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Migranten-Eltern in Duisburg sprechen zu selten Deutsch

03.02.2012 | 10:06 Uhr
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Migranten-Eltern in Duisburg sprechen zu selten Deutsch
Sprachförderung beginnt für Duisburger Kinder zum Teil schon im Kindergarten. Mit solchen Maßnahmen versucht die Stadt der zunehmenden „deutsch Sprachlosigkeit“ in den Migranten-Familien entgegen zu wirken. Foto: Andreas Mangen/ WAZ Fotopool

Duisburg.   Immer weniger Duisburger Eltern mit Migrationshintergrund sprechen in der Familie vorrangig auf Deutsch. Jugendamtsleiter Krützberg spricht von „deutscher Sprachlosigkeit“. Die Stadt Duisburg und das Land versuchen mit Sprachförderung gegenzusteuern.

Eine aktuelle Erhebung des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Statistik bringt es an den Tag: Die „deutsche Sprachlosigkeit“ in Familien mit Migrationshintergrund und Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren ist nach wie vor sehr groß – und sie wächst weiter an.

Und: Die Stadt Duisburg liegt im NRW-Städtevergleich dabei auch noch an der Spitze. Konsequenz: Die Stadt, der städtische Schulträger, unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen bemühen sich seit Jahren mit sehr viel Geld und viel zusätzlichem pädagogischen Personal um sprachliche Integration durch Sprachförderung. Aktuell untersucht und gezählt wurden vom Statistischen Landesamt NRW die Kinder in Kita-Betreuung (im Alter bis unter sechs Jahren). Dabei wurde für die Stadt Duisburg deutlich: In den Elternhäusern der drei- bis sechsjährigen Kinder mit Migrationshintergrund wird in 40,5 Prozent der Haushalte vorrangig nicht deutsch gesprochen. Ein Wert, der von 2008 bis 2011 von 38% auf jetzt über 40% ansteigt. Der NRW-Schnitt liegt bei 23,6%.

Auch deutsche Kinder brauchen Sprachförderung

Für Jugendamtsleiter Thomas Krützberg, professionell seit Jahren u.a. für die sprachliche Integration von Kindern in den mehr als 200 städtischen Kindertagesstätten verantwortlich, ist diese „deutsche Sprachlosigkeit“ in Migrantenfamilien keine Überraschung: „Wir müssen da sehr, sehr dicke Bretter bohren.“ Die türkische Community in Duisburg schließe sich nach seiner Beobachtung „leider zunehmend segregativ zusammen“ (Anm. d. Red: „Segregation“ = „Entmischung“). Migrantenkinder, die in dritter oder vierter Generation in Duisburg lebten, würden jetzt wieder ihre deutsche Sprachaktivitäten reduzieren, weil sie sich plötzlich ihrer türkischen Herkunft rückbesinnen würden.

Das sagt der Jugendamtsleiter
Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg
Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg

Nur in der Kita die deutsche Sprache hören und sprechen – und dann zu Hause und in der Freizeit nicht mehr, weil dort eine andere Sprache gesprochen wird? Für Jugendamtsleiter Thomas Krützberg ist das ein Unding: „Da wäre eine reine Labor-Situation: Gegen die sprachliche Übermacht des Elternhauses und der Freizeit können die paar Deutsch-Stunden in der Kita wenig bewirken.“ Die Sprache sei aber „der Schlüssel zur Bildung“ und die Eltern halten ihn für ihre Kinder in der Hand. Wer als Kleinkind mit Migrationshintergrund in der Kita nicht deutsch lerne, der werde später im Deutschen sprachlos. „Kinder müssen mit Sprache freundschaftlich aufwachsen, lesen, sprechen, experimentieren, und dies nicht in der harten Konfrontation auf der Straße.“

Die Stadt und das Land NRW steuern dagegen und wendeten im vergangenen Jahr 2011 alleine für Sprachförderung in Kindertagesstätten 2,3 Millionen Euro auf, um dort 6000 von zirka 14.000 Kindern sprachlich gezielt zu fördern. Krützberg: „Aber wir fördern nicht nur Kinder türkischer Herkunft, sondern auch viele deutsche Kinder.“ Der Erfolg, so Krützberg, zeige sich an der Anerkennung Duisburger Grundschullehrer, die von „erkennbar besseren Sprachkenntnissen“ ihrer I-Dötze im Vergleich zu Vorjahren sprechen würden.

Die Eltern sind nach Auffassung des Jugendamtsleiters der wesentliche Grundpfeiler für die Bildungskarriere ihres Kindes. „Deshalb zielen wir auch mit Sprachkursen eigens für Eltern genau auf dieses Problem“, sagt er.

Delfin-Sprachtest stützt Umfrage des Landesamts für Statistik

Ohne gezielte Sprachförderung und Anstrengung zur sprachlichen und kulturellen Integration wäre das aktuell diagnostizierte Phänomen nach Auffassung von Schulamtsdirektorin Brigitta Kleffken noch größer. Die Expertin der Schulaufsicht für Grund- und Hauptschulen in Duisburg u.a. für den Bereich „Migration und Sprache“ verweist auf eine Befragung der Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf (Delfin4-Test).

Die brachte ebenso wie jetzt das Landesamt für Statistik zu Tage: Nur in einer von fünf Migrantenfamilien werde zu Hause „überwiegend deutsch gesprochen“. Aber: In vier von fünf Migrantenhaushalten werde „überwiegend nicht deutsch“ gesprochen.

750 000 Euro für Sprachförderprojekte

Mit dauerhafter Sprachförderung quer durch das ganze Schulsystem und zusätzlichen Lehrerstellen für Schulen mit einem Migrationsanteil ab 40 Prozent aufwärts bemühen sich das Land und die Stadt, zumindest die gravierenden Sprachdefizite der Kinder in den Griff zu bekommen. In Duisburg hat gut jedes dritte Kind (37%) im Alter von vier Jahren derart große Sprachdefizite, dass ein erfolgreicher Schulbesuch ohne Hilfestellung unwahrscheinlich ist.

Herausragend: Seit Jahren nimmt die Stadt Duisburg, obwohl unter Haushaltskontrolle durch die Bezirksregierung, für die Sprachförderung pro Jahr neue Schulden von circa 750.000 Euro auf. Damit wurden in 2011 an 80 Schulen (41 Grundschulen, der Rest andere Schulformen) 165 zusätzliche Sprachförderprojekte (88 an Grundschulen) durchgeführt. Knapp 100 zusätzliche Lehrer stellt das Land NRW in Duisburg alleine an Grund- und Hauptschulen zur Verfügung, um Schulen mit hohem Migrationsanteil zu stützen.

 

Stefan Endell

Kommentare
03.02.2012
21:16
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03.02.2012
21:02
sich DER Sprachvermittlung
von DU-Kersten | #15

annehmen.

03.02.2012
21:00
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Name von Moderation entfernt | #14

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03.02.2012
18:18
Migranten-Eltern in Duisburg sprechen zu selten Deutsch, wofür auch, wenn unser aller Noch-OB türkisch lernt....
von pressling | #13

Wie man so munkelt.

03.02.2012
17:31
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Name von Moderation entfernt | #12

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03.02.2012
16:03
@Komisch66 | #10
von Melete | #11

Aus Ihrer Sicht müssen "natürlich" die Kosten hier total unheblich sein ("Was sind schon ein paar Fördergelder") und "natürlich" seien hier vor allem die Stadt und das Land gefordert, wenn es darum gehe, "Migranten der Einstieg in die Deutsche Sprache" zu erleichtern. Nur eines fällt Ihnen dabei nicht auf: wir reden hier nicht von Migranten, sondern von Menschen, die laut Artikel in "dritter oder vierter Generation" in Deutschland leben. Wer innerhalb von drei/vier Generationen in einem Land nicht heimisch wird und seine Heimat noch woanders sieht, sollte sich überlegen, ob er hierhin gehört.

Dass Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen und ihnen die Zukunftschancen rauben, so selbstverständlich Anspruch auf besondere Leistungen des Staates haben, ist nicht nicht normal (schauen Sie sich mal die Bedingungen in den klassischen Einwanderungsländern an). Die "paar Fördergelder" (in Millionenhöhe) fehlen dann bei der Förderung anderer Kinder. Hier sollte auf jeden Fall das Subsidiaritätsprinzip gelten: für die Sprachförderung müssen in erster Linie die Eltern aufkommen. Nur bei Bedürftigkeit ist der Staat verpflichtet, Elternversagen auszugleichen und Beihilfen für die Sprachförderung zu leisten.

03.02.2012
15:37
Natürlich.
von Komisch66 | #10

Natürlich wird nun wieder behauptet, Migranten müssten auf ihre Verbundenheit zur Heimat verzichten und somit auch ihre Sprache aufgeben. Dies ist doch Unsinn, da es jeder Deutsche,der auswandert doch ähnlich halten würde und zuhause ebenfalls deutsch sprechen würde. Dies soll nicht heissen, Migranten sollen KEIN Deutsch lernen, aber hier zu erwarten, dass sie ihre Wurzeln und ihre Sprache aufgeben, ist einfach nur verfehlt.
Gerade bei Migranten ist die große Chance da, Kinder zweisprachig aufwachsen zu lassen, was auch im Hinblick auf die Türkei als boomende Wirtschaftsnation äußerst relevant sein könnte. Ich glaube kaum, dass unser Staat diese Chance durch mangelnde Sprachfördermittel ungenutzt lassen sollte und darf.
Nochmals: Sprachförderung bringt nicht nur einseitigen Gewinn:
Es profitiert der Migrant selbst durch den Zugewinn an Kommunikationsfähigkeit mit der Gesellschaft.
Facharbeiter können so leichtere qualifiziert werden und zweisprachig aufgewachsene Kinder können künftig vermittelnd für Unternehmen eingesetzt werden. Hier profitiert der gut ausgebildete Beschäftigte vom Wirttschaftsstandort Deutschland und Deutschland vom gutausgebildeteten Beschäftigten.

Was aber genauso wichtig ist, ist dass Sprachförderung einhergeht mit Integration. Nur durch ausreichende Sprachkenntnisse kommen Migranten und Einheimische zusammen und profitieren auf der sozialen und kulturellen Ebene voneinander.

ferner stimmt es auch nicht, dass wir Migranten nichts schuldig wären. Ich denke doch, dass gerade Zuwanderer dafür gesorgt haben, dass es uns als Land wirttschaftlich verhältnismässig gut geht.Dies hat sicherlich in erheblichen Maße auch mit dem Fleiß und der Tüchtigkeit von Zuwanderern zu tuen, die sichinschwierigen Zeiten nicht zu schade waren, auch schwerste und menschenverachtende Tätigkeiten auszuführen. Dann braucht man auch nicht erwähnen, welche "Altlasten" ein Weltkrieg mit sich bringt und wie wir als Deutschland mit anderen Nationalitäten umgegangen sind.
Nicht zu letzt ist es wichtig, dass gegen das braune Terror-Netzwerk ein Zeichen gesetzt wird und wir als Land eben NICHT das Bild vermitteln, Migranten wären nicht willkommen. Deutschland darf nicht als Land gesehen werden, in dem Menschen anderer Herkunft wegen eben dieser verfolgt und getötet werden.
Dies erreicht man auch dadurch, dass hier eine Förderung der Integration eben auch durch Sprachförderung finanziell unterstützt wird. Dies ist nämlich auch ein Akt einer dringend notwendigen Willkommenskultur.
Es wäre vermessen zu erwarten, dass jeder Migrant gleich die Deutsche Sprache beherrscht und sich so problemlos einfügen kann. So ist die Realität nicht (leider) und deswegen muss hier unterstützt werden. Ich denke doch, wir sind uns einig, dass gerade in diesen Bereichen staatliche Gelder nicht "verpulvert" werden, sondern sinnvoll angebracht werden.

Was den Zugang zu den Soft skills von Zuwanderern durch die verbesserte Sprachfähigkeit angeht, lässt sich ja auch hier in den Kommentaren herauslesen, dass gerade ein bißchen Nachhilfe in Sachen Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit dringend notwendig wäre. Und gerade dies lässt sich hervorragend bei Zuwanderern wechselseitig erlernen.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #10-1

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03.02.2012
15:26
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Name von Moderation entfernt | #9

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03.02.2012
15:21
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Name von Moderation entfernt | #8

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03.02.2012
14:05
man muss differenzieren
von Komisch66 | #7

Man muss differenzieren:
Natürlich sollten Migranten, die in Deutschland leben auch Deutsch sprechen können und es ist auch an den Migranten selbst, dies umzusetzen.
MIgranten wollenhier an der Arbeitswelt teilhaben und deshalb sind Deutsche Sprachkenntnisse unerlässlich.
Andererseits darf man nicht damit beginnen, die Heimatsprache der Migranten an den Prangers tellen zu wollen. Gerade die mUttersprache hat größte Bedeutung wenn es um Heimaverbundenheit und eine "Brücke" in seine alte Heimat geht.

Natürlich ist hier auch die Stadt und das Land gefordert und gezielte Sprachförderung muss her. Die Kosten dafür dürfen jedoch nicht künstlich hochstilisiert werden. Was sind schon ein paar Fördergelder im Vergleich dazu, dass Migranten der Einstieg in die Deutsche Sprache erleichtert wird und somit auch signalisiert wird, dass wir Migrantenauch gerne in unserer Gesellschaft aufnehmen wollen. Ich denke gerade in Zeiten des Nazi-Terrors -wie wir sie gerade erleben- sind solche Zeichen wichtiger denn je.
Ferner darf hier nicht vergessen werden, dass mit der Sprachförderung auch die Ausbildung von Migranten zu späteren Fachkräften unterstützt wird und gerade in Zeiten des demografischen Wandels mit einer immer älter werdenden Gesellschaft brauche wir eben diese Fachkräfte mit ihren speziellen Fähig- und Fertigkeiten dringendst um den Herausforderungen der globalen Marktwirtschaft auch künftig begegnen zu können.
Dann muss noch bedacht werden, dass gerade solche Migranten, die der Deutschen Sprache mächtig sind, häufiger den Kontakt zur "ur-deutschhen" Gesellschaft suchen werden und wir als Deutsche somit ebenfalls indirekt vom ZUgang zu den sogenannten Soft Skills von Migranten profitieren. Soft Skills wie eben Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit, Lebensfreude aber auch durch Freundschaft und die Einführung in die Besonderheiten eines anderen Kulturkreises im alltäglichen Miteinander eine gegenseitige Bereicherung erfahren. Diese Bereicherung lässt sich jedoch nicht mit der Höhe von Fördergeldern gegenrechnen und deshalb sollte man nicht nur die Höhe von Fördergeldern betrachten (die ohnehin eher zu niedrig ausfällt) sondern auch immer den "Gegenwert" im Auge behalten.
Dies sind wir als aufnehmende Gesellschaft den Migranten schuldig.

2 Antworten
Migranten-Eltern in Duisburg sprechen zu selten Deutsch
von keinervondaoben | #7-1

Sorry, aber Sch... auf Heimatverbundenheit und Brücke zur Heimat. a) wenn die Verbundenheit so groß ist wandere ich nicht aus, b) die "alte" Heimat kennen die meisten nur aus dem Urlaub. Somit habe ich als Migrant nötigenfalls meine Muttersprache zu opfern und darf nicht erwarten das die"aufnehmende Gesellschaft" es gut heißt, wenn man in manchen Stadteilen überall in D kein Deutsch mehr zu hören bekommt. Und übrigens : wir sind den Migranten gar nichts schuldig.
Ansonsten ist Ihr Beitrag wie immer ...Vor allem der Passus"Soft Skills wie eben Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit, Lebensfreude aber auch durch Freundschaft und die Einführung in die Besonderheiten eines anderen Kulturkreises im alltäglichen Miteinander eine gegenseitige Bereicherung erfahren." !!! Da schmeißt Du Dich hin !!

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Name von Moderation entfernt | #7-2

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