Neudorf – Waldnah und stadtnah
21.09.2010 | 18:47 Uhr 2010-09-21T18:47:00+0200
Natürlich treffen wir uns auf der Oststraße. Hier pulsiert das Neudorfer Leben, hier wird eingekauft und eingekehrt. „Das ist die beste Basarstraße Duisburgs“, lacht Hartmut Hauschildt.
Er gehörte zum ersten WAZ-Leserbeirat, meine zweite Begleiterin Bärbel Trippelsdorf gehört zum aktuellen. Das nördliche Neudorf wollen wir erkunden, auf der lebendigen Geschäftsstraße geht’s los. Gutbürgerliche Gastronomie, gegenüber der beliebte Italiener, im Sommer Tische und Stühle unter freiem Himmel, und ein Handelsangebot, das in Duisburg keinen Vergleich scheuen muss. Nur ein Lebensmittelhändler fehle, beklagt Hauschildt. Und rühmt sofort im Anschluss die „große Kindergarten-Dichte“ und ein gutes Angebot an unterschiedlichen Schulen .
Wovon eine, die noch gar nicht fertig ist, auch Sorgen bereitet im Stadtteil: das neue Berufsschulzentrum zwischen Mülheimer und Bismarckstraße, wo jahrzehntelang eine Brachfläche nur als Hundeauslauf diente. „Ob Neudorf den Verkehr verkraften kann“, fragen meine Neudorf-Führer etwas bange: „Das muss man wohl abwarten.“ Immerhin: Haltestellen für Bus und U-Bahn, aber auch der Hauptbahnhof sind nicht weit.
Wir biegen ein in eine stille Wohnstraße mit Reihenhäusern, wie sie typisch sind für Neudorf. In Vorkriegszeiten gebaut, bürgerlich, gepflegt, ruhig. Die Straßen schachbrettartig angelegt, geplant und nicht gewuchert.
Neudorf und damit auch der Neudorfer Norden gehört zum Stadtbezirk Mitte. In Neudorf-Nord leben 13.497 Einwohner, und davon sind laut amtlicher Statistik 6957 Frauen und 6540 Männer. Der Ausländeranteil liegt bei 12,1 Prozent.
Neudorf ist, wie der Name schon andeutet, eine relativ junge Besiedlung. Um 1770 wurde einigen Pfälzer Familien unkultivierter Boden übergeben. Man versprach ihnen freie Religionsausübung, Befreiung vom Militärdienst, eine zehnjährige Steuerfreiheit, Wohnbauzuschüsse und Reisegeldvergütung. An diese Anfänge Neudorfer Leben erinnert noch der Name der „Koloniestraße“ im südlicheren Neudorf.
Viele Mehrfamilienhaus-Ensembles, auffällig gut in Schuss, gehören oft Wohnungsgenossenschaften, erfahre ich. Hauschildt spricht vom „privilegiertem Wohnen: waldnah, stadtnah, schnell an der Autobahn, schnell am Bahnhof“. Und: „Die Leute sind hier heimisch.“ Was man den Häusern meist auch ansieht.
An der Heinestraße habe einst Fußballtrainer Sepp Herberger gewohnt, weiß er zudem. Reihenhäuser, Klinkerfassaden, oft begrünt, kaum Autoverkehr – der Weltmeistermacher von ‘54 wird’s genossen haben.
Unmittelbar am Waldrand an der Lotharstraße stoßen wir auf die Platzanlage von Tura 88 (www.tura88.de). Kicken in dieser Luft muss einfach erfolgreich sein: Landesliga, das ist schon etwas. Ein Stück weiter sind die Stimmen beim Spiel etwas heller, denn dort lockt der Waldspielplatz in allerbester Lage.
Apropos beste Lage: An der Lotharstraße und den Seitenstraßen in Richtung Stadtwald findet sich eines der raren Duisburger Villenviertel. Wirtschaftsbosse haben sich niedergelassen, ebenso Professoren der nahen Universität.
Aus bescheidenen, behelfsmäßigen Anfängen in Neudorf ist in den letzten Jahrzehnten ein echter Uni-Campus geworden, ergänzt von Forschungs-Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut . Beim Beginn des Hochschulbaus habe man sorgenvoll nach Bochum geblickt, wo akademische Lehre mit Beton-Brutalität kombiniert wurde. „So ist es nun wirklich nicht geworden. Die aufgelockerte Bebauung erlaubt nach wie vor den Weg in den Wald“, so Hauschildt.
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„Im 933er Bus bin ich immer von Studenten umgeben, höre alle Sprachen und genieße es“, schwärmt Trippelsdorf. Auch wenn, so Hauschildt, von Uni-Atmosphäre im Stadtteil nur wenig zu spüren ist. Studentenkneipen? Buchhandlungen? Nun ja, so etwas gibt es, aber eine akademische Szene ist’s sicher (noch) nicht.
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
Vor uns liegt die Mülheimer Straße, die Neudorf von Duissern scheidet, aber mit dem Angebot an Läden in beide Stadtteile ausstrahlt. Im Karree mit Lotharstraße und Sternbuschweg (dort lohnt sich der Blick in manch geschäftigen Hinterhof) finden sich ein paar stattliche Bürgerhäuser mit verzierten Fassaden – wo der Bombenkrieg sie vereinzelt stehen ließ.
60 Minuten sind vorbei, und wir drei suchen nach einem Fazit. Bärbel Trippelsdorf bringt’s auf den Punkt: „Wer einmal in Neudorf wohnt, der bleibt.“

14:55
Wohne sehr gerne in Neudorf.
23:55
Die Oststraße die beste Basarstraße?
Etwas Ätzenderes als die Oststraße kann ich mir gar nicht vorstellen.
Macht mal die Augen auf!
10:59
ich wohnen schon lange in Neudorf direkt an der Uni , ja Randale von Studenten hat man hier jede Woche , sobald der Astakeller schließt , kaputte Autospiegel ,eingetretene Türen , abgeknickte Wischer , Mülltonnen die über die Stzrasse geworfen werden , Ampelanlagen die demoliert werden geklaute Gartenmöbel- Blumenkübel , Fahrräder , hingeworfene Bierflaschen von gegrölle wenn man nach Hause geht ganz schweigen das ist an der Tagesordnung , Nein schön ist das für Neudorf wirklich nicht ob ich hier wohnen bleibe ? auf Dauer bestimmt nicht
16:34
Es gibt viele positiven Dinge an Neudorf. Vom naheliegenden Wald, Finkenkrug, Einkaufsmöglichkeiten, kurze Wege in die Stadt und auch die ideale Verkehrsanbindung.
Aber ich muss schwarzeszebra mit den randalierende Jugendlichen (Studenten?) zustimmen. Der Lärm an sich ist noch zu ertragen. Sollte dies jedoch schlimmer werden, dann muss eine Alternative her.
09:53
Neudorf ist schön, aber zu laut, deshalb sind wir weggezogen!
Hinzukommt, dass randalierende Studenten durch die Straßen ziehen!
Was ich aber vermisse, die kurzen Wege und Finkenkrug!
11:53
Kann den Kommentaren von @schattenquelle und @Hans Schersach nur zustimmen.
09:10
Auch das so lobend erwähnte Frauenhofer Institut, das sich mitten im Wohnviertel immer breiter macht und von stark zunehmendem LKW Verkehr frequentiert wird, der immer häufiger die dafür viel zu schmalen Nebenstraßen verstopft trägt nicht zur Steigerung der Wohnqualität bei.
Es wurde sehr viel Geld in die Erweiterung gesteckt, aber offensicht kein einziger Cent in Lärm- oder Lichtschutzmaßnahem zum Schutze der Nachbarschaft.
00:12
Also man sollte die Wohnqualität nicht über den grünen Klee loben. Es ist teils unerträglich laut geworden, besonders in der Nacht. Der Verkehr auf der unmittelbar angrenzenden A3 und der nebenliegenden Schienentrasse hat mächtig zugenommen, sodass der Begriff der bevorzugten Wohnlage längst nicht mehr zutreffend ist. Ähnliches gilt für die Nachbarn von Tura88. Hier wird man regelmäßig von der tollen, neuen Lautsprecheranlage beschallt. Ob Samstag Abend, oder Sonntag Morgen. Ausser der guten Infrastruktur bleibt oft leider nicht mehr viel übrig. Dieser Artikel gibt ein verfälschtes Bild wieder, leider!!!
16:05
Der nahe Stadtwald plus Ruhrwiesen und gute Verkehrsanbindung sind halt ein fettes Plus für Neudorf.
Wann kommt den ein Bericht über Rumeln?
22:41
Neudorf war mal ein sehr schöner Stadtteil.
Aber der gelbe Bogen!