Musikalische Schlägertruppe

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Zwei Männer neigen die riesige Trommel bedrohlich nach vorne, der Trommler ist auf den Knien und biegt sich nach hinten wie eine windgepeitschte Weide. Seine Trommelstöcke, massiv wie Staffelstäbe, sausen auf das dicke Fell nieder. Es donnert. Anfeuernde Rufe lassen ihn noch schneller werden. Plötzlich bricht ihm ein Stab in drei Teile. Er schleudert die Splitter von sich – und vollendet sein Solo mit nur einem Stab. Szenenapplaus im Stadttheater:

„Yamato“, die japanischen Taiko-Trommler aus Asuka in der Präfektur Nara wissen, wie man Höhepunkte setzt. Die 14-köpfige Gruppe um Masa Ogawa, den Gründer, Komponisten und künstlerischen Leiter, besteht im Kern seit 1993 und hat reichlich Tournee-Erfahrung. Im ersten Jahr hätten sie nach ihren Konzerten noch auf den Straßen Edinburghs gespielt, um genug Essensgeld zu verdienen, erinnert sich Ogawa. Das brauchen sie heute nicht mehr, inzwischen reisen sie mit einer Ausrüstung, die 40 Tonnen wiegt. Ihre neue Show „Bakuon – Legend of the Heartbeat“ die am Dienstagabend eine gut besuchte Premiere feierte, vereint explosive Energien mit Kraft und Konzentration. „Bakuon“, der Titel des Programms, bedeutet „starkes Geräusch“. Der Name sitzt, die Show lässt die Ohren dröhnen, Hände und Füße summen und das Zwerchfell flattern. Ob man die Auftritte der traditionellen Schlägertruppe im nächstgelegenen seismographischen Institut als Erschütterung registrieren kann, ist zwar nicht bekannt, aber vorstellbar. Die größte Trommel auf der Bühne ist mannshoch und wiegt etwa 500 Kilogramm. 35 verschiedene Trommeln erklingen in der Show. Von der kleinen Shime-Daiko, die mit bis zu 500 Schlägen in der Minute bearbeitet wird, bis zur mächtigen Odaiko, die aus einem Holzstamm gefertigt wurde.

Die traditionellen Trommelsätze sind mit modernen Show-Einlagen und ausgefeilter Lichttechnik kombiniert. Von der Decke rieseln für einen poetischen Moment mit klagender Bambusflöte beleuchtete Kirschblüten vor tiefrotem Hintergrund herab. Die Trommler in den grünen Seidengewändern liegen erschöpft auf dem Boden. Dann heben sich ihre gekreuzten Arme mit den Stäben wieder, der nächste rasende Wirbel ist immer nur einen Herzschlag entfernt.

Die grimmig klingenden, abgehackten Rufe, die Beats, die Schrittfolgen, alles erinnert an asiatischen Kampfsport. Da erstaunt es nicht, dass auch viele, an ihren japanischen Tattoos erkennbare Kampfsportler unter den Zuschauern sind. „Ich trainiere echt hart, aber diese Show würde ich körperlich nicht durchhalten“, meint Sven Heise. „die geben ja die ganze Zeit volle Energie.“