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Aus Duisburg geflüchtet, in Wesel das Glück gefunden

01.01.2016 | 17:27 Uhr
Aus Duisburg geflüchtet, in Wesel das Glück gefunden
Der ehemalige Duisburger Peter Fette hat nach seinem Umzug nach Wesel im Stadtteil Blumenkamp sein Glück gefunden.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg/Wesel.   Die Lärmbelästigung in Alt-Hamborn ging Peter Fette auf die Nerven. Als er dann auch noch höhere Grundsteuern zahlen sollte, zog er weg.

Peter Fette hat es angekündigt. Mehr als einmal. Und er hat seinen Worten Taten folgen lassen: Nach 36 Jahren hat der Wahl-Duisburger, der aus Düsseldorf stammte, die Stadt verlassen. Weil er sich nicht mehr wohl und vor allem von der Politik und Verwaltung im Stich gelassen fühlte. „Viele Jahre habe ich gegen den Lärm durch Raser gekämpft“, sagt der heute 76-Jährige. Doch statt Nägel mit Köpfen zu machen, hätten Politik und Verwaltung nur in kleinsten Schritten und zu zögerlich reagiert.

Die Folge für Peter Fette: An der einstmals ruhigen Goethestraße, wo er vor 30 Jahren ein Haus kaufte, war es für ihn und seine Frau Eva-Maria unerträglich laut geworden. Bei offenem Fenster zu schlafen – zuletzt ein Unding. Selbst bei geschlossenen Fenster schreckte er nachts immer wieder auf, wenn ein Auto-Rüpel mit quietschenden Reifen beschleunigte oder bremste. Als dann auch noch die nächste Grundsteuererhöhung angekündigt wurde, zog er die Reißleine.

Peter Fette schraubt das neue Kennzeichen an sein Auto.

Er verkaufte sein Hamborner Haus und zog in einen sehr ruhigen, gediegenen Ortsteil von Wesel. Dort hat er seinen Frieden wiedergefunden und ist sich sicher: „Hier kann ich in Ruhe den Lebensabend genießen.“ Und freut sich: „Jetzt zahle ich an Steuern fürs Haus nur etwas mehr als die Hälfte und habe dafür eine wesentlich höhere Lebensqualität.“ Dazu noch wesentlich mehr Platz im Haus und im Garten.“

Der einstige Konditormeister und spätere Verwaltungsamtmann (er war Arbeitsberater beim Arbeitsamt) hat den Umzug und die Renovierung seines neuen Hauses in Eigenleistung gestemmt. „Das war viel Arbeit“, räumt er ein. „Aber: Es hat sich gelohnt.“ Um eine klaren Schnitt zu machen, hat er sich auch gleich vom Duisburg-Kennzeichen am Auto getrennt. Und sagt mit etwas bitterem Ton: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal aus Hamborn weggehe.“ Das dortige Häuschen hatte er sich für den Lebensabend hergerichtet. Doch jetzt sagt er: „Ich weine dem keine Träne nach.“ Zu einigen alten Nachbarn hält er noch Kontakt. Aber nach und nach lernt er im neuen Umfeld immer mehr Menschen kennen. Von mehreren habe er erfahren, dass sie ursprünglich auch in Duisburg gelebt hätten.

Porträts von Menschen aus 60 Ländern zieren den Hausflur

Sein neues Zuhause ist ganz anders als sein altes. Es ist – wie gesagt – viel geräumiger. Großzügiger. Und doch erinnert manches an das alte Haus. Klar, die Möbel sind die geblieben. Aber auch die „Wanddekoration“ hat er übernommen. Während seiner vielen Reisen in rund 60 Länder dieser Erde hat Peter Fette viele, viele Menschen kennengelernt und mit der Kamera porträtiert. Die anrührenden Bilder zieren den Hausflur – so wie es in Hamborn war.

Auf große Reisen in sehr ferne Länder reist Peter Fette nicht mehr. Die Strapazen sind zu groß. Jetzt erkundet er Europa – und seine neue Heimat. „Ich brauche nur ein paar Minuten, dann bin ich in der schönsten Gegend“, schwärmt er.

Niederrheinische Landschaft genießen

In der Tat. Die typische niederrheinische Landschaft mit Wiesen und Feldern, versprengten Bauernhöfen und Bäumen, die die Wegesränder säumen – das kann er jetzt bei seinen täglichen Runden erkunden und genießen. Von Industrie weit und breit keine Spur. Und die Luft ist auch wesentlich frischer als in der Nachbarschaft der viel befahrenen Duisburger Straße.

Das einzige, was daran erinnert, dass er doch nicht weit von Duisburg weg ist: Die Hochspannungsleitungen, die die Landschaft zerschneiden.

Gregor Herberhold

Kommentare
05.01.2016
08:11
Aus Duisburg geflüchtet, in Wesel das Glück gefunden
von Kalutti | #12

Ich habe es auch wie Herr Fette gemacht und kann nur jedem raten, es auch zu tun!!!

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2016-01-01 17:27
Nord