Nahverkehr: Für Investitionen fehlen hunderte Millionen

Der Nahverkehr in Duisburg ist nicht nur wegen sinkender Fahrgastzahlen ein Sorgenkind: Woher die dreistelligen Millionensummen kommen sollen, die dringend in die Infrastruktur investiert werden müssen, ist immer noch völlig unklar. Zwar hatte die Stadtspitze im Februar eine Jubelmeldung verschickt, dass die Finanzierung der Zugsicherung nach jahrelangem Tauziehen endlich gesichert ist. 25,6 von 36 Millionen Euro übernimmt der VRR, erklärte OB Sören Link, der damit die „drohende Unterbrechung der U 79 an der Stadtgrenze zu Düsseldorf“ bereits „abgewendet“ sah.

Begehrlichkeiten geweckt

Doch längst fragen sich andere Städte, warum der VRR hier etwas fördert, was eigentlich gar nicht förderfähig ist. Und warum der VRR auch gleich noch 80 Prozent der Kosten übernimmt, in Düsseldorf aber 0 Prozent und in anderen Städten allenfalls ein Bruchteil.

Der VRR war über die Pressemeldung aus dem Duisburger Rathaus schon im Februar wenig begeistert: Auf NRZ-Nachfrage hieß es: Ergebnisse wolle man erst kommunizieren, wenn „alles endgültig abgestimmt“ sei. „Daran möchte sich unser Haus auch gerne halten“, sagte eine VRR-Sprecherin. Zwar habe man sich über „grundsätzliche Punkte“ verständigt, jedoch seien noch „einige Aspekte“ abzuarbeiten und „verpflichtende Erklärungen seitens Stadt und DVG“ zu erfüllen.

Nach NRZ-Informationen hat sich daran bislang wenig geändert: Stadt und DVG müssen vor allem nachweisen, wie sie den Bahn-Betrieb für die Zukunft sichern. Und das erfordert Investitionen in dreistelliger Millionen-Höhe. So müssen neue Fahrzeuge her. Geschätzte Kosten: 150 Millionen Euro. Die Beschaffung von 47 Straßenbahnen nach mehr als 30 Jahren sei „unvermeidbar“, heißt es im Ausblick der DVG-Bilanz.

Vom Zustand der Bahnen können Fahrgäste ein Lied singen. Weil viele Fahrzeuge in der Werkstatt stehen, mussten auf den Linien 901 und 903 Busse eingesetzt werden. Aktuell läuft die Reparatur noch an 16 Bahnen. Das geht gewaltig ins Geld, insgesamt ist die Rede von 20 Millionen Euro. Die Mittel dafür stammen unter anderem aus den Mehreinnahmen durch die Grundsteuer-Erhöhung.

Doch selbst wenn die alten Bahnen wieder flott sind, setzt die neue Zugsicherung zwingend neue Bahnen voraus. Bisher hat die Stadtspitze das Thema auf die lange Bank geschoben. Statt sich frühzeitig um den Kauf einer neuen Flotte zu bemühen, werden neue Fahrzeuge inzwischen nicht mehr gefördert. Es ist eine zusammenhängende Entscheidungskette, die wenig Aufschub erlaubt: Laut DVG müssen die Beschlüsse noch dieses Jahr fallen.

In der Vergeblichkeitsfalle

Hinzu kommt: Aufgrund neuer Brandschutzbestimmungen stehen Sanierungen der Tunnelanlagen an. Geschätzte Kosten: weitere 150 Millionen Euro. Mit der U-Bahn stecken Stadt und DVG ohnehin in einer Vergeblichkeitsfalle: Zu den Investitionen gibt es keine Alternative. Denn diese hat die DVG bereits durchgerechnet: Die Tunnel-Strecken wieder über die Erde zu verlegen würde noch weitaus mehr Geld kosten.