Meilenstein für die Septische Chirurgie

Foto: Lars Heidrich

Kurz unterhalb des Knies zeigt das Röntgenbild des Unterschenkels ein großes Loch in der Knochenmitte. Der Patient darf hoffen, dass die Entzündungen, die diesen massiven Schaden verursachten, endlich enden. In der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Buchholz hat ihm Dr. Martin Glombitza den Hohlraum mit einem neu entwickelten Knochen-Ersatzmaterial verfüllt. Nur wenige Tage nach der Zulassung des Präparats war es der erste Eingriff dieser Art in Deutschland, der zweite weltweit nach der Premiere in einer Kopenhagener Klinik. Die Septische Chirurgie der BGU ist neben Oxord eines von zwei Exzellenz-Zentren in Europa.

„Cerament V“, entwickelt vom Hersteller Bone-Support aus Schweden eröffnet den Chirurgen neue Möglichkeit und macht vielen Patienten Hoffnung auf das Ende eines langen Leidensweges. „Das zunächst zähflüssige Material verfestigt sich und bildet dabei eine Porengröße, in die der Knochen wieder einwächst“, erklärt Glombitza, leitender Arzt der septischen Chirurgie an der BGU.

Hoffnungen verbinden sich mit dem neuen Präparat vor allem, weil es das Antibiotikum Vancomycin enthält. Das wirkt gegen sogenannte multiresistente Keime (MRSA) und verhindert so eine erneute Infektion. „Entzündungen im Knochenmark und im Gelenkbereich sind tückisch, weil sie erneut aufflammen können, nachdem sie sich zwischenzeitlich völlig beruhigt haben“, erklärt Dr. Martin Glombitza. Schon bei der Entwicklung des Knochenersatzes haben die Ärzte mit dem Hersteller zusammengearbeitet. Die Funktion sei zwar im Grundsatz einfach, im Detail jedoch kompliziert, erläutert Glomitza. „Das Material muss das Medikament in kleinen Mengen verzögert freigeben, damit die Zellen nicht geschädigt werden.“

Als alternatives Verfahren für das sogenannte „Totraum-Management“ steht den BGU-Chirurgen ein Material mit Bioglas zur Verfügung. Glombitza: „Die Beschaffenheit der Oberfläche der Glaspartikel sorgt dafür, dass sich Keime nicht mehr vermehren.“

Weil die Zahl resistenter Erreger zunimmt und die Zahl der Gelenkersatz-Operationen steigt, rechnet die BGU mit einer stark wachsenden Zahl von Patienten, die für diese Behandlung infrage kommen. Bis zu vierzig Unfallopfer und Menschen, bei denen es nach der Gelenk-OP zu Knochenfraß gekommen ist, werden es für den Anfang sein, schätzt Dr. Martin Glombitza. Besonders groß sei das Risiko, wenn alte Gelenk-Prothesen ausgewechselt werden und es zuvor schon einmal zu einer Infektion gekommen ist. „Auch die Zahl dieser Fälle steigt stark an.“