Duisburg

Noch stehen nur Verlierer auf dem Platz - ein Kommentar von Oliver Schmeer

Die Platanen an der Mercatorstraße sollen  jetzt gefällt werden. Seit Monaten gibt es großen Wiederstand dagegen. Foto:
Die Platanen an der Mercatorstraße sollen jetzt gefällt werden. Seit Monaten gibt es großen Wiederstand dagegen. Foto:
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Misstrauische Stadtplaner, verbitterte Fällgegner: Der Streit um die Platanen auf der Mercatorstraße kennt zurzeit nur Verlierer. Ein Kommentar

Duisburg. Wenn nicht doch noch eine Krähe im Baum sitzt, werden die Platanen auf der Mercatorstraße nach dem Okay aus Düsseldorf in Kürze gefällt. In dem Planungsverfahren und dem Meinungsprozess ist vieles schief gelaufen. Mit den Ratsentscheidungen im Rücken und den beschlossenen Plänen für die - richtige und notwendige - Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes auf dem Tisch, will die Stadt jetzt Tabula rasa machen, denkt sie auch an Zeitfristen, Kosten und Investorenfreundlichkeit. Sie wirkt dabei aber genervt, entnervt. Das ist selten ein vertrauensförderndes Verhalten.

Manches, was die Platanenretter monieren, ist dabei aber auch spitzfindig und dient der Argumentesuche, weil der formale und der parlamentarische Weg erfolglos waren. Und natürlich war offensichtlich, dass mit den beschlossenen Planungen für den Platz sowie seiner Randbebauung und Verkehrsführung die Platanen im Weg stehen. Beides geht nicht. Kurzum: Der Konflikt, bei dem es längst nicht mehr um die Bäume geht, sondern um politische Kultur, könnte noch lange währen und keine Einigung bringen. Und selbst ein Bürgerbegehren, dessen breite Resonanz und Erfolg angesichts der dann doch eher begrenzten Fragestellung und Bedeutung der Platanenallee für die ganze Stadt fraglich ist, würde die Fronten wohl nicht lösen.

So bleiben eigentlich nur Verlierer zurück: Misstrauische Stadtplaner und Politiker, die sich angefeindet und missverstanden fühlen und Fällgegner, die enttäuscht und verbittert sind und nicht nur Bäume gekappt sehen, sondern auch Bürgerbeteiligung und offene Stadtgesellschaft. Es gibt wohl nur eine Perspektive, die dauerhaft den Schaden in Grenzen halten könnte, gleichsam die Stadt zum Erfolg verdammt und auch kein Scheitern und keine Ausreden etwa bei der Investorensuche gestattet: Dass der neue Bahnhofsvorplatz als Gesamtensemble mit Platzgestaltung, Verkehrsführung und neuer Bebauung – und ohne die Platanen ein lebendiger, urbaner und beliebter Treffpunkt Duisburgs wird.