Neuer Flüsterasphalt in Duisburg wird wieder aufgerissen

„Wir bauen Zukunft“: Jedes Projekt, das die Stadt mit dem Geld vom Bund umgesetzt hatte, musste mit einem entsprechenden Hinweisschild versehen werden.
„Wir bauen Zukunft“: Jedes Projekt, das die Stadt mit dem Geld vom Bund umgesetzt hatte, musste mit einem entsprechenden Hinweisschild versehen werden.
Foto: WAZ FotoPool
Die Verlegung von Flüsterasphalt auf der Schweizer Straße in Duissern galt als Vorzeigeprojekt. Nun bekommt die Straße erneut eine neue Asphaltdecke.

Duisburg.. Es war eines der Duisburger Vorzeigeprojekte als es 2009 darum ging, die Bundesmittel aus dem Konjunkturpaket so schnell wie möglich zu verbuddeln: Die Schweizer Straße in Duissern erhielt auf 500 Meter Länge einen Flüsterasphalt, wie man ihn bis dahin nur von Autobahn-Neubauten kannte. Zur Grundsteinlegung kam der Staatssekretär aus dem NRW-Verkehrsministerium, zur Endabnahme der Verkehrsminister trotz Schneeregens und eisiger Kälte persönlich. Und der Obermeister der Straßenbauer-Innung lobte, dass keine Stadt bei der Umsetzung „so schnell und konsequent“ vorgehe wie Duisburg. Dass sich die geplanten acht Wochen Bauzeit ebenso verdoppelten wie die Kosten (am Ende knapp 600.000 Euro) tat dem Jubel kein Abbruch.

„Wir bauen Zukunft“ heißt es noch heute auf dem Zusatzschild unter dem Straßennamen, das auf die verbuddelten Konjunkturpaket-Gelder hinweist. Die Zukunft allerdings währte auf der Schweizer Straße wenige Jahre. Anwohner finden in diesen Tagen ein Flugblatt im Briefkasten, dass eben jener Straßenabschnitt jetzt erneut eine neue Asphaltdecke erhält. 84 Werktage soll das in Anspruch nehmen, die Schweizer Straße wird so lange zur Einbahnstraße.

Bestandsfrist von 15 Jahren

Hintergrund ist nach Angaben der Stadt, dass die Stadtwerke in den vergangenen beiden Jahren dort eine Transportwasserleitung verlegen mussten. Es handele sich daher nicht um eine Sanierung der Straße, sondern um die „ordnungsgemäße Wiederherstellung“ des vorherigen Zustands.

Üblicherweise haben gerade solche Bauarbeiten eine lange Vorlaufzeit, vor allem wenn es sich wie in diesem Fall um die Erneuerung einer 1,6 Kilometer lange Hauptwasserleitung handelt, die aus den späten 1950er Jahren stammt. Hätte man das also nicht vorher wissen können? Die Stadt habe 2009 alle Versorgungsträger abgefragt, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage: Die Notwendigkeit einer Leitungsverlegung habe aber niemand angemeldet.

Bei den Vorgaben für die Fördermittel ist von „Nachhaltigkeit“ und einer „längerfristigen Nutzung“ die Rede, die Bestandsfrist beträgt 15 Jahre. Sprich: In dieser Zeit darf der Bereich eigentlich nicht neu überbaut werden. Dennoch sei diese Vorgabe bei der Schweizer Straße nicht tangiert, sagt die Stadt: Die Stadtwerke stellen den durch die Fördergelder erreichten Zustand wieder her. Bedeutet: Immerhin behalten die Anwohner den um drei Dezibel leiseren Flüsterasphalt vor der Haustür.

„Für Leistungssport nicht geeignet“

Die 3500 Quadratmeter „lärmoptimierte“ Straßendecke sind allerdings nicht das einzige Problem, das im Nachgang der verbuddelten 69 Konjunkturpaket-Millionen auftaucht. Der Bahnhofsvorplatz in Großenbaum war drei Jahre nach dem 1,3 Millionen Euro teuren Umbau schon wieder sanierungsbedürftig, weil sich der fehlerhafte Unterbau unter dem Straßenpflaster auflöste. Das später in die Insolvenz geschlitterte Bauunternehmen hatte beteuert nur die Auftragsvorgaben der Stadt ausgeführt zu haben. Und auch am Hochemmericher Marktplatz mussten die mit Pflastersteinen verbauten Anliegerstraßen erneut aufgerissen und durch eine standhaftere Asphaltdecke ersetzt werden.

Offenbar stand 2009 bei den Kommunen weniger die nachhaltige und gründliche Planung im Vordergrund als vielmehr der erste Satz des sogenannten „Zukunftsinvestitionsgesetzes“: Die Fördermillionen sollten der „Abwehr einer Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts“ dienen. Sprich: Es ging nach der Wirtschaftskrise darum, die Firmen so schnell wie möglich mit Aufträgen zu füttern und den Wirtschaftsmotor in Gang zu bringen.

So wirft die hastige Planung heute noch lange Schatten: Auf der Bezirkssportanlage Wedau will die Stadt ein neues Hockey-Spielfeld bauen, das der Verein Club Raffelberg für seine erfolgreiche Nachwuchsarbeit „dringend“ benötige. Schon 2010 baute die Stadt mit dem Geld aus dem Konjunkturpaket ein Kunstrasen-Hockeyfeld auf der Anlage. Allerdings sei das „nicht für den Hockey-Leistungssport geeignet“, wie die Stadt jetzt selbst in der Begründung für den neuen Platz schreibt. Den Kunstrasen sollen künftig nur noch die Fußballer von Eintracht Duisburg nutzen. Warum er überhaupt als Hockey-Feld angelegt wurde, ist unklar. Der Rat hat die Entscheidung gestern erst einmal vertagt.

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