtwerk mit 422 Seiten zusammengefasst.

Die abgetippten Briefe sind durchnummeriert – so wie es ihre Eltern vorgegeben haben. Hermine und Kurt hatten ein System entwickelt, um sicher gehen zu können, dass alle Briefe ankommen, oder um zu erfahren, welche auf dem langen Weg zwischen Duisburg und Bad Kreuznach – aus welchen Gründen auch immer – verloren gegangen waren: Jedes Mal, wenn sich das Liebespaar getroffen hatte, begann der neue Brief-Reigen mit der Zahl Eins.

In teilweise herzergreifender Weise bekunden Hermine und Kurt ihre Liebe, aber sie wälzen auch Probleme.

So schreibt Hermine am 17. Januar 1946: „Über eine Woche habe ich nun nichts mehr von Dir gehört, mein Lieber, und das ist viel, besonders jetzt, nachdem Du mich in der ersten Zeit ein wenig mehr mit Post bedachtest. Warum schreibst Du mir nicht mehr? Hast Du keine Zeit, bist Du krank oder denkst Du etwa nicht mehr an mich? Siehst Du, so macht man sich seine dummen Gedanken.“

Am 26. Februar 1947 um 9.30 Uhr abends macht Hermine dann ein Geständnis: „Ich halte es nicht mehr länger aus und muss Dir die Wahrheit schreiben, ich kann einfach nicht mehr. Ich habe Dich betrogen, Kurt richtig gehend betrogen. Vor Weihnachten lernte sich einen jungen Mann kennen. [...] Er ist äußerst gewandt, lustig und unterhaltsam und versteht es, eine Frau total zu verwöhnen. Zuerst glaubte ich, Dir alles verschweigen zu können. Aber ich kann nicht mehr schweigen. Ich stehe vor dem inneren Zusammenbruch. Ich kann Dich nun nicht mehr bitten: Hab mich lieb. Dieses Recht habe ich nicht mehr.“

Noch an dem Tag, als Kurt diesen Brief erhielt, machte er sich auf nach Hamborn, sprach sich mit seiner Zukünftigen aus – und „das Thema ist nie wieder zur Sprache gekommen“, sagt die spätere Gattin. Noch im selben Jahr wurde im August geheiratet.

Gregor Herberhold

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