Nicht mehr im grünen Bereich
08.10.2012 | 22:23 Uhr 2012-10-08T22:23:00+0200
Duisburg. Um den Stadtwerke-Chef Hermann Janning ist im Aufsichtsrat ein böser Konflikt losgebrochen. OB Sören Link hat gestern ein Vier-Augen-Vermittlungsgespräch geführt.
Gerne verwendet der Vorstand der Duisburger Stadtwerke das schöne Bild von der grünen Farbe, verbunden mit der Botschaft: „Alles im grünen Bereich“. Doch nachdem seit ein paar Wochen schmerzhaft deutlich wurde, dass bei den Stadtwerken die Gewinne wegknicken und somit auch der Konzernmutter DVV schon in diesem Jahr die notwendigen Millionen fehlen werden, um der Tochter DVG die schier unvermeidlichen Verluste auszugleichen, schiebt sich zorniges Rot ins grüne Idyll.
Arbeitnehmervertreter zeigen Konzernchef rote Karte
Jetzt ist im Aufsichtsrat des DVV-Konzernes ein schwelender Konflikt offen ausgebrochen. Dort haben nach Informationen der NRZ die Arbeitnehmervertreter des Gremiums dem Vorsitzenden des Vorstandes, Dr. Herrmann Janning, zunächst die rote Karte gezeigt und ihm dann in einem Beschwerdebrief an den Oberbürgermeister das Misstrauen ausgesprochen.
Vorwurf: Mehr als 30 Millionen Euro prognostizierte Verluste im Stromgeschäft, ein unerhörter Vorgang, der ja wohl nicht plötzlich vom Himmel gefallen sein könne. Und der Aufsichtsrat verfüge über keinerlei belastbare Informationen.
Konsequenz: OB Sören Link (SPD), selber erst seit ein paar Wochen der neue Vorsitzende im DVV-Aufsichtsrat, hat am vergangenen Freitag und am gestrigen Montag noch einmal mit dem so gescholtenen Stadtwerke-Chef ein Gespräch unter vier Augen geführt. Auch wenn gestern keiner der Beteiligten zu diesem Vorgang irgendeine Auskunft gab, so ist doch klar: Dabei kam die große Unzufriedenheit der Arbeitnehmer(vertreter) mit den Umgangsformen des Konzernbosses zur Sprache.
Und der Vorwurf der Arbeitnehmer-Aufsichtsräte: Die Verluste im Stromgeschäft, die der Stadtwerke-Vorstand auch für die breite Öffentlichkeit völlig überraschend in diesem Sommer bekannt gab, gründeten wohl eher auf unternehmerischen Fehlern vor Ort und weniger auf Verwerfungen an der Strombörse.
Insider indes ahnen: Es geht in diesem jetzt ausgebrochenen Konflikt um viel mehr als nur vordergründig um fehlende Informationen. Mit im Spiel sei da wohl auch das nicht überall goutierte unternehmerische Engagement der Stadtwerke bei der Steag, wie auch die intensive Verbandstätigkeit von Janning und die damit verbundene intensive Abwesenheit des Chefs von seinem Aufgabenbereich.
Vertrauensverhältnis gestört
Das Vertrauensverhältnis zwischen den Arbeitnehmern und ihrem Vorstandschef soll nach Informationen der NRZ nachhaltig gestört und von großem Misstrauen durchsetzt sein. Das sah vor wenigen Monaten noch ganz anders aus: Im März dieses Jahres wurde auf Betreiben der Arbeitnehmervertreter der Arbeitsvertrag von Vorstand Janning vorzeitig um weitere vier Jahre - bis zum Ende 2016 - verlängert. Man wolle damit, so erklärte damals der Betriebsrat, den „Wunsch nach Kontinuität bekräftigen.“
Diese beschworene Kontinuität könnte jetzt ein abruptes Ende finden. Gerüchtweise ist von einer Aufforderung zum Rücktritt wie auch von einer Ankündigung der Freistellung von DVV-Chef Hermann Janning die Rede.
09:25
Es ist nicht gut nachvollziehbar, dass im Frühjahr die Arbeitnehmer einen Vertrag vorzeitig verlängern, um ein halbes Jahr später festzustellen, dass das Vertrauensverhältnis zerstört ist. Da sind andere Kräfte am Werk. Bemerkenswert ist, dass die Störungen aufgetreten sein sollen, nachdem die SPD nun auf Postenfeldzug ist.
Die SPD-Fraktion möge doch durch ihren Vorsitzenden Mettler einmal erklären lassen, warum sie so begeistert für den STEAG-Erwerb stimmte, obwohl vernünftige kaufmännische Überlegungen dagegen sprachen. Die SPD war stocktaub gegen alle Warnungen. Sauerland hat das wohl eingestielt, hätte es jedoch allein nicht durchziehen können.
Dem OB kann man nur sagen, dass hier allergrösste Offenheit angesagt ist, es sei denn, er will sich um jeden Preis weiter verfilzen. Das wird beobachtet werden.
00:31
Und jetzt sieht plötzlich alles anders aus?
"Mit im Spiel sei da wohl auch das nicht überall goutierte unternehmerische Engagement der Stadtwerke bei der Steag". Wer hat dies eingestielt? Da fällt mir nur A. Sauerland ein. Die STEAG fährt bekanntermaßen Verluste, wurde aber trotzdem u.A. von den Stadtwerken Duisburg mit aufgekauft. Sauerland spielte den global Player und legte den Stadtwerken ein Kuckucks-Ei ins Nest.
Dank unserer ohnmächtigen 3. Gewalt kommt A.S. mit der Nummer durch und genießt seine Ruhestandsbezüge. Das Problem STEAG hat jetzt Janning, nicht A.S.
In Duisburg darf man sich über Politikerverdrossenheit (keineswegs: Politikverdrossenheit) nicht wundern.
Mit der Wahl der Jäger-Marionette S.Link läuft in Duisburg restlos alles aus dem Ruder. Heiland, schmeiss Hirn vom Himmel!
00:25
Habe ich Erinnerungslücken?
Die fragwürdigen Aktivitäten des Herrn Janning sind seinerzeit sehr wohl von einer großen Zahl von Abnickern überschwenglich, ja begeistert begrüßt und mitgetragen worden.
Unter dem Label "kommunale Daseinsvorsorge" und "Rekommunalisierung" wurden diese halsbrecherischen Aktivitäten und Milliarden-Geldabflüsse im Rat gegen alle Einwände duchgeboxt. Die wenigen Kritiker wurden mundtot gemacht. Einige Namen der Janning`schen Erfüllungsgehilfen habe ich noch in bester Erinnerung. Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben: Die Missetaten des Herrn Janning sind auch eure Missetaten: Mitgehangen - mitgefangen. Allein Herrn Janning einfach nur abzulösen, wird nicht reichen, um wieder in den grünen Bereich zu kommen. Und statt 4-Augen Gesprächen unseres neuen OB zur Schadensbegrenzung wäre ein öffentliches Tribunal über die Vorkommnisse bei so vielen städtischen Töchtern das geeignetere Mittel zur Aufklärung. So viele Sümpfe kann einer alleine niemals trockenlegen!
Allerdings. Volle Zustimmung.
Die Jäger-Marionette Link scheint völlig überfordert angesichts der X-Baustellen und der X-Sprengfallen in dieser Parteibuch-korrumpierten Stadt zu sein.
Mir fehlt der Glaube, das Link überhaupt parteipolitische "Sümpfe" trockenlegen will. Im Gegenteil, er bedient sie, mit allem, was sie von ihm fordern. Link war DIE Wahl-Fehlentscheidung der Duisburger schlechthin. Schlimmer gehts nimmer.
23:28
Wie stellt man sich so etwas vor? Klein Sören spielt in einer Ecke mit Playmobil und IM Jäger redet mit den dem Geschäftsführer der Stadtwerke!
23:09
Lese ich da richtig?
Man wolle damit, so erklärte damals der Betriebsrat, den „Wunsch nach Kontinuität bekräftigen.
Jetzt mag man ihn nicht mehr so?
Ich kenne zufällig die Fahnen vor dm Stadtwerke gebaüde und so ein Wandel in kurzer zeit von Arbeitnehmervertreter zeigt nur das sie so sind wie die Fahnen im Wind.Was für ein hin und her in so schwierigen Zeiten.
23:05
Da muss wohl wieder ein verdienter Genosse versorgt werden, sonst würden die Arbeitnehmevertreter nicht so plötzlich und heftig, 6 Monate nach der auf eigenes Betreiben initiierten vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2016, solch einen Streit vom Zaun brechen.
Wenn man sich aber die (politische) Zusammensetzung des DVV-Aufsichtsrates anschaut, seit der letzten Ratssitzung gestärkt durch den "für Transparenz, Offenheit und bürgerschaftliches Engagement eintretenden" OB, so verwundert es doch nicht.
Nach der Gebag, den WBD nun die DVV. Ich verspreche euch: Das gleiche Lied wird bis Weihnachten auch in allen anderen städtischen Gesellschaften gesungen - überall werden (in Spitzenpositionen vereinzelt halbwegs tauglich) gute Leute gegen verdiente Parteisoldaten ausgetauscht und gleichzeitig über Jahrzehnte willige, handverlesene Wahlkämper mit gut dotierten Posten über die Rente hinaus auf ganz weichen Daunen gebetet.
Richtig. Hier ist der Versorgungstrupp der Genossen am Werk.
Zieht Euch warm an, auf diese nette Art und Weise werden noch mehr Köpfe rollen.
Duisburg hat die Wahlchance eines parteiunabhängigen Kandidaten vertan.