Nachfrage in Duisburg zu „grünen“ Geldanlagen steigt

Thomas Pfister ist Experte für klimafreundliche Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale NRW.
Thomas Pfister ist Experte für klimafreundliche Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale NRW.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Stärkere Nachfrage bei der Verbraucherzentrale in Duisburg. Ein Experte informiert über Anbieter und sagt, worauf Anleger achten sollten.

Duisburg.. Immer mehr Menschen wollen gleichzeitig etwas zur Energiewende und zum Klimaschutz beitragen, wenn sie ihr Geld anlegen. Das hat die Verbraucherzentrale Duisburg festgestellt, die im Monat bis zu fünf Anfragen verzeichnet. „Das ist verhältnismäßig viel“, sagt Beraterin Paulina Wleklinski. „Denn noch reden wir hier von einem absoluten Nischenthema.“ Sie warnt allerdings: Auch unter den Anbietern, die das Geld der Anleger nicht nur nach den klassischen ökonomischen Kriterien anlegen, sondern außerdem versprechen, die Euros in bestimmte klimafreundliche Branchen, Produkte oder Projekte zu stecken, gibt es „schwarze Schafe“. Thomas Pfister, Experte zu diesem Thema bei der Verbraucherzentrale NRW, weiß, worauf zu achten ist.

Das Angebot sei vielfältig – von sicheren Geld- und Sparanlagen, Investmentfonds, hauptsächlich Aktienfonds, bis zu hochriskanten Geldanlagen, wofür Pfister als Beispiel das Unternehmen Prokon nennt. „Prokon hat Genussrechte angeboten, eine Mischform aus Aktie und Anleihe. Hauptsächlich wurde in Windenergie investiert“, so der Diplom-Sozialökonom. Prokon habe mit hohen Zinssätzen gelockt, 2014 aber Insolvenz anmelden müssen. Wie viel Geld die Anleger, darunter auch Duisburger, verloren haben, stehe noch nicht fest.

Hoher Zinssatz, hohes Risiko

Das Beispiel zeige aber, dass auch bei klimafreundlichen Geldanlagen der Grundsatz gelte: hoher Zinssatz gleich hohes Risiko. Wer hingegen gleichzeitig eine hohe Sicherheit verspricht, handele unseriös. Auf der Hut, so der Experte, sollten Interessenten auch dann sein, wenn sie unter Zeitdruck gesetzt, unaufgefordert per Post oder Telefon angesprochen werden oder im Verkaufsgespräch das jeweilige Produkt im Vordergrund steht, nicht aber die persönlichen Wünsche und Ziele. Ein Problem: Was ein Anbieter genau unter einer klimafreundliche Geldanlage versteht, ist laut Pfister bisher reine Auslegungssache.

Zu den Kreditinstituten, die sich auf ethisch-ökologische Geldanlagen spezialisiert haben, gehören die GLS Bank, die Umweltbank, die Triodos Bank oder eine Reihe von Kirchenbanken. Und auch die Sparkasse in Duisburg bietet über ihren Verbundpartner Deka Nachhaltigkeitsfonds an, die Volksbank Rhein-Ruhr über Union Investment. „Das sind allerdings in der Regel hellgrüne und keine tiefgrünen Fonds“, so Pfister. „Die Frage, die man sich bei jedem Angebot stellen muss: Reicht mir das an Nachhaltigkeit?“

Im Herbst soll, so der Experte, ein Gütesiegel mit Standards für klimafreundliche Geldanlagen auf den Markt kommen. „Das ist aber nur dann gut, wenn es unabhängig und transparent und nicht als Verkaufsargument genutzt wird.“

Individuelle Finanzberatung

Von allen möglichen verschiedenen Geldanlagen machen die klimafreundlichen laut Thomas Pfister, Diplom-Sozialökonom und Experte zu diesem Thema bei der Verbraucherzentrale NRW, derzeit nur 1,5 Prozent aus. Die Tendenz sei aber stark steigend. Die Verbraucherzentrale an der Friedrich-Wilhelm-Straße 30 in Duisburg bietet eine individuelle Finanzberatung auch zu klimafreundlichen Geldanlagen an. Weitere Infos gibt es unter 0203/48 80 11 01 und auf vz-nrw.de/geldanlageberatung.