Mafia-Morde von Duisburg aufgeklärt
14.02.2010 | 14:44 Uhr 2010-02-14T14:44:00+0100
Zwei Chefermittler der Duisburger Kripo waren eine Woche vor Ort in Kalabrien, als am Donnerstag in San Luca zehn mutmaßliche Nrandgheta-Mitglieder verhaftet wurden. Unter ihnen zwei Frauen und der mutmaßliche 2. Todesschütze von „Da Bruno” . Damit ist das Verbrechen vom 15. August 2007 aufgeklärt.
Da staunten die beiden deutschen Chef-Ermittler Haufmann und Sprenger aus dem Duisburger Polizeipräsidium nicht schlecht. Sie saßen am vergangenen Donnerstag Vormittag in der Einsatzzentrale der italienischen Polizei in Reggio di Calabria. Zwei Autostunden und gut 100 Kilometer vom Einsatzort San Luca entfernt. Hier legten italienische Spezialkräfte der Polizei gerade einem grobschlächtigen, unrasierten 38-Jährigen die Handschellen an, machten ihn mit einem 130 Seiten dicken Haftbefehl und einem sechsfachen Mordvorwurf im Zusammenhang mit den Duisburger Mafia-Morden vertraut. Als sich in dem kleinen Bergdorf an der Spitze des italienischen Stiefelstaates etwas zusammenbraute: "Da liefen immer mehr Dorfbewohner zusammen, eine große Menschenmenge", sagte Holger Haufmann, der Duisburger Kripo-Chef, "und die schimpften, krakelten und pöbelten in übelster Weise und sehr aggressiv gegen die Polizeikräfte, die gerade den mutmaßlichen zweiten Mafia-Killer von Duisburg festgenommen hatten."
Ein Dorf in Aufruhr, weil einer der ihren von der Polizei verhaftet wurde. Sein Name: Sebastiano Nirta. Er hat, davon sind die Fahnder aufgrund zahlreicher Beweise überzeugt, am 15. August 2007 an der Mülheimer Straße in Duisburg-Neudorf zusammen mit seinem Schwager Giovanni Strangio sechs Landsleute vor dem Restaurant Da Bruno erschossen. Der Grund: Ein Racheakt unter verfeindeten Mafia-Familien des verträumten Bergdörfchens San Luca.
Zusammen mit Nirta, der unbewaffnet und völlig überrascht festgenommen wurde, haben die Italiener am helllichten Tag neun weitere Personen in San Luca verhaftet, alle der Zugehörigkeit oder der Begünstigung der hochkriminellen und brutal operierenden Mafia-Organisation Ndrangheta beschuldigt. Unter ihnen Angela und Theresa Strangio - zwei hoch aktive und mutmaßlich hochkriminelle Schwestern jenes Mannes, der zusammen mit Nirta in Duisburg die Schnellfeuerpistolen in die beiden vollbesetzten Autos gehalten hatte.
„Seit Herbst des vergangenen Jahres war klar" so erzählte am vergangenen Samstag Holger Haufmann, frisch von seinem einwöchigen Einsatz aus Kalabrien zurückgekehrt, vor der deutschen Presse, "dass wir Sebastiano Nirta als zweiten Tat-Beteiligten identifiziert hatten und dass wir ihn im Januar oder Februar mit der italienischen Polizei in San Luca hochnehmen würden." Geholfen hatten dabei eine Unterhose und eine Zigarettenkippe - beides benutzt von Nirta - mit aussagefähigem Erbgut.. Denn Nirta hatte beim nächtlichen Morden in Duisburg zuvor in einer konspirativen Wohnung in Düsseldorf und später im Fluchtfahrzeug ebenfalls DNA-Spuren von sich zurückgelassen.
Diese DNA-Spur (Nr. 13) und die Gegenprobe passten zusammen und bewiesen: Nirta ist der Mafia-Killer Nr. 2 von Duisburg. Aber noch ein weiterer Nirta, Vorname Guiseppe, ebenfalls aus San Luca und ebenfalls mit dem halben Dorf verwandt, war offensichtlich bei der Tat in Duisburg dabei. Wohl nicht als Killer mit der Pistole in der Hand, aber ganz nah dabei. Er sitzt schon seit November 2008 in Italien in Haft - wegen eines schweren Drogendeliktes - und jetzt wegen Tatbeteiligung in Duisburg.
Er hatte sich aus purer Eitelkeit in der Haft vor anderen gerühmt, der eigentlich Boss der Tat von Duisburg zu sein. Strangio sei zwar als Schütze dabei gewesen, aber er habe die Regie geführt. Diese Aussage kam jetzt durch einen Kronzeugen zur Polizei. Und er vertraut noch mehr in dem Gefängnis seinem Gesprächspartner an, der später als Kronzeuge plaudert: "Wir mussten alle töten, auch die beiden Jungen. Zeugen können wir keine gebrauchen. Ich hätte da in Duisburg auch Frauen und Kinder umgelegt...."
Kurz zuvor lieferte ein deutscher Zeuge vor dem Bezirksgericht in Kalabrien einen wichtigen Hinweis auf Giovanni Strangio. Der Zeuge aus einem Düsseldorfer Waffengeschäft erklärte, er würde den Mann wieder erkennen, der damals kurz vor den Duisburger Morden vergeblich nach Munition verlangte. Daraufhin drückte sich Strangio, der seinen Prozess aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Rom per Videokonferenz ins Gericht nach Kalabrien verfolgen musste, in eine Ecke und versuchte seine Frisur zu verändern. Der Zeuge aus Düsseldorf erkannte ihn trotzdem. Der Mann trage jetzt nur eine andere Frisur. „Der Zeuge hat Mut gehabt, in Italien auszusagen", meinte Kripo-Mann Heinz Sprenger.
Interessante Informationen bekamen die Fahnder auch dadurch, dass sie die Handys der Schwestern Strangios abhörten und im Internet mitlasen, wenn die Damen im Chat plauderten. Die Frauen waren raffiniert, tricksten mit Technik, damit keiner mithören oder mitlesen konnte, doch die Fahnder waren ebenfalls pfiffig, ließen sich nicht austricksen. Hier hörten sie, wie eine Frau schimpfte, ihr Ehemann Nirta, sei ein Dummkopf, er habe in Duisburg Spuren hinterlassen und werde möglicherweise lebenslang hinter Gitter kommen.
Darauf wird es hinauslaufen. Vermutlich in Italien. Sonst in Deutschland. Doch bis es dazu komme, so sagte am Samstag Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch, müsse geklärt werden, ob alle Beweise auch vor deutschen Gerichten Bestand hätten.
Für die beiden Duisburger Chef-Fahnder Holger Haufmann, Heinz Sprenger und ihr Team ist der Mafia-Job aber noch nicht erledigt. Haufmann: „Es gibt noch eine Menge Fragen, wir haben uns mit den Italienern einen neuen Schlachtplan zurechtgelegt. ”
Eine Frage richtet sich an die Duisburger: Haben Sie rund um den 15. August 2007 den zweiten Killer schon vorher den Tatort ausbaldowern sehen? Wenn ja, unbedingt mit der Polizei reden: Tel: 0203 2880.

21:17
Wenn der Tratsch in Duisburg (mit freundlicher Unterstützung von derwesten.de) besser funktionieren würde, dann wäre auch die Polizei schneller mit den Ermittlungserfolgen.
Aber die Nummer der Polizei Duisburg war schon recht gut. Herzlichen Glückwunsch und großen Dank.
An der Stelle müssen auch Autorinnen von DIE ZEIT gelobt werden, die fortwährend scharf die Mafia auch in Duisburg beobachtet haben und dabei immer wieder von der Mafia eingeschüchtert wurden.
21:08
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