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Duisburg Nord : Schlichten statt richten

Nord, 30.11.2009, Martin Krampitz

Der Maschendrahtzaun ist überall, bildlich gesprochen. Denn was die ehrenamtlichen Schiedsleute in Duisburg so an Streitigkeiten schlichten, dokumentiert oft genug nicht nur Zwietracht, Kleinlichkeit, Erbsenzählerei und Detailversessenheit.

Davon können die fünf Schiedsleute für den Duisburger Norden ein Lied singen, die sich am Freitag im Amtsgericht Hamborn zur Dienstbesprechung trafen.

Man hatte es schon geahnt: Nachbarschaftstreits in allen Facetten und Variationen sind ihr Hauptthema, die Nickligkeiten zwischen Mieter und Mieter, Hauseigentümer und Hauseigentümer bestimmen den Alltag der Schiedsleute. Da geht es um Bäume und Sträucher, die über die Mauer wachsen. Um zehn Zentimeter Abstand von der Gartenmauer und - tatsächlich - vom Maschendrahtzaun. Um Kinderfahrräder oder -wagen, die in besonders kinderfreundlichen Häusern im Flur „stören” wird erbittert gerungen. Und natürlich geht es auch um Lärm im Haus, oft „stören” manche Zeitgenossen die Kinder, wieder einmal. Hunde, die Gehweg und Spielwiese vollsch..., werden dagegen interessanterweise selten thematisiert.

Familien- oder Sorgerechtstreits gehören nicht zum Portfolio der Schiedsleute. Dafür sind andere zuständig. Aber es gibt auch so genug für die „Friedensrichter” zu tun, die eine geringe Aufwandsentschädigung bekommen. Wolfgang Rippenberg, Vorsitzender der Schiedsleute im Landgerichtsbezirk Duisburg, weiß aus Erfahrung: „Meistens steckt schon eine sehr lange Vorgeschichte hinter den Fällen. Der aktuelle Konflikt ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem ,I'. Die Konfliktfälle arten oft in Beleidigungen und übler Nachrede aus, manchmal auch in Körperverletzung, die auch mit Gegenständen ausgetragen wird.” Das ist dann ein Fall fürs Strafrecht, die Justiz muss einschreiten.

„Schlichten statt richten” heißt das Motto der Schiedsleute. Das geht meistens so: Polizei oder Amtsgericht empfehlen einem Bürger im Konfliktfall einen Schiedsmann oder eine Schiedsfrau in seinem Stadtteil. Die Schiedsleute laden die Streithanseln zu einem gemeinsamen Termin in ihr Haus oder ihre Wohnung, hören sich geduldig noch einmal beide Seiten an und machen einen Einigungsvorschlag. Für die Betroffenen hat das Verfahren Vorteile. Es ist preisgünstig, kostet zwischen 35 und 50 Euro pro Fall.

Und es geht meistens erfolgreich aus, so Schiedsmann Rippenberg: „Wir sind alle geschult: Im Strafrecht, im bürgerlichen Recht, im Nachbarschaftsrecht. Auch mit der Baumsatzung kennen wir uns gut aus. Meistens akzeptieren die Konfliktgegner unseren Schiedsspruch.” Ernst-Walter Paulussen, Direktor des Amtsgerichts Hamborn, bestätigt: „2008 gab es 34 Fälle für unsere Schiedsleute im Bezirk. In 20 Fällen kam es zu einer einvernehmlichen Einigung.”

Die meisten Fälle sind ernst, ernst zu nehmen, manchmal aber skurill bis kurios: Zwei Ehepaare hatten 34 Jahre kein Wort miteinander geredet. Damals hatte sich ein Paar von den Freunden eine Flasche Wein ausgeliehen, aber nicht zurück gegeben. Die Sache landete beim Schiedsmann. Der entschied: Die Paare sollten mal schön zusammen essen gehen. Eine einleuchtende Idee. Später beobachtete der Schlichter die Paare einträchtig im Restaurant. Damit war der Fall gegessen - zumindest für den Schiedsmann...

Schiedsleute

Wer Schiedsmann oder -frau werden will, muss 30 Jahre alt sein, Rechts- und Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Geduld mitbringen. Nachwuchs wird dringend gesucht. Schiedsleute in der Nähe: Hans-Dieter Feldkamp (Alt-Hamborn, Obermarxloh,  56 05 30), Maria Berning (Wehofen, Fahrn, Marxloh, Röttgersbach,  49 83 96), Bernhard Stiefelhagen (Neumühl,  58 38 59), Wolfgang Rippenberg (Alt-Walsum, Overbruch, Vierlinden,  47 42 09), Axel Funke (Wehofen,  4 84 56 66). Info: www. bds-duisburg.de

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