Duisburg

Nach Leukämie-Erkrankung geht es für Tobias (34) aus Duisburg mit kleinen Schritten aufwärts

Leukämie-Kranker Tobias kämpft sich zurück ins Leben

Im November 2015 bekommt Tobias Iserhot aus Duisburg die Schock-Diagnose: Leukämie. Nach Chemotherapie und Stammzellen-Transplantation geht es jetzt langsam bergauf.
Mo, 20.03.2017, 14.54 Uhr

Im November 2015 bekommt Tobias Iserhot aus Duisburg die Schock-Diagnose: Leukämie. Nach Chemotherapie und Stammzellen-Transplantation geht es jetzt langsam bergauf.

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  • Nach der Stammzellen-Transplantation beginnt für Tobias ein neues Leben
  • Tobias kämpft sich zurück

Duisburg. Tobias Iserhot (34) wird den Moment der Diagnose nie vergessen: Er hat Leukämie. Doch der Duisburger kämpft sich zurück ins Leben. Mit seiner Freundin Jana (27) schaut er jeden Tag weiter nach vorne.

Die Stammzellen-Transplantation ist schon über 100 Tage her. Die Werte schwanken manchmal, sehen aber gut aus. Tobias hat Hoffnung. Hoffnung auf ein neues Leben. Die Hunderttage-Marke war sehr wichtig. „In dieser Zeit“, sagt Tobias, „kann der Körper das Transplantat abstoßen.“

„Tag Einhundert ist der Tag, von dem man ausgeht, dass dann das Transplantat komplett angewachsen ist. Die Abstoßungsgefahr ist weg“, sagt Tobias zuversichtlich.

Wie es ihm jetzt geht

„Es gibt vermehrt Tage, da fühle ich mich besser. Der Magen und der Darm sind aber noch nicht wieder in Ordnung. Medizinisch ist alles super. Die Blutwerte sind fast im Normalbereich, wie bei einem Gesunden“, sagt Tobias.

Das Beste ist: Auf kleinster messbaren Ebene ist keine Leukämie mehr nachweisbar.

Haare wachsen wieder

Tobias schaut in die Zukunft. Seine Haare wachsen langsam wieder. Beim Friseur war er aber noch nicht. „Meine Haare fühlen sich ganz weich an, wie bei einem Baby. Das ist der Erstwuchs, da ist es normal, dass die noch so weich sind."

Da vergessen viele seine Krankheit

Eines ärgert Tobias aber. „Ich merke, dass viele das ganz schnell vergessen, dass ich so krank war und noch gar nicht so kann wie ich will. Ich sehe mit den Haaren viel gesünder aus.“

Er darf viel mehr essen

Seine Tablettenration hat sich verringert. Zu Beginn nahm er noch über 40 Tabletten am Tag, jetzt sind es noch 17. Tobias geht es mittlerweile so gut, dass er auch wieder rohes Gemüse essen darf. „Nur bei Eisbergsalat muss ich noch aufpassen und ihn großzügig abpflücken und Essig verwenden.“

Todesangst wird weniger

Tobias hat den Blutkrebs überstanden. Mit Hilfe seiner Freundin Jana, die immer bei ihm war, nächtelang an seinem Bett saß, wenn Tobias schlief.

„Die Todesangst wird weniger. Aber manchmal fragt man sich, ob es das alles wert war. Wenn es mal wieder schlechter geht“, sagt der Duisburger. Und er ist ungeduldig: „Mich nervt das ganz gewaltig, dass ich viele Sachen nicht machen kann oder nicht machen darf“, sagt er.

Tobias will ein Kochbuch schreiben

Als Tobias in der Behandlung war, fiel ihm auf, dass es keine guten Rezepte oder Kochbücher für Krebs-Kranke gibt. Jetzt überlegt er, ein Buch zu schreiben. Der gelernte Koch will Gerichte auswählen, die Leukämie-Patienten in ihren verschiedenen Phasen der Krankheit gut essen können. Doch dafür hätte er gerne einen Promi-Sterne-Koch an seiner Seite.

Der Traum von einem Imbiss

Und er träumt weiterhin von der Selbstständigkeit. Der gelernte Koch würde gerne in einem kleinen Imbiss arbeiten, mit einem Partner, der ihm dort hilft. Durch seine Bandscheibenvorfälle kann Tobias nämlich nicht mehr schwer heben.

Alleine schafft er schon wieder einiges

Besonders schön für Tobias ist, dass er schon einiges wieder ohne Hilfe schafft. „Ich fange jetzt wieder an, meinen Haushalt selbst zu machen. Aber kochen macht noch keinen Spaß. Ich mag einfach nichts und darf ja auch noch nicht alles. Ich esse echt wie ein Spatz“, sagt der Duisburger. Am besten gehen im Moment Milchschnitten.

Darf noch kein Auto fahren

Noch darf er kein Auto fahren, weil er Medikamente nimmt, die Alkohol enthalten. Aber das Autofahren fehlt auch nicht: „Ich habe glaube ich gar keine Lust mehr, Auto zu fahren, weil es mir zu anstrengend ist. Aber ich überlege, ob ich den Motorradführerschein mache. Dafür war ich auch schon in einer Fahrschule und habe mich erkundigt.“

Das Wichtigste in der Krankheitsphase

Wenn Tobias an die Zeit im Krankenhaus zurück denkt, sagt er: „Ich war ja quasi im Knast. Ich habe nichts von draußen mitbekommen, durfte ja nicht raus. Da war es total wichtig von Jana zu hören, wie das Leben draußen so ist. Und wenn sie mir nur erzählt hat, dass sie auf der Autobahn einen Unfall gesehen hat. Für Kranke ist es wichtig zu wissen, dass das Leben draußen weiter geht und was da so passiert. Ich wollte nicht ständig hören, dass es ja so schlimm ist, dass ich krank bin. Ein bisschen Normalität tat mir einfach gut.“

Tobias genießt die Zeit mit Jana

Bei schönem Wetter geht das Paar raus an den See. Der Spaziergang tut Tobias gut, doch nach gut drei Kilometern muss er abbrechen. Zu anstrengend. „Dann tut mein Rücken weh und ich merke, dass ich noch nicht wieder alles machen kann. Aber die Ausflüge tun gut. Jetzt wo der Frühling beginnt, beginnt auch für mich ein neues Leben“, sagt er und drückt Jana an sich.

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