Neues Leben im Villenviertel Bliersheim

Noch immer stehen Villen leer und zerfallen. Es sind Ruinen, die zeigen, dass es noch nicht so lange her ist, als das Areal noch brach lag. Aber überall haucht man dem Bliersheimer Villenpark neues Leben ein.

Einer der ersten am Platz war Holger Leschik. Er betreibt das Casino Bliersheim. Sein Hauptgeschäft sind Feiern wie Hochzeiten oder Taufen. Mittags kommen die Mitarbeiter der umliegenden Firmen. Den Betrieb nahm er 2009 auf. Das war fast 20 Jahre nachdem der letzte Gastronom dort das Handtuch warf.

Gelernt hat Holger Leschik Hotelkaufmann im Steigenberger. Danach war er in vielen Grand Hotels unterwegs. „In dieser Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine reine Restaurant-Gastronomie schwierig ist.“ Veranstaltungen, so der Casino-Chef, lassen sich hingegen planen. Und das spiegelt sich auch in seinem Konzept wider: „Feiern wie die Direktoren.“ Und genau sie waren es auch, denen Rheinhausen den Villenpark verdankt. Bis in die 1950er Jahre herrschte für das Führungspersonal des Krupp-Hüttenwerks Residenzpflicht. Und von bescheidenen Behausungen kann wahrlich nicht die Rede sein.

Die Villen orientieren sich am englischen Landhausstil mit Jugendstilelementen. Die grüne Siedlung im Grünen lag im Schatten des Industriekomplexes, der lange das wirtschaftliche Leben in Rheinhausen dominierte. Der Direktor des Werks bewohnte die größte Villa – inklusive Kutscherhaus für Personal und Fahrzeuge. Die Villa baute Krupp mitten in die Siedlung hinein. Die kleineren Villen waren für die Betriebschefs reserviert. Ihre Assistenten lebten in Doppelhaushälften. Die Hierarchie spiegelt sich auch in der Siedlung wieder. Das Casino war nur für das Führungspersonal gedacht. Im Keller gab es eine Kegelbahn.

Besuch durch Berthold Beitz

Und auch Krupp-Prominenz wie Berthold Beitz kehrte in diese heiligen Hallen der Industrie ein. Die Residenzpflicht endete in den 1970er Jahren. Das Werk hatte sich um die Siedlung herum ausgedehnt. Von Wohnqualität sprach niemand mehr und die Bewohner zogen schließlich aus. Die Siedlung verfiel.

Nun erwacht sie seit einigen Jahren aus dem Winterschlaf. Stahl wird in der Nähe der Siedlung keiner mehr gemacht, dafür Logistik betrieben. Die Firmen auf dem Logport-Gelände sind nicht weiter entfernt. Das macht die Lage des Bliersheimer Villenparks interessant.

Gastronomen und Friseure

Die frühere Direktoren-Villa erstrahlt in frischem Glanz. Es wurde einiges in das Gebäude investiert. Ein weiterer Gastronom hat sich hier in der Siedlung niedergelassen. Er betreibt die „Villa Rheinperle.“ Ein Friseur hat sich dort niedergelassen, eine Bürogemeinschaft und auch ein Fotostudio. Und eine renovierte Villa steht auch noch zur Miete frei.

Aber noch einmal zurück zu Holger Leschik. Wie viele seiner Gäste verbindet er selbst eine ganz persönliche Geschichte mit der Bliersheimer Villensiedlung. Denn bei Krupp arbeiteten sein Großvater und sein Vater. Und er sagt: „Wir haben viele Gäste, die früher als Jungen auf der Kegelbahn für einen Groschen die Kegel aufgebaut haben.“ Heute kehren sie zurück, um ihren 70. Geburtstag zu feiern. Die Einrichtung erinnert dementsprechend an die alten Zeiten aus der Krupp-Ära, auch wenn die meisten Möbelstücke keine Originale sind. Die Atmosphäre des Bliersheimer Villenparks gefällt – und nicht nur Duisburgern. Im Casino gastierte für Dreharbeiten schon so manche Film-Crew. Szene aus den Film „Hannah Arendt“ und dem Fußball-Epos „Das Wunder von Bern“ sind dort gedreht worden, wie Inhaber Holger Leschik. So manchen Rheinhauser dürfte auch freuen, dass bei ihm auch Möbelstücke der Montana-Ranch einen neuen Platz gefunden haben. Es ist aber eben auch ein Stück Nostalgie, die Menschen wie Holger Leschik an diesen Ort zieht.