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Karneval

Narr, Dichter und unvergessen

13.02.2010 | 11:00 Uhr

Die „Elf” ist den Jecken heilig. In dieser Session haben Duisburger Heimatforscher einen besonderen Anlass gefunden, einen berühmten Duisburger Jecken zu ehren: Matthias Lixenfeld, Komponist vieler Karnevalslieder, würde 111 Jahre alt. Am 11. September.

Die „Elf” ist den Jecken heilig. Wo immer die Zahl auftaucht, wird gefeiert, auch wenn das Jubiläum krumm ist. In dieser Session haben Duisburger Heimatforscher einen besonderen Anlass gefunden, einen berühmten Duisburger Jecken zu ehren 111 Jahre würde Matthias Lixenfeld, Heimatdichter, närrischer Textschreiber und Komponist vieler Karnevalslieder am 11. September.

Doch nicht nur an die Musik, vor allem auch an die Texte, die der Hochfelder Komponist oft im Duisburger Platt verfasst hat, will die Duisburger Zeitzeugenbörse erinnern. „Kaum jemand kennt Lixenfeld”, sagt Harald Molder, der im Jubiläumsjahr eine jecke Erinnerungsveranstaltung plant. In den Gesellschaften sieht er genügend Musiker, die den Veteranen wieder auferstehen lassen könnten. Molder hat viel Notenmaterial gesammelt. Er hofft, dass sich die närrische Hochburg Duisburg gemeinsam ihres bekanntesten musikalischen Vorenkers erinnert. „Ich glaube”, meint er schmunzelnd, „auch der Demag-Chor probt schon fürs große musikalische Geburtstagsfinale im September.”

Matthias Lixenfeld erinnert sich in einer alten Festschrift an zünftige Karnevalsfeste in der Altstadt-Kneipe „Zum Klösterchen”. Dort war Duisburger Platt gängige Thekensprache. Dem Karnevals-Urgestein Karl Emmerich hatte er im Klösterchen seine Lieder vom „Pfeffermünzmariechen” und vom „Wedaustrand” vorgespielt.

Marieche, dun mich doch en Rölleke,

en Rölleke Päpermönz,

on maak bi mich mol Killekilleke,

dat düs du doch ömsöns.

Din Päpermönzpastillekes,

die luscht ek riesig gärn.

Dröm maak noch einmal Killekilleke,

du zuckersüte Dern.

Emmerich, der auch erfolgreich in die Bütt stieg, gefielen die Lieder. So ertönten sie am Karnevalssonntag 1930 im Saal der „Reichskrone” am Friedrich-Wilhelm-Platz zum erstenmal öffentlich. Den goldenen Orden aus Messing, übrigens der erste, mit dem Lixenfeld geehrt wurde, hatte Karl Emmerich handgehämmert.

Dutzende von Liedern hat Matthias Lixenfeld in den 30er Jahren für den Karneval geschrieben. Für den Duisburger war es die schönste Auszeichnung, dass er nach seinem Auftritt von dem großen Kölner Liedschreiber Willi Ostermann als professioneller Künstler geadelt wurde. Er würde zu Recht der Duisburger Ostermann genannt. In seiner „Hochfelder Serenade” hat's ihm die saubere Luft angetan, die den Stadtteil zum Luftkurort macht.

Örgeswo en Hochfeld steht jetz en Kamin.

Boh - wat eß da hoch, man kann öhm sehr witt siehn.

Awer wenn et donkel weed, ek frog wat dann?

Gonnt van selws drei Reihe rote Lämpkes ahn.

Seit da nu gebaut eß, weiht en andre Wend.

Kin Atömke Stoff (Staub) ma mehr en Hochfeld fend.

Propper send die Strote, dä Hemmel blau on klor,

Wie hä an de Reviera niemols wor.

Kehrreim:

Jo, jo, en Hochfeld, do weiht en Löfke,

Jo, jo, en Hochfeld, do eß en Döfke,

Jo, jo, en Hochfeld, do hölt mer't ut.

Wie make nächstens noch en Kurort drut!

Wenn der Vielschreiber einmal keine Texte über seine Heimatstadt verfasste, trat er als Magier auf die Bühne. In seiner 100-minütigen Zauberschau verblüffte er als „Lixerni” die Besucher. Und nach dem erfolgreichen Bühnenleben entdeckte der Duisburger Ostermann noch seine dritte Leidenschaft: Bis ins hohe Alter, der närrische Musiker starb 1986, galt seine Liebe der Rosenzucht.

Klaus Johann

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