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Stadtteilreport (5)

Neumühl – Kohle war gestern

18.08.2010 | 12:00 Uhr

Neumühl in einer Stunde? Kein Problem für Jutta Gewand, Mitglied des WAZ-Leserbeirats, und wohlvorbereitet für unsere Stadtteil-Erkundung.

Sie deutet auf „mein“ Fahrrad vor ihrer Haustür, los geht’s – und drei Pedaltritte später sind wir im Wald.

Wald? Mitten im Duisburger Norden? Aber ja, und zwar ziemlich ausgedehnt auf früherem Zechengelände am Nordfriedhof. Hinterm Wald kommen Lauben, Hecken, Beete, akkurat geschnittener Rasen. Kleingartenverein „Gut Grün Bergbau“, daneben mähen und jäten die Kollegen von „Blüh auf Bergbau“.

„Ganz Neumühl besteht aus Zechenhäusern“, sagt Jutta Gewand, biegt mit mir in die Borussiastraße ein, und vor uns liegt ein Traum von Siedlung! Ein Allee von alten Bäumen übertrifft jeden Sonnenschirm, liebevoll, aber behutsame renovierte Zechenhäuschen säumen die Straße. Viele junge Familien seien in den letzten Jahren in die einstige Kumpel-Kolonie eingezogen, berichtet Jutta Gewand. Dass Geld, Fleiß und vor allem Geschmack investiert wurden, ist nicht zu übersehen.

Duisburgs Stadtteile I

Neumühl in 60 Sekunden
17.131 Einwohner

Neumühl gehört zum Stadtbezirk Hamborn und hat 17.131 Einwohner, davon 8952 Frauen, 8179 Männer, 15.383 Deutsche, 1748 Ausländer.

Neumühl ist seit dem 19. Jahrhundert geprägt von seiner Bergbau-Geschichte (Zeche Neumühl), die sich vor allem im Umfang der sehenswerten Arbeitersiedlungen niedergeschlagen hat. Straßennamen wie Radbodstraße, Prosperstraße, Hiberniastraße und Bergmannsplatz künden heute noch davon.

Ebenso unübersehbar ist ein paar Straßen weiter eine Großsiedlung, die Jutta Gewand als „städtebauliche Fehlplanung“ bezeichnet, und das aus mehreren Gründen. Zum einen sprengen die Hochhäuser an der Otto-Hahn- und Rügenstraße die Siedlungsdimension des alten Neumühl, zum anderen wohnen dort vorwiegend Migranten mit osteuropäischen Wurzeln so geballt, dass Integration schwer fällt. Gewand: „Das ist einfach schief gelaufen.“

In einer Großsiedlung wird allerdings seit einiger Zeit gegengesteuert, wurden einzelne Hochhäuser abgerissen, die Bauten insgesamt vom rührigen Eigentümer innen und außen aufgemöbelt. Ob’s hilft, bleibt abzuwarten.

Eine Ecke weiter machen wir Halt vor einer imposanten Kirche, die mir Jutta Gewand als „Schmidthorster Dom“ vorstellt. Pater Tobias, der Marathon laufende Prämonstratenser aus der Hamborner Abtei, ist dort als Pastor tätig. Vom Kirchenportal kann er den „Stielmus-Park“ überblicken, in Kriegs- und Nachkriegszeiten, wie der Name sagt, äußerst pragmatisch genutzt, im letzten Jahr gründlich auf Vordermann gebracht und eine willkommene Ruheinsel unweit einer überraschend quirligen Fußgängerzone.

Duisburgs Stadtteile I

Fast mediterran geht’s dort zu, vor allem an Markttagen und wenn die Sonne strahlt. Kneipen, Klausen und Cafés haben Stühle und Tische herausgestellt, die Kellner haben gut zu tun. „Der Markt hat was“, sagt Jutta Gewand. Viele Bauern aus der Region kommen mit ihren Waren, polnische Händler ergänzen das gängige Angebot. Dreimal wöchentlich werden die Stände aufgebaut.

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Der ortsansässige Handel lässt laut Jutta Gewand kaum zu wünschen übrig. Vom Discounter über den russischen Lebensmittelhändler bis zur Bekleidungs-Institution Kierdorf reicht das Angebot: „Im Grunde genommen komme ich hier gut klar.“

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Sagt’s, lächelt und bringt mich zum Abschluss auf Tempo: Schnurgerade durchs Grün fahren wir auf der sogenannten „Hornbach-Gerade“ auf einer alten, zum Rad- und Fußweg umgebauten Bahntrasse vorbei an hohen Bäumen und üppigen Brombeeren. So schön kann Neumühl sein, freut sich die 53-jährige gelernte Erzieherin, die seit 1962 in Neumühl lebt.

Zu kritisieren hat die zweifache Mutter nicht viel: vielleicht die schlechte Busverbindung ins benachbarte Oberhausen-Buschhausen. Oder der regelmäßige Stau am Recyclinghof – aber der wird eh verlagert. Mein Tipp nach einer Stunde Neumühl: Der Stadtteil überrascht an vielen Stellen und ist unbedingt einen Ausflug wert.

Duisburgs Stadtteile III

Bilder aus 115 Jahren Stadtgeschichte in...

Duisburgs Stadtteile IV

Willi Mohrs

Kommentare
01.12.2011
11:28
Neumühl – Kohle war gestern
von Djjinxel | #12

Neumühl war mal schön...

ich bin 1975 geboren und in Neumühl aufgewachsen, gewohnt auf der Rügenstrasse, einkaufen mit der Oma auf der Lehrerstraße...
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2010-08-18 12:00
Duisburg