City ohne Center
12.02.2009 | 17:43 Uhr 2009-02-12T17:43:00+0100Am Donnerstag hat das Hertie-Kaufhaus nach 32 Jahren seine Türen für immer geschlossen
Selbst an der Trauer um den eigenen Untergang hat das sterbende Hertie-Kaufhaus am Kometenplatz noch verdient: Den Trauerflor, der seit Donnerstag Mittag an den Klinken des Hertie-Hauses am Kometenplatz hängt, hatte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Britta Munkler noch zum Normalpreis gekauft, als sie mit einem Gewerkschaftsinfostand auf das Walsumer Dilemma aufmerksam machte. Mit Hertie verschwindet das erste und einzige Kaufhaus Walsums. Sonderpreise gab es nur für Winterware, der Rest wird in der nächsten Woche verpackt und in andere Hertie-Kaufhäuser weitergereicht oder an Lieferanten zurückgeschickt. Wer gestern nach Sonderpreisen fragte, holte sich eine Abfuhr: nicht einmal die letzten 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekamen Prozente. Dennoch war der Andrang so groß, dass noch frühere Hertie-Mitarbeiter als Aushilfen zum Kassieren angeheuert werden mussten. Betriebsratsvorsitzende Helene Suemegh: „Die hätten alle vorher kommen sollen.”
Inzwischen drängeln sich die möglichen Interessenten um das Gebäude. Die Nase vorne hatte der Dinslakener Bauunternehmer Walter Hellmich. Der war schon wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Schließung mit Zeichnungen vor Ort, um die Pläne mit der Wirklichkeit zu vergleichen.
Aber ob er zum Zug kommt, steht auf einem anderen Blatt. Denn Hauseigentümer ist eine niederländische Gesellschaft. Die anderen Gebäude gehören unterschiedlichen Eigentümern. Von daher ist auch eine großen Lösung mit Abriss der angrenzenden Ladenzeile mit viel Fragezeichen zu versehen, zumal es eine großartige bauliche Verbindung nicht gibt. Die große Ladenzeile entlang der Friedrich-Ebert-Straße ist nur mit einem Wetterschutz mit dem Hertie-Haus verbunden. Einer der zahlreichen Eigentümer dieses Komplexes ist Karl-Rudolf Mattenklotz, dem nicht nur ein Teil des Wohn- und Geschäftshauses gehört sondern der auch Verwalter ist. Mattenklotz: „Uns wäre Edeka am liebsten.”
Allerdings hat auch Rewe Interesse bekundet. Und inzwischen ist auch die Lidl-Tochter Kaufland im Gespräch, die schon in das Homberg-Hochheider Hertie-Haus eingezogen ist. Allerdings ist das Hochheider Haus mit rund 3500 qm von der Verkaufsfläche um etwa zehn Prozent größer als das in Walsum.
Dabei ist immer noch nicht klar, wie die große Marschrichtung ist. Die einen möchten das Hertie-Haus abreißen und neu bauen, andere lediglich den Innenteil renovieren. Peter Hoppe, Vorsitzender der CDU-Bezirksfraktion und der Leistungsgemeinschaft Walsum: „Leer räumen und neu Einrichten bringt's nicht.”
„Wir können nicht rumspinnen, wir müssen bedarfsorientiert sein”, sagt Hoppe weiter. Aber was das ist, das fasst Walsums Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann so zusammen: „Fragt man zehn Leute, bekommt man acht Meinungen.”
Nur Fragezeichen
Die letzten 17 Mitarbeiter von Hertie haben weder eine Kündigung noch einen neuen Arbeitsplatz. Um die weitere Nutzung des Gebäudes wird intensiv gerungen, seit klar ist, dass Hertie die Segel streicht. Das derzeit noch nicht gefährdete Hertie-Haus in Dinslaken ist aber von dem Entgegenkommen des Eigentümers Dawnay Day abhängig, der bislang maßlos überhöhte Mieten verlange, wie der Insvolvenzverwalter beklagt. GK
13:04
Nicht nur die Fachgeschäfte Menk, Basner und Sturm haben ihre Pforten geschlossen, jetzt wurde auch noch der markante Walsumer Anlaufpunkt im Zentrum rasiert. Um einen weiteren Verfall der Einkaufsmöglichkeiten in Walsum City entgegen zu wirken, muss aus meiner Sicht eine Neue Walsumer Mitte am Standort Hertie enstehen. Eine Vielsortimenter mit kleinen Läden drumherum und endlich wieder ein einladendes Restaurant für die Käufer. Die Politik steht bei diesem Thema leider aussen vor und kann nur Entscheidungen beratend begleiten. Ich hoffe das ein modernes Einkaufszentrum als Schmuckstück von Walsum enstehen wird und die treuen Hertiemitarbeiter hier eine neue Chance erhalten.
07:56
Es ist sehr schade, das Hertie nun zugemacht hat. Oder besser gesagt, zumachen musste. So ist das nun mal, wenn der oder die Besitzer immer geldgeiler werden.
Aber anders gesehen, hätten die Kunden Hertie immer so besucht, wie es in den letzten 3-4 Tagen war, dann hätte das alles nicht sein müssen.
Die Kunden kauften wie verrückt, denn schließlich gab es ja Prozente. Wartezeiten an der Kasse zwischen 10 und 15 Minuten.
Trotzdem, alles Gute für die nun (fast) arbeitslosen Mitarbeiter.