Neues Schulfach führt ins DKM

Während der kleinen Pause am Nachmittag sind die Schülerinnen und Schüler so laut, wie man es kennt und erwartet. Doch wenn sie zurückkommen in diese besonderen Unterrichtsräume, dann herrscht eine Stille, die in der Schule kaum anzutreffen ist. 30 Jugendliche der Homberger Erich-Kästner-Gesamtschule haben das Museum DKM als neuen Lernort entdeckt. Dort werden sie auch in einem neuen Fach unterrichtet: „Kultur erleben“.

Für einige von ihnen ist es das erste Mal, dass sie ein Museum besuchen. Hier schreiben sie Gedichte, können Gefühle formulieren, für die sie auf dem Schulhof dumme Sprüche hören würden, und sich langsam an Kunst herantasten. „Egal, welche Aufgaben wir hier gemacht haben: Es konnte nie falsch sein“, erzählt eine Schülerin von der Freiheit, die sie inzwischen im Museum verspürt.

Das war zu Beginn des Schuljahres allerdings anders. „Sie fühlten sich fremd – die Wände waren zu weiß, die Räume zu hell. Aber bald haben sie sich wie selbstverständlich hier auf den Boden gesetzt“, erklärt Sabine Demes, Lehrerin an der Erich-Kästner-Gesamtschule. Sie hat den Austausch angestoßen, indem sie sich nach einer Führung durch das DKM an Museumsmitbegründer Klaus Maas wandte und ihn fragte, ob er sich in den ruhigen Räumen eine quirlige Schülergruppe vorstellen könnte.

Begleitet wird das Projekt von Nina Pelletier, sie ist „Kulturagentin“ und vertritt damit ein bundesweites Modellprogramm, das eine Brücke zwischen Schulen und Kultureinrichtungen schlägt. Die Arbeit der „Kulturagenten“ wird finanziert von der Stiftung Mercator und der Kulturstiftung des Bundes. Ohne diese Mittel wäre die Kooperation der Schule mit dem Museum nicht zu stemmen gewesen, da dem DKM kein Etat für Museumspädagogik zur Verfügung steht. Dennoch sei es nun gelungen, ein Projekt auf die Beine zu stellen, „das uns auf dem Leib geschneidert ist“, lobt Maas die Zusammenarbeit. „Es ist nicht nur eine Bespaßung von Jugendlichen, die durch das Museum laufen.“

Ziel des Programms ist es, „die selbstverständliche, aktive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur zu fördern und den Jugendlichen den Zugang da in ihrer eigenen Stadt zu ermöglichen“, erklärt Nina Pelletier. Dafür hat sich die Erich-Kästner-Gesamtschule bisher als einzige Schule in Duisburg beworben. Das Projekt läuft noch bis zum Ende des Schuljahres, doch auch die nächste achte Klasse der Schule soll wieder die Möglichkeit bekommen, das Fach „Kultur erleben“ zu wählen. Schüler Jonathan kann das empfehlen: „Unterricht muss man nicht immer nur in der Schule haben.“