Nach dem Studium nur kurzes Kita-Gastspiel

Derzeit kommen nur wenige Absolventen nach einem Studium auf den Geschmack, um langfristig in einer Kita zu arbeiten.
Derzeit kommen nur wenige Absolventen nach einem Studium auf den Geschmack, um langfristig in einer Kita zu arbeiten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die wenigsten Absolventen arbeiten nach einem kindheitspädagogischen Studiengang länger in einer Kita. Uni-Expertin fordert nach Studie Veränderungen.

Duisburg.. In Deutschland gibt es rund 115 kindheitspädagogische Studiengänge für angehende Erzieher und Erzieherinnen. Doch die wenigsten Absolventen arbeiten anschließend längerfristig in einem Kindergarten oder in einer Kindertageseinrichtung – ihr wissenschaftliches Know-How, wovon sonst die Kitas und die Kinder profitieren könnten, liegt dann brach. Doch wie kann man ein Studium für Kita-Fachkräfte interessanter machen? Damit beschäftigte sich eine Untersuchung der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Klar, natürlich ist das verhältnismäßig niedrige Kita-Gehalt für Akademiker oft nicht attraktiv. „Vielfach sagen Erzieher und Erzieherinnen, dass die Bezahlung zu schlecht sei“, meint Dr. Sybille Stöbe-Blossey vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), die die Studie begleitet hat. Nach ihrer Auskunft haben weniger als fünf Prozent aller Kita-Mitarbeiter einen Studienabschluss.

Finanzieller Aspekt ist nicht der einzige Grund

Doch der finanzielle Aspekt ist nicht der einzige Grund, dass Hochschul-Absolventen einen dauerhaften Einsatz in Kitas scheuen: „Viele Kindheitspädagogen gehen zunächst in eine Kita und sammeln erste Berufserfahrungen. Dort fühlen sie sich vielfach unterfordert, wollen mit ihren Kenntnissen pädagogische Konzepte weiterentwickeln“, sagt die Leiterin der IAQ-Forschungsabteilung Bildung und Erziehung im Strukturwandel.

Das wiederum stößt nicht immer auf breite Gegenliebe in Kita-Teams. „Sie sind oft mit der Arbeit belastet und haben keine Zeit, Innovationen umzusetzen“, schildert Stöbe-Blossey und ergänzt: „Das sind aber verschenkte Chancen.“ Die Konsequenz daraus sei dann auch, dass sich etliche Akademiker verabschiedeten und in den Bereich der Eltern- oder Fachberatung oder in die Jugend- oder Erwachsenenarbeit wechselten. Stöbe-Blossey: „Kaum eine Kindheitspädagogin kann sich da vorstellen, langfristig im Kita-Gruppendienst zu arbeiten.“

Das müsse aber nicht sein, wenn man ihnen interessantere und abwechslungsreichere Einsatzmöglichkeiten biete. „Die Akademiker wünschen sich oft einen gemischten Einsatz, bei dem sie etwa eine Hälfte ihrer Arbeit in der Kita und den anderen Teil mit Berater- oder Lehrertätigkeiten verbringen“, fasst Stöbe-Blossey ein Ergebnis der Studie zusammen. Zudem könnten sie gleichzeitig auch in mehreren Einrichtungen – etwa unter kirchlicher Trägerschaft – tätig sein und dort ihre wissenschaftlich-methodischen Grundlagen zum Beispiel in Konzepte zur Sprachförderung oder zur Verbesserung von naturwissenschaftlicher Vermittlung nutzen.

Dafür müssten die Kita-Träger aber auch bereit sein, an ihrer Organisations- und Personalentwicklung zu arbeiten. Zudem sollten sie regelmäßig konzeptionelle Team-Tage mit allen Mitarbeitern ausrichten. Und was ist mit dem lieben Geld? „Ob das Ganze dann auch mit einer tariflichen Entlohnung für die Kindheitspädagogen einher geht, wird man dann sehen“, meint Dr. Stöbe-Blossey.