Neue Deiche braucht die Stadt

Hochwasser des Rheins als Bedrohung zu empfinden, haben die Duisburger verlernt. Fast 90 Jahre sind vergangen, seit 1926 der Rekordpeghel von 13,04 Metern in Ruhrort gemessen wurde und das Wasser die Stadt flutete. Dass zuletzt ein Wasserstand von 11,66 Metern für Überschwemmungen in Ruhrort und Beeckerwerth sorgte, ist immerhin auch schon 20 Jahre her aber noch mehr Bürgern in Erinnerung.

Die Sanierung der Deiche, die geschätzte 300 000 Menschen und 30 Milliarden an Sachwerten schützen, gerät damit leicht unter Rechtfertigungsdruck und stößt auf Widerstand der Anrainer. So gingen fast 20 Jahre für Planung, Verhandlungen und Vorbereitung ins Land, bevor im April die Arbeiten am 7,7 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Stadtgrenze Düsseldorf und Ehingen beginnen konnten. Auf einem 2,5 Kilometer langen Abschnitt wird dabei nun der alte Deich abgetragen und durch einen neuen, 70 Zentimeter höheren Wall ersetzt.

Im nächsten Bauabschnitt entsteht im Rheinbogen bei Mündelheim ein neuer Deich im Hinterland, der neuen Stauraum für Hochwasser schafft und so Druck von den Deichen am Unterlauf des Rheins nehmen soll. Es ist kein Rückhaltebecken, dessen Zu- und Abfluss gesteuert werden könnte: eine „nicht regulierbare Retentionsfläche“ nennt das Waldemar Kesicki, der städtische Baudirektor für den Hochwasserschutz. Dazu muss auch die B 288 aufgeständert werden bis zur Uerdinger Rheinbrücke – das treibt die Gesamtkosten auf 57 Millionen Euro.

Die Auflösung des Mündelheimer Deichverbandes war der erste Schritt, als 1996 die Planung begann. „Man hätte ansonsten Millionen Euro auf die Deichgenossen und auf vielleicht 35 000 Bürger umlegen müssen, die von den Deichen geschützt werden“, erklärt Kesicki, „auch das hätte Millionen gekostet.“ Auch Klagen hätte es wohl gegeben.

Obwohl der Bau aus Steuermitteln vom Land finanziert wird, zogen sich die Verhandlungen in die Länge über den Erwerb von landwirtschaftliche Flächen, die abzutreten waren, einen ganzen Hof, der in Rheinheim verlegt werden muss. Die Maßgabe des Landes, ohne vorherige Enteignungen zu bauen, die Beteiligung einer Vielzahl von Behörden und mehrerer Städte verzögerten das Verfahren. Verständlich am ehesten die Sicht der Landwirte. Für sie geht der moderne Hochwasserschutz einher mit einem schmerzlichen Verlust knapper Anbauflächen. Die werden nicht erst unter dem rückverlegten Deich begraben: auch eine Baustraße von der Bundesstraße zur Düsseldorfer Stadtgrenze führt über ihre Äcker. Die Transporte von 500 000 Kubikmeter Erde und Baumaterial wären ansonsten durch Mündelheim gerollt.

Ungleich schneller soll’s nun mit dem Bau vorangehen. Im Laufe des Jahres 2018 soll der neue Deich stehen. Weiter nördlich wird’s dann weitergehen für die Bagger. Nach dem Ersatz für das Sperrtor Marientor soll der Neubau des Deiches in Neuenkamp bis 2020, der in Laar/Beeckerwerth bis 2021 planfestgestellt sein, Voruntersuchungen laufen in Homberg. Am Ende wird die Sanierung des Hochwasserschutzes auf Duisburger Stadtgebiet rund 200 Mio Euro kosten, schätzt Waldemar Kesicki. Ein Pegel von 13 Metern soll dafür kein Schrecken mehr sein. „Dann steht das Wasser noch einen Meter unter Deichoberkante“, sagt der Baudirektor.