Musikpreis der Stadt ehrt Martin Schläpfer

Nach Hans van Manen 2004 und Pina Bausch 2008 ist Martin Schläpfer der dritte Choreograph, der mit dem Musikpreis der Stadt Duisburg ausgezeichnet wird. Für Prof. Dr. Jürgen Schläder vom Vorstand der Köhler-Osbahr-Stiftung, die den mit 10 000 Euro dotierten Preis 1990 ins Leben gerufen hat, gelingt damit ein „Dreiklang“: Zum Preis kommt, dass der Chef des Balletts am Rhein seinen Vertrag bis 2019 verlängert hat und dass das neue Balletthaus in Düsseldorf in wenigen Wochen eröffnet werden kann.

Der bereits vielfach ausgezeichnete Schläpfer nannte den Preis einen „Höhpunkt meiner künstlerischen Laufbahn“. Ein „fantastischer Zeitpunkt“, findet auch der Geehrte, wisse er doch seit Donnerstag, dass er in den nächsten Jahren „einigermaßen sorglos“ weiterarbeiten könne. Er bewundere, wie Duisburg für den Fortbestand der Opernehe gekämpft und damit „ein Zeichen für diese Stadt“ gesetzt habe. Das sei geradezu heldenhaft von der Stadtspitze gewesen, schloss sich Generalintendant Christoph Meyer dem Lob an.

„Philosoph unter den Choreographen“

Mit Martin Schläpfer erhält ein Choreograph den Musikpreis, für den die Musik immer am Anfang einer Kreation steht. „Er ist stets auf der Suche nach dem Wesentlichen“, sagt Philharmoniker-Intendant Dr. Alfred Wendel über den Künstler, der auch schon als „Philosoph unter den Choreographen“ bezeichnet worden ist. Das Nachdenkliche und Tiefschürfende gehört zu seinen Choreographien, oft aber gelingt es ihm auch, das Schwere ironisch-heiter aufzubrechen. Schläpfer möchte mit seinem „Pingpong von Kopf und Bauch“ erreichen, dass über Tanz geredet wird, wie er gestern sagte.

Kulturdezernent Thomas Krützberg nennt es „sensationell, was mit der Compagnie seit 2009 passiert ist.“ Zudem gelinge es Schläpfer, Publikum zu gewinnen.

Was seine Choreographien so besonders und ihn zu einem Großen seiner Zunft macht, wird inzwischen auch erforscht, berichtete Schläder. Zum einen gestalte Schläpfer den Tanzkörper anders als seit Jahrhunderten üblich. Zum anderen konzentrierten sich seine Arbeiten – gegen die Sehgewohnheit – nicht auf ein Zentrum, er schaffe verschiedene Zentren, so dass das Publikum das Geschehen nicht komplett wahrnehmen könne. So schaffe sich der Zuschauer sozusagen seine eigene Sichtweise und wird mitverantwortlich für den Theaterabend.