Mit einem DDR-Motorrad durch Duisburgs Felder

Klaus Wagner aus Serm genießt die Fahrten auf seiner „Touren-AWO“.
Klaus Wagner aus Serm genießt die Fahrten auf seiner „Touren-AWO“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Klaus Wagner aus Duisburg hat viel Geld und Zeit in seine Simson gesteckt, um nun die Touren auf der außergewöhnlichen Maschine genießen zu können.

Duisburg.. Ganz zufällig hat Klaus Wagner das Motorrad vor knapp 20 Jahren bei einem Quätschchen mit seinem Nachbarn entdeckt. Der stammt gebürtig aus der ehemaligen DDR und wollte die 1955 im thüringischen Suhl gefertigte und gar nicht mehr taufrische Simson AWO 425 eigentlich selbst wieder flott machen, ist dazu aber nie gekommen.

Bei Wagner löst die Maschine, die ihr Dasein in einer Scheune fristet, sofort Kopfkino aus – Erinnerungen werden wach an die ähnlich aussehenden BMW-Motorräder, die sein Vater früher gefahren hat. Und weil der Sermer Sanitär- und Heizungsbaumeister schon immer so ein altes Schätzchen haben wollte, kauft er seinem Nachbarn die so genannte Touren-AWO kurzerhand ab.

Viel Zeit und Geld investiert er in das Zweirad. „Ich habe die Maschine damals total zerlegt und sieben lange Jahre restauriert. Immer an den Wochenenden, wenn ich Zeit hatte“, erzählt Wagner. Ersatzteile bekommt er anfangs über den Kontakt zu einem Motorradmuseum in der Simson-Heimat Suhl und später über eine spezielle Firma in Remscheid. Neuer Auspuff, neuer Sattel, neue Reifen und Felgen, neue Bremszüge und noch vieles mehr.

Der nötige Führerschein fehlte

Der Sermer sehnt die erste Spritztour herbei. Doch kurz bevor es soweit ist, hat er ein Problem. Eine Fahrlehrerin macht ihn darauf aufmerksam, dass er gar nicht den nötigen Führerschein, Klasse 1, besitzt. „Ich dachte immer, dass der alte Führerschein, Klasse 4, ausreicht, hatte mich da aber leider getäuscht.“

Doch Wagner ist ehrgeizig, nimmt sofort Fahrstunden. Innerhalb von 14 Tagen hat er den notwendigen „Lappen“, dann anfangs aber nur kurzzeitigen Spaß an seiner Simson. „Ich hatte mit einem Kolbenfresser zu kämpfen und musste wieder alles zerlegen“, erzählt der 67-Jährige. „Ein Reifen ist auch mal geplatzt, ein Bremsschlauch gerissen. Ich hab die Maschine damals mehr geschoben als gefahren. Das hat mich viele Nerven gekostet.“

Aus Schrott etwas Wunderbares machen

Seit ein paar Jahren macht die Simson mit dem Viertaktmotor, 250 Kubik, 13 PS, Kardantrieb, ohne Kette, und der besonderen Fuß- und Handschaltung aber keine Probleme. „Es war der Reiz, aus Schrott etwas Wunderbares zu machen“, sagt Wagner, der seit einigen Jahren auch noch ein Käfer-Cabrio, ein Bieber-Umbau mit abgeschnittenem Dach, Baujahr 1980, besitzt.

Am allerliebsten ist der Sermer aber bei schönem Wetter auf zwei Rädern unterwegs durch die Felder im Duisburger Süden. „Wenn ich dann noch den Rapsduft in der Nase habe, bin ich rundum zufrieden ...“

Weitere alte Schätzchen gesucht

In unserer Serie stellen wir in loser Folge Menschen und ihre alten Schätzchen mit zwei, drei, vier oder mehr Rädern vor, die noch auf Duisburgs Straßen unterwegs sind. Alle bisherigen Folgen gibt es unter waz.de/alte-schaetzchen.

Wir suchen weitere solcher „Oldies“. Schicken Sie uns bitte ein paar Zeilen (gerne auch mit Fotos) – entweder per Mail an redaktion.duisburg@waz.de oder per Post an die WAZ Duisburg, Harry-Epstein-Platz 2, 47051 Duisburg. Bitte Name und Telefonnummer nicht vergessen. Wir melden uns dann bei Ihnen.