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Ermittlungen

Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren

27.06.2013 | 18:44 Uhr
Die Opfer der Loveparade-Katastrophe sind unvergessen.Foto: Archiv/Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool

Duisburg.   Ermittler der Loveparade-Katastrophe wunderten sich nach einer Razzia in Duisburgs Rathaus: „Entweder wurde hier nichts gespeichert oder es wurde gelöscht.“ Kann es sein, dass im Januar 2011 gar keine relevanten Daten zur Loveparade-Katastrophe auffindbar waren?

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe werden weitere Lücken im elektronischen Datenbestand der Stadt Duisburg bekannt. Nach Recherchen dieser Zeitung konnte die Polizei bei einer Razzia im Januar 2011 im kommunalen Duisburger Systemhaus DU-IT keine relevanten Dateien zur Loveparade finden.

Das Erstaunliche daran: Das Systemhaus DU-IT erstellt Sicherheitskopien aller Laufwerke der städtischen Mitarbeiter auf zentralen Bändern, auch der persönlichen Laufwerke der elf beschuldigten Beamten im Loveparade-Verfahren.

Razzia im Duisburger Rathaus

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Nach der Razzia hielten die Ermittlungsbeamten überrascht fest, dass bei allen Laufwerken entweder „keine Dateien“ zur Loveparade vorhanden waren, oder es habe sich um „irrelevante Daten“ gehandelt. Mehr noch: wenn Daten gefunden werden konnten, rissen die Aufzeichnungen „zum Beginn des Jahres 2010“ plötzlich ab. Die Ermittler notierten in einem internen Vermerk: „In der heißen Phase der Planung bis zum Veranstaltungsbeginn sind offenbar keine Daten (in der Stadtverwaltung, die Red.) gespeichert worden, oder sie wurden gelöscht.“

Die Razzia ein halbes Jahr nach dem Desaster der Loveparade war nach Angaben der Staatsanwaltschaft nötig geworden, weil Verantwortliche der Stadt „wissentlich“ Daten und Dokumente unterschlagen hätten. So tauchten Papiere in einem Entlastungsgutachten auf, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, die nicht der Staatsanwaltschaft übergeben worden waren.

Eine Zeugin will Datenlöschung in Rathaus beobachtet haben

Adolf Sauerland und die Loveparade

Dies widerspricht der Darstellung der Stadt Duisburg, mit den Ermittlern offen zu kooperieren. Tatsächlich versuchte die Stadt, den Polizisten sogar Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Im Durchsuchungsbericht der Ermittler heißt es: „Durch die Rechtsanwälte der Firma DU-IT wurde Wert darauf gelegt, dass die Herausgabe der Daten nicht freiwillig erfolgt.“

Kurz nach der Razzia meldete sich eine ehemalige Sekretärin der Stadt bei der Kriminalpolizei. Sie gab an, ein führender Mitarbeiter des damaligen Stadtchefs Adolf Sauerland, ihr ehemaliger Vorgesetzter, würde Daten löschen. Sie habe dies vor der Loveparade selbst gesehen und würde vermuten, dass dies auch nach der Katastrophe passieren würde.

Die Ermittler beschlossen, dem Hinweis der Zeugin vorerst nicht weiter nachzugehen. 

Die Opfer der Loveparade

 

David Schraven



Kommentare
30.06.2013
10:18
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von GregoryHouse | #39

Trotzdem wird es Menschen geben, die immer noch vollstes Vertrauen in unser Rechtssystem haben. Manche sind vor dem Gesetz eben gleicher. Danke an die Herren Innen- und Justizminister.

30.06.2013
00:55
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von kikimurks | #38

Ich vermute, dass es solche Mails wirklich nicht gegeben hat. Zum einen, weil ich glaube, dass die Beteiligten alles, was mit EDV zu tun hat als "Neuland" einstufen werden und sich lieber herkömmlicher Wege bedienen werden. Zum anderen ist es auch in der Wirtschaft gern genommene Praxis vieles mündlich zu machen, da man immer schön abstreiten kann etwas gesagt zu haben. Dann kommt nach dazu, dass Behörden noch tief im Aktenwahn verwurzelt sind. Da wird lieber einmal eine Mitteilung geschrieben und per Hauspost versandt als eine Email.

29.06.2013
19:12
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von taosnm | #37

Die Verwaltungsspitze war grössenwahnsinnig, verantwortungslos und fahrlässig, möglicherweise nicht direkt schuldig im Sinne des Gesetzes. Offenbar sind sie nun durch die Löschung von relevanten Daten schuldig im Sinne von Tätern geworden, und genau wegen dieser Schuld muss gegen alle: AS, Greulich, Rabe und Dressler ermittelt werden, wobei Rabe und Dressler ohnehin schon zu den Beschuldigten gehören.

Die Hybris dieser Menschen muss unendlich sein, wenn sie in der Tat davon ausgehen, dassihre Machenschaften unentdeckt bleiben.

Durch Befragungen von Du-It und Aussagen unter Eid sollte übrigens auch geklärt werden können, was wann gelöscht wurde und wer den Auftrag dazu gab.

Lt. Richtergesetz §26 ist der Justizminister nun an der Reihe, nachdem er sich gegen die Feststellungen der Staatsanwaltschaft nicht mehr wehren kann, um entsprechende Ermittlungsanweisungen zu geben.

29.06.2013
17:53
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von Sentinel | #36

Die LoPa hat eine Planungs- und Vorbereitungsphase gehabt, die unterschiedlichen Ämter mussten Konzepte erstellen, Gefahrenanlysen erarbeiten und diese zur Umsetzung an den Veranstalter vorgeben. Der Veranstalter muss diese Vorgaben umsetzen und erfüllen, die Kontrolle obliegt den Verantwortlichen der Ämter. Hiermit auch die Entscheidung der Genehmigung und die kann auch noch kurz vor Beginn verweigert werden. Wenn die vorgeschriebene Anzahl von Sicherheitskräften um gute 40% unterschritten wird (angeblich sind die Sicherheits- und Ordnungskräfte nicht zum Dienst erschienen), dann ist es unverantwortlich, eine Veranstaltung zu genehmigen. Die im Dienst befindlichen Sicherheitskräfte wurden auch im Vorfeld nicht dahingehend überprüft, ob sie die nötigen Qualifikationen erworben haben. AUFGABE vom Ordnungsamt, unterstellt dem Dezernenten für Sicherheit und Recht, Herrn Wolfgang Rabe. Die 21 Toten waren dort zu finden, wo erfahrene Sicherheit versagt hat weil unfähig oder nicht vorhanden.

29.06.2013
12:20
keepcalm | #33 "Ich fordere, dass der Oberstaatsanwalt die Staatsanwaltschaft Duisburg für diese offensichtliche, kriminelle Vetternwirtschaft zur Rechenschaft zieht. "
von DerBotevomNiederrhein | #35

Und wer hat seine schützende Hand über diese Ermittlungspannen ausgebreitet?

Dieser Minister kann sich nicht hinter seinem kurz zuvor abgelösten Amtsvorgänger verstecken.....

http://www.xtranews.de/2010/10/06/loveparade-tag-der-entscheidung-fuer-justizminister-kutschaty-stellungnahme-zur-staatsanwaltschaft-duisburg-im-rechtsausschuss/

http://www.xtranews.de/2010/10/06/nrw-justizminister-kutschaty-nimmt-duisburger-staatsanwaltschaft-in-schutz/

http://www.xtranews.de/2010/10/07/kommentar-zur-kutschaty-erklaerung-zuruecktreten-bitte/

29.06.2013
01:39
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von AlpenEuro | #34

Mal ein kleiner Hinweis hier für die ganzen Psychopaten, die wieder auf einen Schwaschinnsartikel aufspringen:

1. Jeder weiß, dass man eine Festplatte nicht vollkommen löschen kann und dass die Daten problemlos wieder herstellbar sind. Auch nach X Monaten.
2. Die angeblich gelöschten und nicht mehr auffindbaren Emails, die Sauerland und Raabe angeblich gelöscht haben sollen, müssen ja auch, wenn man unterstellt dass diese die besagten Personen belastet haben, andere in der Stadtverwaltung ENTLASTEN.
Welchen Grund also sollten diese anderen Beschuldigten oder Empfänger also haben, diese Emails zu löschen??? Sie würden die besagten Personen doch entlasten, wenn sie Raabe, Sauerland und C. doch BElasten würden...

Alles Schwachsinn, nur zum Jahrestag müssen ja wieder 438 Artikel her. Zwanghaft.

2 Antworten
"Jeder weiß, dass man eine Festplatte nicht vollkommen löschen kann"
von keepcalm | #34-1

Ok, als Konsument von CSI mag man das glauben. Dürfte einiges kosten und die Kassen der BRD sind bekanntlich leer. Aber wollen diese Ermittler der Staatsanwaltschaft Duisburg überhaupt im Rathaus fündig werden? Daran habe ich inzwischen erhebliche Zweifel. Zwischen der LoPa 2010 und der Razzia im Januar 2011 ist so viel Zeit vergangen, dass der Verdacht nahe liegt, dass die Staatsanwaltschaft Duisburg der Stadtspitze reichlich viel Zeit eingeräumt hat, eventuelles Belastungsmaterial nachhaltig aus der Welt zu schaffen.

@AlpenEuro
von kikimurks | #34-2

Das ist absoluter Unsinn. Sie können aus dem Internet Freeware herunterladen, die dafür sorgt, dass selbst der ausgefuchste forensische Informatiker Daten nicht wieder herstellen kann. Das zum PC. Anders sieht es bei Servern aus. Zu nächst einmal ist es vom Betriebssystem und den Speichersystemen abhängig, wie leicht oder schwer man gelöschte Daten wieder herstellen kann. Meist sind Datacenter im Einsatz, die ein SAN bereitstellen. Da ist dann freigegebener Speicherplatz ganz schnell wieder überschrieben.

Allerdings halte ich eine solche Löschorgie auch für unwahrscheinlich. Es wären viel zu viele Menschen involviert, sowohl bei der Stadt als auch bei DU-IT. Das wäre kaum geheim zu halten. Im übrigen, warum sollten die Angestellten von DU-IT sich strafbar machen? Was wäre deren Motiv? Denen kann es doch völlig egal sein, wer die Stadt führt.

29.06.2013
00:32
„Entweder wurde hier nichts gespeichert oder es wurde gelöscht.“
von keepcalm | #33

Wie naiv ist das denn? Wenn erst im Januar 2011 eine Razzia im Rathaus und bei DU-IT durchgeführt wird, muss sich doch kein Ermittler mehr wundern, wenn kein belastender Datenverkehr mehr vorfindbar ist. Sauerland, Rabe und Co. hatten genug Einfluss auf DU-IT, um verschwinden zu lassen, was sie belasten könnte. Die Schredder im Rathaus sowie die Lösch-Tasten dürften in der Nacht vom 24.07. bis 25.07.2010 heiß gelaufen sein.
Niemand hatte Verständnis dafür, dass diese sog. "Razzia" erst im Januar 2011 durchgeführt wurde, nachdem reichlich Zeit verstrichen war, um Beweise für immer verschwinden zu lassen. Nun wird offensichtlich, dass mit der Beauftragung der Staatsanwaltschaft Duisburg der Bock zum Gärtner gemacht wurde. Die "Nähe" zur Stadtspitze korumpierte die Staatsanwaltschaft Duisburg, daran habe ich jetzt keinen Zweifel mehr.
Ich fordere, dass der Oberstaatsanwalt die Staatsanwaltschaft Duisburg für diese offensichtliche, kriminelle Vetternwirtschaft zur Rechenschaft zieht.

28.06.2013
18:53
"So tauchten Papiere in einem Entlastungsgutachten auf, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, die nicht der Staatsanwaltschaft übergeben worden waren. "
von wattearvolt | #32

Dann sollte sich noch einmal eine UNABHÄNGIGE Ermittlungsbehörde zwingend mit den Auftraggebern für dieses Gutachten befassen. Das waren in diesem Fall die Herren Greulich und Rabe.

1 Antwort
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von Obyon | #32-1

...so UNABHÄNGIG wie die StA DU...

28.06.2013
13:38
@Sentinel | #26
von Myrddin | #31

Ja, so ist das. Vor der Loveparade konnte der Herr keine Gelegenheit auslassen, sich und die tollen Planungen zu loben. Entsprechendes Videomaterial ist vorhanden ...

Nach der Loveparade und den 21 Toten versank der Herr in ein tiefes Loch, aus dem er auch heute nur sporadisch hervorlugt - vorzugsweise des Nächtens, damit ihn niemand sieht.

Duisburg leistet sich einen Rechtsdezerneten, der bei der Staatsanwaltschaft Duisburg als Beschuldigter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung geführt wird. Und das will bei dieser Staatsanwaltschaft etwas bedeuten ...

Ihn weiter in Amt und Würden zu halten ist in etwa so, als würde ein Papst weiter den Urbi et Orbi - Segen spenden, obwohl er im Verdacht der Vielweiberei und Gotteslästerung stehen würde.

Und Herr Link findet das ganz normal.

2 Antworten
Myrddin,
von wattearvolt | #31-1

...ich liebe Ihre Vergleiche :-))

Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von Sentinel | #31-2

OB Sören Link ist auch der Einzige, der davon ausgeht, ein Oberbürgermeister zu sein. Der Schuh des angetretenen Erbes ist um einiges zu groß. Umgeben von den gleichen Strippenziehern, die schon unter Sauerland am Werke waren, hat er zu funktionieren, nicht zu entscheiden. Herr Rabe ist tief gefallen, zahlt die Zeche seiner Unfähigkeit, seiner Arroganz und menschenverachtenden Art und Weise. Wer den Herrn kennenlernen durfte, der weiß innerhalb von wenigen Minuten wie Charakter nicht sein sollte. Die Bilder der Toten sollen ihn verfolgen, seine Nächte zum Tag werden lassen und Ängste sollen ihn begleiten. Er hat Trauer, Wut und Hilflosigkeit über Menschen gebracht, vor und nach der LoPa und Erinnerungen kann man zum Glück nicht löschen, gute wie schlechte. Myrddin, Respekt, sehr gut formuliert!!!!

28.06.2013
13:25
Der Kreis ist ein rundes Quadrat...
von Zentrum | #30

son Schice wollten, wollen und werden uns die trolligen Stadteliten weissmachen...obwohl ...bei der untergebenen Bevölkerung i. S. gefühltes Wissen eine überwältigende Mehrheit zeitnah nach der Lopa formulierte: ...die Schreddern die Akten und Löschen das Belastbare Zeugs weg...

Voila.

Das Leben ist kein Ponyschlecken und erst recht kein Zuckerhof...

Glückauf

1 Antwort
Weitere Duisburger Datenlücken im Loveparade-Verfahren
von wattearvolt | #30-1

Wer weiß, was noch so alles im Innenministerium weggeschreddert wurde ?

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