"Ab in die Ruine"-Promi verjagte Arbeiter mit Löschpulver

Durch das Loch in der hinteren Wand sprühte Mario Piva Löschpulver.
Durch das Loch in der hinteren Wand sprühte Mario Piva Löschpulver.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wegen des denkmalgeschützten Bahnhofs Walsum hat "Ab in die Ruine"-Promi Mario Piva immer wieder Ärger mit der Bahn. Einmal vertrieb er Arbeiter mit Löschpulver. Deswegen musste er nun vor Gericht.

Duisburg.. Weil er unangemeldete „Besucher“ mit Feuerlöscherpulver aus seinem Haus vertrieben hat, musste sich der Walsumer Mario Piva (52) vor Gericht verantworten. Das Strafverfahren wegen Körperverletzung hat das Amtsgericht Hamborn am Montag wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Im Auftrag der Bahn AG rückte im August 2014 unangemeldet eine Bautruppe mit Ingenieuren an, wollte eine Mauer in Pivas Haus einreißen. Der wusste sich nicht anders zu helfen, als einen Feuerlöscher auszulösen. Er nebelte die Truppe ein, die sofort flüchtete – wir berichteten. Anschließend rollte die Polizei an, die eine Anzeige schrieb.

Polizeieinsatz Er habe nur sein Hab und Gut „verteidigt“, sagte Pivas Anwalt vor Gericht. Das sei durch das Grundgesetz gedeckt. Piva selbst gab zu Protokoll: „Ich habe niemanden verletzen wollen. Ich habe nur in die Luft gesprüht.“ Eine am Tattag anwesende Bahn-Ingenieurin, die im Vorfeld der Verhandlung angegeben hatte, verletzt worden zu sein, hatte vor Gericht Erinnerungslücken: Details konnte sie nicht nennen, nur, dass sie nach der Attacke Kopfschmerzen verspürt hätte. Am Tag danach sei alles okay gewesen, deshalb sei sie nicht zum Arzt gegangen. Ein weiterer Bahn-Mann sagte aus: „Ich bin nicht verletzt worden.“

Geschichte auf wackeligen Füßen

Die ganze Geschichte stehe auf wackeligen Füßen, fasste Richter Scholz zusammen und stellte die Frage in den Raum, ob es Sinn mache, die Sache weiter zu verfolgen. Nach einer kurzen Beratungspause einigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung darauf, die Akte zuzuklappen. Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat. Piva nach der Verhandlung: „Alles andere hätte mich auch gewundert.“

Pivas Frau Tina hat den denkmalgeschützten Bahnhof 2007 gekauft. Seitdem saniert ihn ihr Ehemann Mario in Eigenregie. Durch unsere Berichterstattung ist das Fernsehen auf die Walsumer aufmerksam geworden, sie wurden Hauptakteure in der Doku-Soap „Ab in die Ruine“ und damit im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt.

Streit, wem was gehört

Fast genauso lange wie die Sanierung zieht sich ein Streit zwischen den Eheleuten Piva und der Bahn hin. Es geht um die Frage, ob die Pivas den gesamten Bahnhof, mit Tunnel, Aufgang zu den Gleisen und sogar den Bahnsteig erworben haben. Die Eheleute sind sich sicher, dass dem so ist. Die Bahn sieht das anders – nachdem Feuchtigkeitsschäden im Tunnel aufgetreten waren, die die Pivas auf Bahnkosten beseitigt wissen wollten.

Die Bahn sagt, untermauert durch ein 2013 erstelltes Gutachten, den Pivas gehöre nur der eigentliche Bahnhof mit einem Teil des alten Tunnels. Deshalb beschloss die Bahn, ihren Teil des Tunnels zuzumauern. Dafür musste aber erst eine andere, an falscher Stelle bereits bei Übergabe des Bahnhofs existierende Steinwand abgerissen werden. Um diese drehte sich 2014 der Streit, der zum Feuerlöschereinsatz führte.