Mindestlohn: Wenig Beschwerden

Foto: Kai Kitschenberg

Die Gewerkschaften haben lange dafür gekämpft, die Unternehmer sträubten sich, dann konnte sich die Politik doch dazu durchringen: Seit knapp zwei Monaten gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Die Einführung am 1. Januar 2015 wurde von viel Medienrummel und Kommentaren aus allen Lagern begleitet, Spekulationen über Preisexplosionen und Schließungen von kleineren Firmen wurden befürchtet. Doch inzwischen ist es ruhig geworden um das Thema – denn so einschneidend scheint das Gesetzt gar nicht zu sein.

„Bei uns ist es so, dass wir in NRW schon lange mit den Tarifverträgen oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegen“, sagt Dieter Schormann vom Landesbezirk NRW der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dem auch die Duisburger Mitglieder angehören. Beschwerden von Beschäftigten seien bisher nur „Einzelfälle“, erklärt Schormann. Im Hotel- und Gaststättengewerbe beispielsweise liege die unterste Tarifgruppe seit mehr als einem Jahr oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Dieser Tarifvertrag sei allgemeinverbindlich – für alle Unternehmen der Branche in NRW. Vereinzelt gebe es im Bäckerhandwerk Betriebe, die nicht Mitglied in den Innungen seien. Bei diesen käme es nun vereinzelt zu Nachfragen oder Beschwerden Beschäftigter, um die sich die Gewerkschaft kümmert.

Ähnlich ist die Situation bei der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). „Wir sind die Gewerkschaft mit den meisten Mindestlöhnen“, sagt Friedhelm Bierkant, Vorstand des Bezirksverbands Duisburg-Niederrhein. Doch die Mindestlöhne habe man weit vor dem 1. Januar ausgehandelt, und sie liegen über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Dennoch betont Bierkant: „Ich bin davon überzeugt, dass da getrickst wird.“ Beispiel Gebäudereinigungshandwerk: „Da sagt man den Frauen, sie müssen mehr Quadratmeter in der gleichen Zeit schaffen, sonst geht die Firma unter. Es wird also auf die Arbeitnehmer abgewälzt“, erläutert Bierkant. Die würden oft erst klagen, wenn sie aus dem Betrieb ausscheiden, vorher würde die Angst um den Arbeitsplatz überwiegen.

„Die Erfahrungen sammeln wir jetzt nach und nach“, blickt Thomas Keuer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi, auf die ersten Mindestlohn-Wochen zurück. Er rät aber vor allem Arbeitnehmern, die für ihre Arbeit eine finanzielle Pauschale bekommen, genau nachzurechnen: „Es muss mindestens 8,50 Euro pro Stunde herauskommen.“ Wer Hilfe braucht, solle sich an seine Gewerkschaft wenden.