Mit Semmelrogge auf die Reeperbahn

Am Mittwoch, 29. September, sitzt Martin Semmelrogge im Steinhof und liest aus dem Buch „Mit Gibbon und John Lennon nach Ancona“.
Am Mittwoch, 29. September, sitzt Martin Semmelrogge im Steinhof und liest aus dem Buch „Mit Gibbon und John Lennon nach Ancona“.
Foto: WAZ FotoPool

Urkomisch, sozialkritisch und oft ein bisschen politisch unkorrekt: Die Auszüge aus dem neuen Roman von Georg Meier „Mit dem Gibbon und John Lennon nach Ancona“ schickten das Publikum im Steinhof in Huckingen durch ein Wechselbad der Gefühle. Dass ausgerechnet Martin Semmelrogge den beiden Hauptfiguren des Romans auf der Bühne Leben einhauchte, ist fast schon eine göttliche Fügung. Der kongenial Vorleser ist die geradezu maßgeschneiderte Verkörperung des alternden intellektuellen Drogendealers Willi Windhorst und der Hamburger Kiezgröße „Achterbahn-Arno“.

„Wir gehen gleich mal direkt auf die Reeperbahn“, begrüßte Semmelrogge die Zuhörer. Und legte danach direkt mit der ersten kleinen Geschichten aus dem Roman los. Das Publikum begleitete Windhorst bei seinen philosophischen Streifzügen durch die Gesellschaft, bei denen sein eigenes Leben zur Metapher für den allgemeinen Verfall von Werten und Moral wird.

Willi ist nämlich zu Beginn des Buches gerade 60 Jahre alt geworden und sieht seinen eigenen Tod schon vor Augen. Dabei lässt er aber noch mal die guten alten Zeiten Revue passieren, in denen der Handel mit Kokain noch eine große Sache war.

Das Publikum zog Semmelrogge schnell dabei in seinen Bann. Zum einen, weil die Passagen, die er rezitierte, sprachlich geschliffen und sehr pointiert waren, und zum anderen, weil Semmelrogge einfach ein durch und durch charismatischer Typ ist.

Die Zuhörer konnten gar nicht genug bekommen von den Anekdoten rund um die zwei skurrilen Hamburger Originale. Dass die Pause bereits nach 45 Minuten kommen sollte, war daher ein Ärgernis.

Aber Semmelrogge ist flexibel. „Wir brauchen gar keine Pause machen. Ich mache gerne durch, das bin ich gewohnt“, erklärte der Schauspieler seinem Publikum.