Neue Lungenkrebs-Therapie verlängert Leben

Jedes Jahr bekommen rund 50 000 Menschen in Deutschland die Diagnose Lungenkrebs.
Jedes Jahr bekommen rund 50 000 Menschen in Deutschland die Diagnose Lungenkrebs.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Wissenschaftlern der Uni Duisburg-Essen ist ein Erfolg bei der Entwicklung eines neuen Medikamentes zur Behandlung von Lungenkarzinomen gelungen.

Duisburg.. Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) ist ein Erfolg bei der Behandlung von Lungenkrebs selbst bei Metastasenbildung gelungen: Dank eines neuen Medikamentes, das sie auf Wirksamkeit geprüft haben, kann das Leben bestimmter Patienten verlängert werden.

Voraussetzung für die neue Therapie ist eine Genmutation des Tumors. Diese Mutation wird als „EGFR Exon 19“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine erworbene – also nicht vererbte – Mutation des so genannten EGFR-Gens, welches ein Protein in Zellmembranen ist.

Im Falle einer solchen Genmutation können Patienten erfolgreich mit dem Wirkstoff Afatinib behandelt werden, wie die UDE-Forscher der medizinischen Fakultät nun in zwei internationalen Studien nachgewiesen haben. Bei Afatinib handelt es sich um einen kleinmolekularen Hemmstoff, der die Wachstumssignale in Krebszellen, also in Tumorzellen, blockiert.

Hilfe auch bei Metastasenbildung

Laut Professor Dr. Martin Schuler, Studienleiter in Deutschland und Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen, tritt die EGFR-Genmutation besonders bei Menschen auf, die nie oder nur wenig geraucht haben. Das sind auch einige Tausend pro Jahr: „Dies betrifft in Deutschland ungefähr zehn Prozent aller Lungenkrebse, also etwa 5000 Menschen jährlich“, so Schuler. Und: „Die Mehrzahl dieser Patienten hat bei der Diagnose Metastasen und kann somit nicht durch eine Operation geheilt werden“, so der Mediziner.

Bislang sei die Standard-Behandlung in solchen Fällen eine Chemotherapie gewesen. Doch die „zielgerichteten Medikamente“ wirkten bei der EGFR-Genmutation nun besser, schildert Schuler weiter. Um dies nachzuweisen, haben die UDE-Wissenschaftler das von der Firma Boehringer-Ingelheim entwickelte Mittel über Jahre hinweg auf Anwendbarkeit und Wirksamkeit geprüft und dabei verbessert. Ihre wegweisenden Ergebnisse der Studien wurden jetzt in einem der renommiertesten Fachmagazine für Onkologie, in der englischsprachigen „The Lancet Oncology,“ veröffentlicht.

Ein Jahr höhere Lebenserwartung

Mit der neuartigen Behandlungsmethode mit dem Afatinib-Wirkstoff könnten betroffene Menschen jetzt im Schnitt auch rund ein Jahr länger leben, erläutert Schuler. „Das ist schon sehr beachtlich, denn die Sterblichkeit bei Lungenkrebs ist vergleichsweise hoch.“ So lebten lediglich 21 Prozent der betroffenen Frauen und 16 Prozent der Männer noch fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit.

Das Lungenkarzinom, also Lungenkrebs, sei auch eine der häufigsten onkologischen Erkrankungen. Verlässlichen Schätzungen zufolge seien im vergangenen Jahr 55.600 Personen in Deutschland daran neu erkrankt. Das Lungenkarzinom ist bei Frauen die dritthäufigste und bei Männern die zweithäufigste Krebserkrankung, sagt Schuler.