Amerikaner nehmen Hamborn ein

2, Erste Anweisungen, Kriegsende Hamborn
2, Erste Anweisungen, Kriegsende Hamborn
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Viele Städte leisten den alliierten Truppen im Frühjahr ‘45 erbitterten Widerstand. Hamborn wird ohne weiteres Blutvergießen übergeben.

Hamborn.. Am 28. März 1945, vor 70 Jahren, endete für Hamborn der Zweite Weltkrieg. Nach vorsichtigen Schätzungen aus den 1950er Jahren kamen darin, ob als Soldaten oder als Zivilisten, mehr als 6700 Hamborner ums Leben. Dass es in den letzten Kriegstagen nicht noch mehr Tote gab und der Übergang in die Besatzungszeit recht glatt verlief, ist nach Ansicht von Heimatforscher Hans-Joachim Meyer drei Männern zu verdanken: dem NS-Ortsgruppenleiter Heinrich Tenter, dem Zahnarzt Dr. Max Tritschler und dem Kommissarischen Bürgermeister Wilhelm Bambach.

Bambach wird Bürgermeister

„Eigentlich hatte die Deutsche Wehrmacht ja Befehl, deutschen Boden bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen und verbrannte Erde zu hinterlassen“, sagt Meyer. Und das sei auch die Absicht von Luftwaffenoberst May gewesen, der vom Tiefkeller des Hamborner Kaufhofs aus eine Truppe aus Fallschirmjägern, Polizisten und Volkssturmleuten zur Verteidigung Hamborns kommandierte.

„Aber der Ortsgruppenleiter rang ihm ab, dass nicht, wie es vorgesehen war, die Bevölkerung Hamborn vor den heranrückenden Amerikanern räumen müsste, sondern die Soldaten.“ Das sei für den Kommandierenden nicht ungefährlich gewesen. Auf Befehlsverweigerung stand die Todesstrafe. Der Oberst ließ aber lediglich noch die Telefonvermittlung im Postamt an der Goethestraße sprengen, außerdem alle Emscherbrücken.

Und am entscheidenden Tag, dem 28. März, sei es dann Dr. Max Tritschler gewesen, der den US-Truppen mit weißer Fahne in der Hand auf der Weseler Straße entgegen ging und sie dann nach Marxloh hereinführte. Dr. Tritschler war eigentlich Zahnarzt am Pollmanneck. Gleichzeitig war er aber als Arzt im großen Bunker am Johannismarkt eingesetzt. Auch seine Rückkehr an der Spitze der US-Truppen sei nicht ganz ungefährlich gewesen. Schließlich hätte es Heckenschützen geben können.

Am 1. April wurde Wilhelm Bambach, letzter Vorsitzender der Hamborner Zentrumspartei vor dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933, von den Besatzungstruppen zum kommissarischen Bürgermeister Hamborns ernannt. Für drei Monate, bis zur Übergabe der Besatzung an die Briten im Juni, erlangte Hamborn damit die 1929 verlorene Selbstständigkeit zurück.

„Bambachs Verdienst war es“, sagt Hans-Joachim Meyer, „dass er persönliche Kontakte nach Billerbeck im Münsterland nutzte, um über eine dortige Molkerei die Lebensmittelversorgung der Stadt sicherzustellen.“

Chronik der letzten Kriegstage

Eine Chronik der Kriegsendes in Hamborn nach Angaben von Hans-Joachim Meyer und Aufzeichnungen von Wilhelm Grube, der die Zeit als Flakhelfer in Dinslaken-Hiesfeld erlebte.

Samstag, 24. März ‘45: In der Nacht werden Ruhrort und Laar wieder von Homberg aus von US-Artillerie beschossen. Hamborn bleibt verschont. Gefechtslärm vom Rhein kündet davon, dass die Amerikaner bei Walsum über den Rhein setzen.

Sonntag, 25. März: Kampflärm lebt wieder auf. Bei Hiesfeld und Lohberg toben schwere Kämpfe. Walsum wird von den Amerikanern eingenommen. In Hamborn treffen Sicherheitsdienst, Polizei und Volkssturm Kampfvorbereitungen. Nazi-Gauleiter Friedrich Schlessmann erlässt in Essen einen Räumungsbefehl für Duisburg, Oberhausen und die Landkreise Dinslaken und Rees - als Vorbereitung für den Abwehrkampf. Frauen und Kinder sollen das Kampfgebiet verlassen. Der Befehl wird aber in Hamborn nicht veröffentlicht. Die Lebensmittelversorgung wird eingestellt. Hamborn hat noch schätzungsweise 60 000 Einwohner.

Montag, 26. März: Deutsche Soldaten sprengen in der Nacht alle Hamborner Emscherbrücken, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten. Dann spricht sich die Nachricht herum, dass eine in Alsum liegende deutsche Kompanie die Stadt verlässt. In Hamborn werden nun Lebensmittel und Textilien gehamstert.

Dienstag, 27. März: Nach der Sprengung der Telefonvermittlung ziehen die letzten Soldaten und Polizisten ab. Den Befehl zur Sprengung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke haben sie nicht mehr ausgeführt. Die Amerikaner nehmen Wehofen, Holten und das Röttgersbachviertel ein. Die Hamborner warten die Ereignisse in ihren Luftschutzkellern ab.

Mittwoch, 28. März: Einige Häuser sind mit weißen Betttüchern beflaggt, als die US-Panzer über die Weseler Straße in Marxloh rollen. Die Amerikaner rechnen noch mit Heckenschützen. Dabei drängen sich die Hamborner auf den Straßen. Der Bunker am Johannismarkt wird ihnen übergeben. Ein Teil fährt über die Kaiser-Wilhelm-Straße Richtung Au­gust-Thyssen-Hütte, der Haupttross zum Rathaus. Am Altmarkt schlagen die Amerikaner ihr Lager auf. Wäsche wird gewaschen. Erste Bekanntmachung von General Eisenhower: „Wir kommen nicht als Sieger, sondern als Befreier!“ Viele Hamborner atmen auf: „Für uns ist der Krieg zu Ende!“

Donnerstag, 29. März: In der Nacht führen die Amerikaner Hausdurchsuchungen durch. Be­freite Zwangsarbeiter plündern Geschäfte. Der US-Stadtkommandant quartiert sich in der Villa von Chefarzt Dr. Eduard Schöning vom St.-Johannes-Hospital an der Schreckerstraße ein. Seine Soldaten sind in Schulen untergebracht. Im Rathaus ringen Vertreter der von den Nazis aufgelösten Parteien Zentrum, SPD und KPD mit dem Kommandanten um die Bildung eines Bürgerausschusses. Neue Bekanntmachung: „Ruhe und Ordnung bewahren!“ Im Amtsgericht zieht das US-Militärgericht ein.

Karfreitag, 30. März: Der Großdeutsche Rundfunk meldet, Hamborn sei nach fünftägigen schweren Kämpfen gefallen. Viele US-Soldaten haben dienstfrei, treiben Sport oder hören Jazzmusik. Lautsprecherwagen verkünden die Ausgabe neuer Lebensmittelkarten.

Ostersamstag, 31. März: Ein ruhiger Tag. Nur im benachbarten Oberhausen heulen die Sirenen. Dort wird noch gekämpft.

Ostersonntag, 1. April: Der Stadtkommandant erklärt Hamborn zum Stadtkreis und ernennt einen Oberbürgermeister. Ohne vorheriges Glockengeläut finden die ersten Gottesdienste statt.