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Stadtgeschichte

Alltag an der Kronstraße

19.09.2012 | 20:30 Uhr
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Alltag an der Kronstraße
Erinnert sich an seine Jugend: Karl-Ludwig Roth (87).Foto: Udo MILBRET

Duisburg-Bruckhausen. „Ich habe an der Kronstraße eine sehr gute Kindheit verlebt“, erzählt Karl-Ludwig Roth. Die Kronstraße sei damals ganz ruhig gewesen, es gab höchstens drei oder vier Autos. Er habe viele gleichaltrige Kinder zum Spielen gehabt, nicht nur in den großen Gärten hinter dem Haus, sondern auch am Bahndamm. Dort habe man Knallkörper auf die Gleise gelegt, um „Feuerwerk“ zu spielen, oder habe die Dampfloks Nägel walzen lassen, die man dann als Speerspitzen beim Indianerspiel verwendete.

„Eine gewisse Rivalität gab es mit den Arbeiterkindern“, erinnert sich Roth. Man traf sich an einem Stacheldrahtzaun an der Bayreuther Straße und bewarf sich mit Steinen. „Die haben uns als Beamtenscheißer beschimpft.“ Selten habe er die Arbeiterhäuser betreten, erinnert sich aber an eine dunkle Atmosphäre, an Treppenhäuser ohne Licht und Ofenheizung. „Wir hatten ja schon Zentralheizung.“

Das Leben seines Vaters, des Oberingenieurs Ludwig Roth, war arbeitsreich. „Der Vater ging morgens um 6 Uhr früh zu Fuß ins Werk“, erzählt der Sohn. Der Weg führte durch den Matenatunnel nach Tor 6. „Um 9 Uhr kam er zum Frühstück nach Hause, ging um 10 Uhr wieder auf die Hütte.“ Um 13 Uhr sei er zum Mittagessen gekommen und sei von 15 bis 18 Uhr, manchmal auch länger, wieder auf die Hütte gegangen. Und das auch samstags. „Mein Vater hatte rund drei Wochen Urlaub im Jahr“, sagt Karl-Ludwig Roth. Zeit, die genutzt wurde, um zu Verwandten in den Hunsrück, auf die Nordseeinsel Juist oder in den Schwarzwald zu fahren - immer per Bahn, denn ein Auto hatten die Roths nicht.

„Bei der Hausarbeit stand meiner Mutter immer ,das Mädchen’ zur Seite, eine Hauswirtschaftskraft, die im Dachgeschoss eine Mansarde bewohnte. Das waren meist Ar­beitertöchter, die so bis zur Verheiratung lernten, wie ein Haushalt geführt wird.

Wäsche machen als Prozedur

Aber auch mit Hausmädchen und Waschfrau gestaltete sich das einmal monatliche Waschen als Prozedur, musste die Wäsche doch vorher eingeweicht und die Feuerung des Ofens vorbereitet werden. „Da war Mutter immer schlechter Laune“, erinnert sich der Sohn.

Große Fleischgerichte gab es auch beim Oberingenieur nur sonntags, in der Woche viel Kartoffeln und Gemüse, dazu auch Bratwurst oder Frikadellen. Der Vater büffelte abends mit dem Sohn lateinische Vokabeln. Sonntagmorgens legte er sich im Esszimmer eine Schellack-Schallplatte mit Marschmusik auf. Gleich zwei Tageszeitungen bezog die Familie. Und zweimal täglich wurde auf die Post gewartet.

Abends wurde Radio gehört. Der Sohn spielte mit der Dampfmaschine, die Mutter erledigte Handarbeiten. Einmal im Monat hielten die Ingenieursfrauen reihum ihren Damenkaffee ab. „Auf den Wochenmarkt ging die Mutter selbst“, so der Sohn. Ansonsten wurde per Telefon beim Kaufmann bestellt, der dann anlieferte. Bis wenige Monate vor ihrem Tod 1986 habe die Mutter alleine dort gewohnt. „Ich habe die Wohnung dann an eine türkische Familie mit vielen Kindern übergeben“, so der Sohn.

Martin Kleinwächter

Kommentare
20.09.2012
05:49
Alltag an der Kronstraße
von silverstone | #1

Der Schreiber sollte den Stadtteil hinzufügen.Nicht jeder weiß0 wo die Strasse ist.

Das waren meist Ar­beitertöchter, die so bis zur Verheiratung lernten, wie ein Haushalt geführt wird.


Da können heute viele aber froh sein ,dass es das nicht mehr gibt.

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Alltag an der Kronstraße
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2012-09-19 20:30
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