Mitarbeiter der Stadt Duisburg werden angefeindet

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Duisburg.. Die Gewerkschaft Verdi fordert OB Sauerland auf, seine Amtsgeschäfte ruhen zu lassen. Die Stadtspitze stelle sich nicht vor die Belegschaft, die Anfeindungen ausgesetzt sei. Sauerland selbst hat einen Brief an die Mitarbeiter geschrieben.

Die Gewerkschaft Verdi fordert OB Adolf Sauerland auf, seine Amtsgeschäfte ruhen zu lassen. Der Anlass: Zunehmend würden Stadt-Bedienstete beschimpft und bedroht und für die Loveparade-Tragödie verantwortlich gemacht, doch die Stadtspitze sei abgetaucht und stelle sich nicht schützend vor die Belegschaft. Selbst Morddrohungen habe es gegeben. So wurden Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe auf dem Recyclinghof in Hochfeld für die schrecklichen und unter die Haut gehenden Geschehnisse am Samstag verantwortlich gemacht. Mitarbeiter im Callcenter der Stadt Duisburg wurden telefonisch mit dem Tod bedroht.

„Hier werden Beschäftigte, die selber traumatisiert sind, auf das Übelste von Bürgern beschimpft“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. Die stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin Britta Munkler: „Das ist ein unerträglicher Zustand, dass die Beschäftigten beschimpft werden, nur weil die Stadtspitze sich seit Tagen um ihre politische und moralische Verantwortung drückt und diese nun auch noch delegieren will.“

Verdi geht davon au, dass der Weg für eine lückenlose Aufklärung frei wäre, wenn Adolf Sauerland seine Amtsgeschäfte ruhen ließe. Es könne nicht sein, dass Mitarbeiter der Verwaltung verantwortlich gemacht werden „für das desaströse Management der Stadtspitze“. Verdi erinnert daran, dass die Kollegen selbst tief betroffenen seien und viele von ihnen in 24-Stunden-Schichten eingesetzt waren, um Straßen von Unmengen an Glas zu reinigen, damit die Rettungswagen ungehinderten Zugang hatten. Gleiches gelte für den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der städtischen Feuerwehr.

Sauerland schreibt Brief an Mitarbeiter

Oberbürgermeister Sauerland selbst hat sich inzwischen in einem Schreiben an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gewandt. In dem Brief, der der Reaktion vorliegt, geht er auch darauf ein, dass die „gegen mich geschürte Wut auch Sie massiv trifft.“ Weiter heißt es: „Ausdrücklich möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen für die missverständlichen Äußerungen, die die Medien heute veröffentlicht haben. Keinesfalls wollte ich mich von Ihnen distanzieren, sondern habe offensichtlich missverständlich unser Verwaltungshandeln zu erklären versucht. Ich habe Vertrauen in Ihre Arbeit und verantworte diese auch.“

Mit der Weigerung, zum jetzigen Zeitpunkt zurückzutreten, wolle er vermeiden, dass es dadurch zu einer Vorverurteilung der Verwaltung komme, „die sich bei der Vorbereitung Loveparade hochengagiert eingebracht hat.“

Ferner heißt es in dem Schreiben, dass Oberbürgermeister Sauerland bereit sei, „zur gegebenen Zeit die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.“ Diese Situation erfordere von allen eine unglaubliche Kraftanstrengung. „Bitte beteiligen Sie sich nicht an Vorverurteilungen. Behalten Sie bitte Ihre Solidarität gegenüber unserer Stadt.“