Nische für radikale Muslime?
07.09.2007 | 04:20 Uhr 2007-09-07T04:20:08+0200Antiamerikanische und antisemitische Zeitung wurde in Duisburg herausgegeben
Duisburg - eine Nische für radikale Muslime? Als "antisemitisch" und "antiamerikanisch" bezeichnet Salim Abdullah, Senior-Direktor des Soester Islamarchivs, die Zeitschrift "Explizit", das Sprachorgan der Hisb ut-Tahrir. Zehn Jahre lang, von 1992 bis 2002, erschienen Ausgaben dieser Zeitschrift, ehe sie verboten wurde. Herausgegeben wurde "Explizit" in Duisburg. Unter "Impressum Deutschland" findet sich noch in der letzten Ausgabe eine Adresse in Duisburg-Walsum und der Name eines Mannes, der wie Spiegel Online berichtete, als führender Repräsentant der Hisb ut-Tahrir gilt.
Weitere Anhänger dieser "Partei der Befreiung", der Kontakte zur NPD nachgesagt werden und bei der Ermittler sogar, wie wiederum bei Spiegel Online zu lesen war, von einer Verwicklung in die missglückten Kofferbomenanschläge ausgehen, gab es auch in Duisburg. Am 15. Januar 2003 untersagte Bundesinnenminister Otto Schily der islamisch extremistischen Organisation die Betätigung in Deutschland.
"Wir kannten die Organisation, wir kannten ihren Sitz in Duisburg", sagt Hermann-Josef Helmich, Pressesprecher der Polizei. Die Duisburger Gruppe habe sich aufgelöst. "Das heißt nicht, dass die Leute nicht noch in Duisburg wohnen. Oder auch nicht", so Helmich. Mehr will man bei der Polizei über Hizb ut-Tahrir nicht sagen. Er erwähnt dann ein anhängiges Verfahren, das in Zusammenhang mit den Zielen des Vereins stünde und wie er sich artikuliert habe.
Wie nun artikulierte sich Hizb ut-Tahrir? "Antiamerikanisch", sagt Abdullah. So lassen sich Autoren in der Explizit-Ausgabe von November 2001 bis Februar 2002 über "Die Lüge vom 11. September" aus. "Vor allem verbreitete man in der Zeitschrift einen sehr starken Antisemitismus", so Abdullah. "Hinter Hizb ut-Tahrir", stehen arabische Muslime", so Abdullah. Das seien "etablierte" Muslime, keine Arbeiter. Muslime, die gut in die deutsche Gesellschaft integriert seien, Ansehen genössen. Natürlich sprächen sie deutsch. Auch "Explizit" erschien ja in deutscher Sprache. Abdullah spricht von Menschen mit einem "Doppelleben".
Den extremen Antisemitismus der Organisation bestätigt der Verfassungsschutzbericht des Landes NRW. "Mit einer äußerst radikalen Agitation gegen den Staat Israel richten sich die Bestrebungen der Anhänger der Hizb ut-Tahrir gegen den Gedanken der Völkerverständigung und das friedliche Zusammenleben der Völker", ist hier nachzulesen. Und dass Juden wie Christen als Ungläubige gelten, deren Lebensform abzulehnen ist und mit denen möglichst kein Kontakt gehalten werden sollte, da sie ein Bündnis eingegangen seien, um den Islam zu zerstören. Von 300 Mitgliedern bundesweit ist im Bericht die Rede und von 70 Anhängern in NRW. Noch am 2. Mai dieses Jahres bezog ein Hizb ut-Rahrir-Repräsentant im Internet Stellung zur 2. deutschen Islamkonferenz: "Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen".

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