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Integration

Migranten in Marxloh fühlen sich angegriffen

08.09.2010 | 14:43 Uhr
Migranten in Marxloh fühlen sich angegriffen
Am Dienstag, den 7.9.2010 geht Jürgen Roggenbuck (51, POK) mit seinem Rad auf Streife auf einem Flohmarkt in Duisburg Marxloh. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Duisburg. Der Stadtteil Duisburg-Marxloh wird oft als Beispiel für misslungene Integration angeführt. In Marxloh selbst ist man ganz anderer Meinung. Migranten fühlen sich aber auch durch Sarrazins Thesen angegriffen. Eine Straßenumfrage.

Die Bundesrepublik diskutiert in Talkshows, in Nachrichten und Internetforen über Thilo Sarazzin und seine umstrittenen Thesen zur Integrationsbereitschaft muslimischer Migranten. Als Paradebeispiel im negativen Sinn wird in diesem Zusammenhang häufig der Duisburger Stadtteil Marxloh in den Berichten thematisiert. Sogar die Kanzlerin erwähnte jüngst in diesem Zusammenhang den Stadtteil in einer ihrer Reden. Wir haben uns vor Ort umgeschaut und mit den Menschen auf der Straße gesprochen, wie es denn aus ihrer Sicht um ihren Stadtteil steht.

„Ich verstehe die Aufregung um Marxloh nicht. Hier sind die Leute nicht ärmer oder dümmer als in der gesamten Stadt oder Region. Und wenn hier möglicherweise mehr Jugendliche ohne Ausbildungsstelle verzeichnet sind, dann liegt die Verantwortung bei der Politik. Sie sollte aufhören mit den Finger auf uns zu zeigen und Arbeitsplätze schaffen“, ärgert sich Larbi Blekazim.

„Hier kommt jeder mit jedem klar. Deutsche, Türken, Araber, alle respektieren sich und haben überhaupt keine Probleme miteinander. Auch wenn die Außenwahrnehmung eine andere ist“, sagt Karim Kazak.

„Ich fühle mich angegriffen durch seine Aussagen“

Wenn man Nurettin Kücüksarioglu auf Thilo Sarazzin anspricht, dann steigt der Stresspegel des 22-Jährigen deutlich: „Ich fühle mich angegriffen durch seine Aussagen. Ich habe eine Ausbildung zum Kaufmann abgeschlossen, spreche fließend deutsch, lebe nicht von Sozialleistungen. Meine Schwester absolviert im nächsten Jahr das Abitur, trägt ein Kopftuch und ist Klassenbeste. Natürlich gibt es auch junge Türken oder Araber die nicht so emsig sind, aber ich kenne auch genügend deutsche Jugendliche aus Marxloh, die es nicht schaffen einen Ausbildungsplatz zu finden.“

Auch Jürgen Roggenbuck, Polizeioberkommissar berichtet während seiner Streife auf dem Fahrrad über den Trödelmarkt in Marxloh, dass die Außenwahrnehmung und die Realität völlig unterschiedlich seien. „Man kann nicht sagen, dass es hier mehr Kriminalität gibt oder unsicherer ist als in anderen Stadtgebieten. Ich wurde bislang noch nie von jemanden in Marxloh angemacht oder angegriffen. Klar ist die Mentalität manchmal eine andere, dennoch sind die Leute sehr umgänglich.“

Hasan Örnek teilt Sarazzins Meinung, dass die Integrationspolitik fehlgeschlagen sei. Allerdings sieht er die Verantwortung dafür bei anderen. „Die Politik hat seinerzeit ungebildete Menschen ins Land geholt, um sie hier arbeiten zu lassen und sich nicht um sie gekümmert. Jetzt meckern alle, dass sich Stadtteile formiert haben in denen viele Ausländer leben, aber etwas daran ändern, will dann doch keiner. Meine Kinder sind in Marxloh groß geworden und studieren sogar. Ja, kaum zu glauben, was? Es gibt Türken aus diesem Stadtteil, die gehen zur Uni“, sagt der 58- Jährige sarkastisch.

Die aktuelle Kriminalitätsstatistik der Polizei aus Marxloh gibt es hier .

Sinan Sat

Kommentare
08.09.2010
21:14
Migranten aus Marxloh fühlen sich angegriffen
von zapfer403 | #309

ich finde den sarrazien klasse er spricht mir aus der seele.keine lust zum arbeiten=kein geld.nix deutsche sprache!!!briefmarke auf den po und ab in...
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2010-09-08 14:43
Duisburg