Nachbarn mögen Loveparade-Kubus nicht
09.11.2010 | 18:55 Uhr 2010-11-09T18:55:00+0100
Duisburg.Der Kubus, in dem den Opfern der Loveparade gedacht wird, sorgt jetzt in Duisburg für Ärger: Nachbarn fühlen sich von der hell erleuchteten Gedenkstätte gestört. Sie fordern eine Umsetzung – oder zumindest eine Zeitschaltuhr an der Beleuchtung.
Nachbarn ärgern sich über den hell erleuchteten Kubus, in dem der Opfer der Loveparade gedacht wird, vor ihrer Haustür. Sie wollen einen Ort des Gedenkens, aber nicht so.
Manche nennen ihn „Müllcontainer“, weil die Seidenblumen, Schmusetiere, Liebesbriefe arg gelitten haben. Vornean in dem Kubus, in dem die Trauergaben für die Opfer der Loveparade liegen, stehen jedoch die Fotos mit den strahlenden Gesichtern junger Menschen, Todesanzeigen mit berührenden Worten, Gedichte, die des Gedenkens mehr als würdig sind.
Am Sonntag beklebten Anhänger der Gruppe „Never Forget“ die Glasseite mit weißem Papier. Stunden später rissen Angehörige des Bürgerkreises Gedenken das Papier wieder ab. Der Kleber hat deutliche Spuren hinterlassen.
Abends mit Beleuchtung
„Wir wollen nicht das ganze Jahr Allerheiligen feiern“, sagt Brigitte Hölscher-Schüss. Sie wohnt an der Wegnerstraße und blickt von der Couch auf den Kubus. Jetzt wo die Bäume laublos sind, steht er noch präsenter in ihrem Blickfeld - und abends mit Beleuchtung. „Dass da nicht wenigstens eine Zeitschaltuhr dran ist, damit es nicht die ganze Nacht leuchtet“, ärgert Reinhard Küpper, Sprecher der Nachbarschaft. „So schön unsere Wohnungen sind, Herr Sauerland würde hier nicht wohnen wollen“, glaubt er.
Natürlich brauche Duisburg einen Ort des Gedenkens, aber wenn auf der B 8 jemand verunglücke, stehe sein Kreuz doch auch genau da und nicht 100 Meter weiter. Michael Hübecker findet es zudem würdelos, dass der Kubus auch noch von Hunden angepieselt wird. Und die Vorstellung, auf seinem Balkon im dritten Stock zu grillen, während unten getrauert wird, das könne man ja kaum aushalten.
Entscheidung nicht leicht gemacht
Hermann Kewitz vom Bürgerkreis Gedenken kann die Anwohner zwar verstehen, aber der Bürgerkreis habe sich die Entscheidung für den Standort nicht leicht gemacht. Der Vorschlag der Anlieger, die Wiese auf der westlichen Straßenseite zu nutzen, sei nicht umsetzbar, weil wegen der Erhöhung von der Straße aus nichts zu sehen sei. Die Beleuchtung nachts auszumachen, erhöhe die Gefahr des Vandalismus, erklärt Kewitz. Der Kubus sei von Anfang an als temporäre Lösung gedacht, sein Inhalt dem Vergehen unterworfen. Der Bürgerkreis überprüfe das Aussehen regelmäßig. Die Bilder der Verstorbenen zuzukleben findet er persönlich schwierig.
Am 15. November endet die Vorschlagsfrist für Entwürfe einer Steele. Sie soll nach bisherigen Plänen etwas näher zur Straße aufgestellt werden.

21:16
Also ich möchte jetzt gerne einmal alle die, die den Standpunkt der Anwohner nicht verstehen bitten, sich zu fragen ob sie es schön fänden oder ertragen könnten jeden einzelnen Tag erneut an den Tag der Loveparade erinnert zu werden. Es ist ja nicht so, dass diese Leute den Tag und die damit verbundenen Erinnerungen einfach vergessen könnten. Wie sollen diese Leute jemals zur Ruhe kommen, wenn sie durch die unmittelbare Nähe zum Tunnel UND durch diese (wie ich finde nicht angemessene) Gedenkstätte ständig mit dem Thema konfrontiert werden? Viele Anwohner waren selbst bei der Loveparade dabei und haben wie alle anderen Betroffenen schreckliche Erinnerungen, die durch diesen Kubus nur wieder hochgeholt werden. Grundsätzlich ist ja nichts gegen eine Gedenkstätte einzuweden, aber wieso nicht an einem angemessenen Ort wie zB der Rampe? Wieso nicht etwas würdevoller bzw liebevoller gestaltet? Ich persönlich muss fast jeden Tag durch den Tunnel gehen und finde es nur sehr schwer erträglich, mit dem Gedanken hindurchzugehen dass dort 21 Menschen ihr Leben verloren haben und etliche verletzt wurden. Ich würde auch nicht gerne zusätzlich daran erinnert werden wollen. Vergessen ist unmöglich.
21:04
@ 33 und @ 10
Wollt ihr hier etwa wohnen und jeden Tag dran erinnert werden ???
Wollt ihr auch nicht. Das ist schlimm genu, dass hier 21 Menschen gestorben sind. Aber wenn man jeden Tag dran erinnert wird, selbst bei den normalsten Sachen, wo man glücklich sein möchte. Das kann auch nicht das wahre sein.
Ausserdem ist das noch gar nicht klar, dass der von hier weg kommt.
21:03
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20:58
Was hat denn nun bitte der zweite Weltkrieg mit der Loveparade 2010 zu tun? Es ist ja nicht mehr zu fassen, was alles als vermeintliche Argumentation aus der Ecke geholt wird! Aber wenn wir schon einmal dabei sind:
Als Außenstehender vertrete ich die Auffassung, daß eine Gedenkstätte an den Ort des Geschehens gehört. Unweit von hier befindet sich das ehemalige KZ Bergen-Belsen. Kein Mensch käme auf die Idee, die Gedenkstätte dafür an einen anderen Ort verlegen zu wollen.
Als Duisburger muß man sich nicht fremdschämen. Niemand, der hier Anwesenden, trägt eine Verantwortung an der Katastrophe. Macht Dampf vor eurem Rathaus, vergeßt die Sache nicht, nutzt euer Wahlrecht. Das macht mehr Sinn, als den Kopf in den Sand zu stecken, oder sich gegenseitig zu zerfleischen.
20:49
@ #49 von turnaround , am 09.11.2010 um 20:28
es geht nicht um fremdschämen, sondern um eine Gedenkstätte einerseits, aber auch um einen therapeutischen Ort für die vielen traumatisierten Menschen.
Am 24. Juli hatten viele Menschen im Tunnel Todesangst, sie ringten um ihr Leben und wurden an der Rampe/im Tunnel reanimiert.
Viele Menschen wurden zu unfreiwilligen Helfern, aber auch an vielen professionellen Helfern ging die Tragödie an der Rampe/im Tunnel nicht spurlos vorbei.
Ich erlebe am Tunnel immer wieder Menschen, die diesen Ort aufsuchen, um zu begreifen was am 24. Juli geschehen ist.
Für sie stellt der Tunnel/die Rampe einen therapeutischen Ort dar.
Ich habe mir die RTL2 - 100 Tage - Dokumentation angeschaut. Über 500 Polizisten mußten in therapeutische Behandlung, ebenso Feuerwehrleute, Notärzte und Rettungssanitäter.
Zum Teil wird der Tunnel noch gebraucht, um das unfassbare zu begreifen. Und erst wenn jemand begreift was geschehen ist, wird er u.U. der Verarbeitung des Traumes etwas näher kommen.
Aus diesem Grund ist eben auch die Gedenkstätte an der Rampe so wichtig.
Wenn im Straßenverkehr (häufig auf Landstraßen) ein Mensch ums Leben kommt, dann wird an dieser Unglücksstelle ein Kreuz zur Erinnerung aufgestellt.
Hier aber unterscheidet sich der Verkehrsunfall von der Tragödie an der Rampe.
20:44
Treffend auf den Punkt gebracht.
http://mimimueller.de/unkategorisiert/das-hort-nicht-auf/
20:28
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20:18
Als Nachtrag zu 45 siehe auch:
Wenn Kriegstraumata plötzlich hervorbrechen
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Wenn-Kriegstraumata-ploetzlich-hervorbrechen-id3875485.html
Möglich auch, daß einige (betagte) Senioren diesen Ort aufsuchen.
20:09
Ich kann beide Seiten verstehen. Das einzig erbärmliche an der Geschichte ist meiner Meinung nach der ein oder andere Kommentare hier...
20:08
http://DUISBURG21.verwalten.ch
Hintern hoch, Mund aufmachen.