Chronisten im Zeichen des Meidericher Hahns

Trafen sich zur Lesung:  v.l. Lothar Koopmann, Clemens Willmeroth, Werner Maistrak, Dieter Lesemann, Friedel Lubitz Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Trafen sich zur Lesung: v.l. Lothar Koopmann, Clemens Willmeroth, Werner Maistrak, Dieter Lesemann, Friedel Lubitz Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Die Meidericher „Hahnen-Feder-Schreibwerkstatt“ lud zu ihrer ersten großen öffentlichen Lesung. Geschichtliches und Geschichten des Ortsteils

Meiderich..  Zur ersten Lesung der neuen Schreibwerkstatt „Hahnen-Feder“ blieb in der Meidericher Kulturwerkstatt kein Stuhl frei. Werner Maistrak, Helmut Willmeroth, Friedel Lubitz und Dieter Lesemann stecken voller Anekdoten über ihren Stadtteil. „Irgendwann kann die Geschichten keiner mehr erzählen, deshalb haben wir sie aufgeschrieben“, sagte Lesemann.

Dass Uwe Seeler in der ersten Bundesligasaison im Bus fragte: „Wo liegt eigentlich dieses Meiderich?“, ist allen bekannt. Aber auch der zugereiste Lehrer Friedel Lubitz wusste das nicht so genau, als er 1961 anlässlich einer Hochzeit zum ersten Mal in den Stadtteil kam. Die alte, evangelische Kirche Mittelmeiderich machte aber großen Eindruck auf ihn. Hier wollte er auch heiraten. Da bot es sich geradezu an, eine Meidericher Lehrerin zu ehelichen.

Helmut Willmeroth huldigte indessen dem Fußballgott. Und der machte es seinen Jüngern nicht leicht. Beim katholischen Verein DJK-Lösort hatte Willmeroth als Protestant zwar eine Chance, weil er schon mal 7 Tore in einem Spiel schießen konnte.

Aber wenn der Platz vor einem Meisterschaftsmatch aussah wie ein Blumenfeld, dann war guter Rat teuer. Willmeroth mähte heimlich mit dem elterlichen Grünschneider und Lösort gewann gegen Viktoria Beeck 3:2. Seine Eltern beeindruckte das wenig, für den total ruinierten Rasenmäher gab es eine Woche Fußballverbot.

Überhaupt, die Vereine, Werner Maistrak ist da Experte. Er hat gerade ein Buch über die Geschichte der Meidericher Vereine geschrieben. Darunter auch der Mäßigkeitsverein des Pfarrers Herrmann Johann Gräber. Der streng reformierte Gottesmann und das preußische Konsistorium blickten mit einem scheelen Auge auf die Vergnügungen der Meidericher.

Die sangen doch tatsächlich weltliche Lieder und gaben sich auf Festen dem Tanz und dem Scheibenschießen hin, anstatt sich mit einem „christlichen Spielmann“ zu begnügen. Zwar gingen einige angezeigte Schlägereien auf das Konto der „Beeckschen“, dennoch war es höchste Zeit, die Sittsamkeit im Stadtteil zu heben. Die Mitgliederzahlen im Zusammenschluss der Mäßigkeitsapostel blieben jedoch, wen wundert es, weit hinter den Erwartungen zurück.

Auch der Straßenbahnfahrer, von dem Dieter Lesemanns Gedicht handelt, war vermutlich kein Kandidat für den Club der Abstinenten. Immer wenn er mit der „Kreis Ruhrorter“ an der Ecke Viktoriastraße/Kirchstraße vorbeikam, soll er auf freier Strecke angehalten haben, um sich vom Wirt des „Deutschen Ecks“ ein kühles Halbes an die Bahn bringen zu lassen.

Da er auf seiner Tour alle 45 Minuten vorbeikam, war es ein reines Glück für seine Passagiere, dass er mit den Schlangenlinien erst anfangen konnte, wenn er die Bahn ins Depot gebracht hatte.