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Neues Archiv in alten Mauern

12.04.2010 | 20:30 Uhr
Neues Archiv in alten Mauern

Duisburg.Jahrzehntelang lagerte Getreide im RWSG-Speicher am Innenhafen, künftig werden dort Akten und Kulturgüter sicher verwahrt. Am Montag wurde der erste Spatenstich für das neue Landesarchiv am Innenhafen gefeiert.

Kommentar
Investitionen tun gut

Am Freitag Bauminister Lutz Lienenkämper bei der Grundsteinlegung fürs neue Berufsschulzentrum in Neudorf, gestern Ministerpräsident Jürgen Rüttgers beim ersten Spatenstich am Innenhafen – dass sich die Landesregierung wenige Wochen vor der Wahl von ihrer besten Seite zeigen will, ist verständlich. Der politische Gegner würde es nicht anders machen und hat es nicht anders gemacht, als er noch die Macht hatte in Düsseldorf.

Und letztendlich geht es in erster Linie darum, Investitionen zu feiern, wenn Spaten gestochen und Grundsteine gelegt werden. Jede einzelne Investition tut Duisburg gut, schafft Arbeit, schafft und sichert Arbeitsplätze, unterstützt – wie das Archiv – die Stadtentwicklung am strategischen Verbindungspunkt von Innenhafen und Altstadt.

Insofern soll sich zu Recht feiern lassen, wer Investitionen nach Duisburg lenkt. Und dabei nicht vergessen, wer die wahren Wohltäter sind: wir Steuerzahler.

Der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaute und daher denkmalgeschützte Speicher ist durch seine stabile Bauweise bestens geeignet für die Aufnahme unzähliger Tonnen von Dokumenten aller Art. Nur: Trotz seiner sieben bis zehn Etagen ist der massive Backsteinbau für seine künftige Aufgabe als „Gedächtnis des Landes“ viel zu klein.

Daher wird in den nächsten Monaten nicht nur um-, sondern auf- und angebaut: Ein 68 Meter Turm wird aus dem Speicher hervorwachsen, der zudem einen 160 Meter langen, geschlängelten Anbau erhält. Am Ende wird auf rund 23 000 Quadratmetern Fläche Platz sein für bis zu 148 Regalkilometer. Das entspricht, Akte an Akte, der Entfernung von Duisburg bis zum Biggesee. Außerdem eingeplant sind Lesesaal, Raum für Ausstellungen und Büros für die rund 130 Mitarbeiter.

120 Mio Euro lässt sich das Land Nordrhein-Westfalen den Neubau kosten. Platzmangel war das Motiv: „Die Magazine in Düsseldorf und Brühl laufen zu“, beschrieb Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Präsident des Landesarchivs NRW, die Notlage seines Hauses. „Zeugnisse aus 1200 Jahren“ würden aufbewahrt, mittelalterliche Werdener Urbare ebenso wie die Gestapo-Akten aus der Nazi-Zeit oder das Original der vor 60 Jahren beschlossenen nordrhein-westfälischen Landesverfassung. Das alles wolle man nicht nur hüten und konservieren, sondern auch möglichst zugänglich aufbewahren. „Wir werden ein offenes Haus sein“, kündigte Reininghaus an. Es werde Führungen für interessierten Besucher geben und Arbeitsmöglichkeiten für Schüler und Studenten.

Ende 2012 soll das neue Archiv bezogen werden, kündigte Ferdinand Tiggemann vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes an. Schon heute werde mit Abrissarbeiten rund um den alten RWSG-Speicher begonnen.

Der Wert der Geschichte

„Wir wissen um den Wert unserer Geschichte, unserer Traditionen“, begründete Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gestern die Großinvestition des Landes: „Wir müssen alles tun, um unsere kulturellen Reichtümer zu bewahren.“ 2006 sei die „Landesinitiative Substanzerhalt“ gestartet worden, seitdem habe man 8,7 Mio Euro in die Sicherung von Kunstwerken, Büchern, Filmen und Werken der Medienkunst investiert. Bis 2015 sollen jährlich bis zu 2,1 Mio Blatt historischer Dokumente vor dem Verfall bewahrt werden, unter anderem auch Bestände des eingestürzten Kölner Stadtarchivs.

Begeistert äußerte sich Rüttgers zu den Plänen für den Duisburger Bau: „Das wird das schönste Archivgebäude Deutschlands.“ Als „Schritt nach vorn für den Innenhafen und für Duisburg“ lobte Oberbürgermeister Adolf Sauerland gestern die Pläne des Landes für den letzten, noch nicht neu genutzten historischen Speicher des Innenhafens.

Kulturbauten als Meilensteine

Als „Meilensteine der Gesellschaft“ bezeichnete Architekt Prof. Laurids Ortner Kulturbauten wie das künftige Landesarchiv. Sie dienten der Orientierung wie der Besinnung. Den wellenförmigen Anbau in östlicher Richtung versteht er als „Referenz an den Innenhafen“, aber auch als architektonischer Kniff, die Fläche zu vergrößern. Das Architekturbüro Ortner & Ortner mit Sitz in Wien, Berlin und Köln hatte für Rüttgers ein Gussmodell des Archivs anfertigen lassen.

In Duisburg hatte sich das Büro bereits einen Namen gemacht mit dem Entwurf des Einkaufszentrums „Forum“ an der Königstraße. Der aktuelle Neubau wird vom Generalunternehmer Hochtief erstellt.

Willi Mohrs

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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