„Niklas“ schüttelt Duisburg durch

Tausende gestrandete Pendler im Hauptbahnhof, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und reichlich Sachschäden – aber zum Glück keine verletzten Personen: So lautete die Bilanz von Polizei und Feuerwehr, nachdem Sturmtief „Niklas“ gestern mit orkanartigen Böen auch über ganz Duisburg hinweggezogen war.

Als ob ein Riese ein Blatt Papier gefaltet hätte: Das Kupferdach der katholischen Kirche St. Maria Königin auf der Emmericher Straße in Obermeiderich, die seit Jahren leer steht, war einfach über den Haufen geweht. So wie ein tonnenschwerer Umhang baumelte der Verbund aus Kupferplatten vom Dach des Gotteshauses gen Boden hinunter. Einsatzkräfte der Feuerwehr sperrten den Bereich um den Unglücksort weiträumig ab. Eine Dachdeckerfirma wurde benachrichtigt. Doch alle Mitarbeiter aus dieser Branche hatten rund um die Uhr im Akkord zu tun. Unter den über 100 Einsätzen, zu denen die Polizei allein bis 14 Uhr ausrücken musste, waren zahlreiche Schäden, die durch herabfallende Dachziegel oder Äste entstanden waren.

Auf der Goslarer Straße in Ungelsheim beschädigte ein umgestürzter Baum gleich drei Pkw. Auf der Jägerstraße/Ecke Alleestraße in Alt-Hamborn drohte das Flachdach eines Hauses abzustürzen. Und bei einem Lebensmittel-Discounter an der Dr.-Wilhelm-Roelen-Straße in Aldenrade ging ein riesiges Werbeplakat fliegen. „Wir hatten bis zum Abend auch über 100 Einsätze“, erklärte Michael Haupt aus der Leitstelle der Feuerwehr. Der Einsatz eines Drehleiterwagens war am Mittag am Hauptbahnhof nötig, wo sich ebenfalls mehrere Dachteile gelöst hatten.

Im Hauptbahnhof herrschte das große Chaos: Menschen standen in langen Schlangen vor dem Reisezentrum und den Info-Schaltern der Deutschen Bahn, nachdem gegen 11 Uhr klar war, dass in ganz NRW der Bahnverkehr eingestellt wird. „Sie können mit der U 79 nach Düsseldorf oder mit der 901 bis Mülheim und von dort mit der U 18 weiter nach Essen fahren“, wiederholte ein Bahnmitarbeiter die einzigen Alternativrouten im Sekundentakt. Entsprechend voll war es schnell am U-Bahnhaltepunkt. In die proppevollen Bahnen mussten sich Mitfahrer hineinquetschen. Von „Verhältnissen wie in der U-Bahn in Tokio“ schrieb ein Internet-Nutzer.

Zu jenen, die noch tapfer oben auf den Bahnsteigen standen, zählte Markus Kutsch. „Hier soll gleich ein Zug nach Oberhausen kommen, das hat gerade die Tafel angezeigt“, sagte er mehr hoffend als wissend. Dass die Durchsagen ständig Zugausfälle bis Betriebsende ankündigten, störte ihn nicht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Am Gleis gegenüber fuhr da der ICE in Richtung Amsterdam ein. Mit mehr als zwei Stunden Verspätung.