Katerstimmung nach dem Aus der Loveparade
16.01.2009 | 14:48 Uhr 2009-01-16T14:48:00+0100
Bochum. Die Loveparade in Bochum ist abgesagt. Die Probleme der Stadt waren abzusehen, obwohl bereits die rauschenden Feste in Dortmund und Essen Belastungsproben für die Verkehrswege im Revier waren. Entsetzt über die Absage sind auch die DJs.
Katerstimmung im Revier: Nach den rauschenden Festen von Essen und Dortmund soll die Loveparade in diesem Sommer ausfallen. Der Erfolg, die Größe der Party wurde dem kleinen – und man muss mit Grönemeyer sagen: leider total verbauten – Bochum zum Verhängnis. Schon die weit größeren Städte Essen und Dortmund hatten Probleme die Masse von 1,2 Millionen und 1,6 Millionen Menschen zu bewältigen.
Was haben sie gefeiert! Bis auf die Laternenmasten schwappte die Woge (was natürlich verboten war). Aber es waren Bilder, die um die Welt gingen: In 53 Ländern wurde live über das elektrisierende Ereignis berichtet, darunter Kambodscha, China, Australien und die Salomon-Inseln. Die Loveparade – ein Symbol des Miteinanders, egal wie man zur elektronischen Musik steht. Dabei war das Feiern vor Ort gar nicht so einfach. Zeitweise ging stundenlang gar nichts mehr rund um die Hauptbahnhöfe von Essen und Dortmund. Tausende saßen schon bei der Anreise in überfüllten Zügen fest, obwohl die Bahn 2008 in Dortmund 500 zusätzliche Züge bereitstellte.
Und auch die Straßen waren proppevoll: Eine Viertelmillion Menschen kamen bei der ersten Abschlusskundgebung 2007 in Essen gar nicht auf den überfüllten Berliner Platz, schätzten die Einsatzleiter. So begründet die Stadt ihre Absage damit, dass die vorhandene Infrastruktur nicht ausreiche.
Zudem gebe es zur Zeit umfangreiche Bauarbeiten der Deutschen Bahn, was zur Folge gehabt hätte, „dass nur ein Teil der erwarteten Besucher tatsächlich zur Veranstaltung gelangen würde”. Bahn-Sprecher Gerd Felser machte deutlich, dass die Bahn in Dortmund auf vier verschiedene Bahnhöfe zurückgreifen konnte, um die rund 1,6 Millionen Besucher zu transportieren: „Das wäre in Bochum schwieriger geworden.”
Und trotz dieser Belastungsproben wurde die Loveparade am Ende positiv bilanziert. Auch die Bochumer Wirtschaft und der Handel hatten sich nach anfänglichem Zögern positiv geäußert. Kein Wunder, geben doch die Raver im Schnitt 95 Euro pro Person für Lebensmittel, Unterkunft und Nahverkehr aus. Bei 1,2 Millionen Besuchern macht das immerhin 114 Millionen Euro aus, eine Summe, die für die Region Bochum sicherlich einen Schub bedeutet hätte.
Trotzdem hofft Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr, dass „die Loveparade der Region erhalten bleiben wird”. Turnusmäßig wären im nächsten Jahr Duisburg und 2011 Gelsenkirchen an der Reihe.
Das Entsetzen der DJs
Entsetzt sind natürlich auch die DJs. So sagt „Moguai” aus Recklinghausen: „Ich kann es noch gar nicht ganz glauben, dass die Loveparade dieses Jahr gar nicht stattfinden soll.” Das Event gehöre nur ins Ruhrgebiet: „Es gibt keine andere Region in Deutschland, wo mehr als 1,5 Millionen Menschen so toll abgehen.” Man werde trotzdem eine riesige Party-Nacht Mitte Juli in Bochum feiern, „das werden die 1Live-Rocker schon organisieren, wir lassen uns den Spaß nicht verderben.”
Super enttäuscht sei er, meinte auch Patric la Funk, DJ und Produzent aus Bochum: „Gerade für einen Bochumer wie mich ist das eine ganz schlechte Nachricht. Aber einige Zweifel hatte man wegen der Infrastruktur ja schon.”
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- Das Spezial zur Loveparade 2008 in Dortmund
- Fotostrecke: Loveparade in Dortmund
- Kommentar: Debakel

19:28
#90 Sebastiano - richtig. Interessant ist, dass hier und in Kommentaren anderer Artikel bis auf wenige Ausnahmen alle die Politik und OB Ottilie Scholz kritisiert haben, nicht aber Schaller und seine tolle Lopavent, deren Kernkompetenz es doch aber sein sollte, geeignete Flächen ausfindig zu machen, b e v o r man einer Stadt die Zusage gibt (also 2007). Sowieso habe ich den Eindruck, dass es Schaller heimlich recht war, dass es 2009 keine Loveparade gab (Wirtschaftskrise - vielleicht gings ja McFit auch nicht sonderlich gut) und so die cca. 3 Mio EUR sparen konnte. Auffällig dann, wie 2010 an vielem gespart wurde (z.B. nur die Hälfte der Floats, fehlende Rahmenprogramme an der Strecke und an der Sicherheit), mit den bekannten Folgen. OB Sauerland aber hatte nach dieser Kritikorgie an Ottilie Scholz nicht mehr den Mut, das ganze zu stoppen und so nahm das Unheil seinen Lauf.
03:49
Da kann Bochum froh sein, nicht Austragungsort der Tragödie 2010 gewesen zu sein. Ich wünsche mir, dass alle noch einmal über das nachdenken, was hier so vom Stapel gelassen wurde.
Hätte Duisburg das doch auch so gesehen..
17:41
BOCHUM TOTAL im *****. Das kommt heraus, wenn ein Ortsverein, der schon Stimmung gegen Wolfgang Clement machte, eine Veranstaltung mit positiver Austrahlungskraft wie die Love Parade torpediert. Die Love Parade war, wie wir jetzt alle erfahren, von der Stadtspitze nie gewollt. Dabei wäre es eine der wenigen verbleibenden Chancen gewesen, das Image von Bochum wieder positiv zu besetzen
16:01
Um Geld mit der LP zu verdienen hätte man von jedem Besucher 70€ Eintritt kassieren müssen, wie es für Konzerte durchaus üblich ist, aber dann wär ja keiner gekommen ;-)
Ich als Bochumer kann nur sagen gut das sie weg ist !!
Geht mit eurer Pillenparade irgendwo auf´s Land oder in die Wüste, da stört ihr keinen
19:36
@alter_Schwede:
Sie denken, dass es Schwachsinn ist. Das kann man tolerieren. Zum Glück ist damit kein Beweis erbracht, auch wenn sie dies wohl meinen. Ich denke, ihr Beitrag kommt der Klassifizierung Schwachsinn erheblich näher als die LP. Ihr Beitrag ist absolut gehaltlos und liefert keine Begründungen für ihre Haltung, die durch Intoleranz glänzt ... Niemand muss diese Veranstaltung gut finden, allerdings sind gewisse Anfeindungen absolut oberflächlich und armselig. Hinweise auf eine recht beschränkte Geisteshaltung von gewissen intoleranten Menschen. Aber diese Gruppe von Menschen habe ich ja bereits zuvor beschrieben. ;)
18:12
@kragenbär
Die Musik ist mir schxxßegal, die Kollateralschäden, die ich life letztes Jahr erleben durfte, sind es nicht.
Sollten bulgarische Mönche mit gregorianischen - sic! - Gesängen oder irgendein Barockmusiker dieselben tranceartigen (haha) Hinterlassenschaften produzieren, wie es die LoPa letztes Jahr tat, wäre es mir ein Vergnügen, sie in diesem Jahr per Gerichtsbeschluss aus meiner allernächsten Nähe auszuschließen.
Es gibt so ein paar Folgen von Großveranstaltungen, die in einem reinen Wohngebiet, nun sagen wir mal, sozial etwas inkompatibel sind; z. B. Scheißen im Vorgarten und vor der Haustür, Zerstören von fremdem Eigentum, Dealen vor Schulen usw.
Warum machen die Raver nicht ihr eigenes Woodstock, draußen, auf freiem Feld, auf eigenes Risoko für ihr Wohlergehen? Müssen sie für ihr Event einen nicht unerheblichen Anteil von nicht interessierten Mitmenschen so sehr nerven, dass die Akzeptanz gegen Null geht?
Ihren musiktheoretischen Ausflug in Ehren, aber der interessiert die persönlich Betroffenen nicht, denn die konnten sich letztes Jahr nicht wehren.
17:41
@ alter schwede
wenig ahnung aber viel getoese.
techno hat durchaus musikalische strukuren, die in der klassik, ganz besonders zur zeit des barrock, gerne genutzt wurden. viele musiker verschmelzen klassiche strukturen mit moderner elektronik und schaffen so völlig neue und durchaus anspruchsvolle klangräume. hören sie sich doch mal arvo pärt oder phillip glass an!
der persönliche anspruch sollte nicht verallgemeinert werden! auch die klassik hat sich seicht entwickelt, wodurch aus oper die deutlich leichtere und beschwingte operette entstand. der folget dann das musical.
die trancartigen strukturen moderner, elektronischer unterhaltungsmusik finden sie auch in religiös geprägter musik duch die jahrhunderte und die kulturen hinweg. ob georgische choräle, die gesänge der sufis oder etwa die gnawa-musik aus marokko.
hier kommen auch immer wieder die vertreter der echten und handgemachten musik zu wort, die alles andere als unmusik bezeichnen. all denen kann ich nur eine gehörige portion an kultureller intolerenaz und wenig hintergrundwissen unterstellen. die elektronik hat die musikalische vielfalt seit den 60ern massgeblich beeinflusst und deutlich bereichert - alles ist im weiteren persönlicher geschmack.
17:33
Danke das dieser asoziale Event meiner Heimatstadt erspart bleibt!
An die üblichen Schwarzmaler/seher und Wahrheitsverdreher, Bochum geht es besser als vielen anderen Ruhrgebietsstädten, checkt einfach mal die Fakten. Vom Konzerthaus wird der Ruf der Stadt, genauso wie vom Theater, auf Jahrzehnte profitieren. Mit zugedröhnten Raver kommt man maximal einmal die Klotze!
17:02
Wie Essen es gemeistert hat, weiß ich nicht. Wie Dortmund es nicht gemeistert hat, hat ein ganzes - dichtbesiedeltes - Stadtviertel life und in Farbe erleben dürfen: mit all dem Dreck, mit Drogenverkauf an einer nahegelegenen Schule, mit Verletzten, mit Pöbeleien und fehlenden Toiletten t. b. c. Die immer wieder beschworenen 95 €, die jeder Besucher angeblich im Schnitt während einer LoPa dalässt, sind nie durch eine ordentliche wirtschaftliche Berechnung belegt worden, werden aber als Argument immer gern genommen.
Die Bochumer Einwohner können froh sein, dass die Stadt, auch angesichts der prekären Haushaltslage, die Notbremse gezogen hat. Dass sie es allerdings so spät getan hat, zeugt nicht von großer Professionalität und ist leider nur peinlich. Denn all die genannten Gründe für die Absage kamen ja nicht so plötzlich wie Weihnachten.
Wieso das Einspringen einer anderen Stadt das Image Bochums retten könnte, erschließt sich mir nicht wirklich. Aber eines weiß ich: sollten die Dortmunder Stadtväter auch nur zucken, hätten sie nicht nur einen Widerspruch der im letzten Jahr Betroffenen am Hals.
16:22
Ich frage mich wie manche sowas Positiv sehen können? Nur weil manche Leute sich von den Mediendarstellungen beeinflussen lassen als sich selbst ein Bild zu machen. Ebenfalls ist so eine Veranstaltung sicherlich nicht nur wegen dem Geld eine bereicherung. Natürlich gibt es dort viele Jugendliche mit Drogen, aber können Sie sich vorstellen was wohlmöglich vor ihrer Haustüre stattfinden könnte?. Ihre Akzeptanz gegenüber der Jugend heute ist erschreckend, waren Sie nicht damals auf solch Legendären Konzerten im schlamm?