Aldenrade ist an ihr Herz gewachsen

Pfarrerin Ursula Brandt an dem Altar der Evangelischen Kirche Aldenrade. 32 Jahre lang leitete sie hier Gottesdienste. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Pfarrerin Ursula Brandt an dem Altar der Evangelischen Kirche Aldenrade. 32 Jahre lang leitete sie hier Gottesdienste. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Pfarrerin Ursula Brandt ist nach 32 Jahren in Walsum in den Ruhestand gegangen. Den Menschen der Gemeinde will sie weiterhin engagiert verbunden bleiben.

Aldenrade..  In einem bewegenden Gottesdienst haben 350 Menschen am vergangenen Wochenende in der Evangelischen Kirche Aldenrade der „Entpflichtung“ von Pfarrerin Ursula Brandt beigewohnt. Nach 32 Jahren in der Gemeinde Walsum-Aldenrade ging Brandt in den Ruhestand.

Beim Besuch der Redaktion im ehemaligen Pfarrhaus antwortet Ursula Brandt auf die Frage, wie sie sich jetzt fühle, mit einem Psalmgedicht: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen Denken Hören Sagen, mein Triumphieren und verzagen. Das Elend und die Zärtlichkeit.“

Die Pfarrerin schiebt das Blatt Papier über den Tisch: „Es ist von Hanns-Dieter Hüsch“, sagt Ursula Brandt und blickt auf die wundervollen Verse, „eines seiner Psalmengedichte.“ Bei Hüsch müsse sie natürlich direkt an „ihre“ Aldenrader denken, sagt die Frau, die eigentlich aus dem äußersten Südwesten Deutschlands stammt, aus Südbaden: „Der Walsumer, der Aldenrader ist ein toller Menschenschlag: Offen, solidarisch, oft herzlich, manchmal streitbar aber fast nie nachtragend.“

Walsum, sagt sie, sei vor 32 Jahren sofort ihr Ding gewesen. Nachdem sie aus Dinslaken kam, habe sie sich in Aldenrade sofort wohl gefühlt: „Das hat sich bis heute nicht geändert.“

Auch, wenn ihr in den vergangenen Jahren einige Dinge zunehmend schwer gefallen seien: „Früher habe ich als Pfarrerin gerne Beerdigungen begleitet, weil es einem ein unmittelbares, existenziellen Gefühl vermittelt, der Übergang vom Leben zur Ewigkeit.“

Zuletzt habe sie sich aber immer wieder dabei ertappt, dass die Beerdigungen sie betroffen machten, ja sogar traurig: „Es sind gerade in den vergangenen Jahren viele Menschen gestorben, die in der Gemeinde langjährige Wegbegleiter waren, gute Freunde.“

Ihr Mann, Pfarrer Austen Brandt, wird noch drei Jahre Pfarrer in Aldenrade sein, dann geht auch er in den Ruhestand. Zieht es das Ehepaar dann hin zu einem Ruhesitz ins Grüne, an Hanns-Dieter Hüschs Niederrhein? „Nein“, sagt Ursula Brandt lachend, „wir sind ja bereits aus dem Pfarrhaus ausgezogen. Nach Marxloh. Ich wollte immer schon in Marxloh wohnen.“

Dort, sagt sie, schaue sie bewundernd auf den großen Andrang, den das Freitagsgebet jede Woche in der Merkez-Moschee auslöse, „wenn zwischen 500 und 1000 Männer zu Gebet kommen.“

Sie wünscht sich und sie glaubt ganz fest, dass auch die Christen wieder lernen werden, ihre Wurzeln, ihre Religion, ihren Jesus mit solcher Begeisterung zu feiern: „Gottesdienste wochentags sind keine Lösung. Ich glaube nicht, dass man leere Kirchen an den Pfarrern festmachen kann. Aber wir müssen so leuchten, dass die Menschen sich von dem Licht angezogen fühlen.“

Sie werde der Gemeinde natürlich verbunden bleiben, werde sich auch weiter engagieren: „In welcher Form ist noch nicht klar, aber ich möchte etwas für die alten Menschen tun.“

Was sie sich für sich selbst wünscht? „Ich reise sehr gern. Und hoffe, meine Gelassenheit nicht zu verlieren.“