Marxloh hat viele Gesichter

Marxloh war in dieser Woche in aller Munde. Der Vorsitzende einer Polizeigewerkschaft nannte den Stadtteil, in dem zahlreiche Zuwanderer aus Südosteuropa leben, zum wiederholten Male „No-Go-Area“ und „rechtsfreier Raum“. So ein Unsinn!

Natürlich gelten auch in Marxloh die Gesetze – so wie an jedem anderen Ort dieser Republik auch. Natürlich rückt die Polizei sofort nach Marxloh aus, wenn sie von dort alarmiert wird. Was aber auffällt, ist die Ballung an Vorfällen, bei denen eine Bagatelle ausreichte, um die Gemüter hochkochen zu lassen. Manches Mal wurde durch Clan-Mitglieder ein Massenauflauf provoziert. Bei einigen dieser Zwischenfälle wurden Polizisten attackiert, teils verletzt. Das ist nicht hinnehmbar. In einem „rechtsfreien Raum“ hätten diese Täter freies Spiel. Hier werden sie, wenn sie gefasst werden, festgenommen, angezeigt und später verurteilt. Mit Begriffen wie „rechtsfreier Raum“ werden Ängste geschürt, Vorurteile bedient und der Stadt Duisburg – wieder einmal – von Außenstehenden ein Makel aufgedrückt.

Richtig ist, dass die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt bei immer mehr Menschen gesunken ist. Das ist aber ein Phänomen, das nicht nur in Duisburg zu beobachten ist. Sondern überall. Was uns allen zu denken geben sollte, ist die Frage, warum immer mehr Zeitgenossen vor jenen Menschen jeglichen Respekt verloren haben, die früher als natürliche Autoritäten galten. Denn es sind ja nicht nur Polizisten, die immer öfter attackiert werden. Frag nach bei Feuerwehrmännern oder Rettungsdienst-Kräften.

Übrigens: Bei allen Negativ-Schlagzeilen sollte nicht vergessen werden, dass es in diesem Stadtteil ein hervorragend funktionierendes Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern gibt. Ein tolles Bürger-Engagement! Sie stemmen derzeit etwa die Gesundheitssprechstunde für Zuwanderer im Petershof. Auch das ist Marxloh!