Besucherzahlen bei Loveparade gefälscht
14.08.2010 | 17:36 Uhr 2010-08-14T17:36:00+0200
Duisburg.Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat eingeräumt, dass im Vorfeld der Loveparade falsche Besucherzahlen genannt wurden. Ein Schuldbekenntnis vermeidet der CDU-Politiker auch weiterhin.
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat zugegeben, dass vor der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten falsche Besucherzahlen bekanntgegeben wurden. „Wir sind vom Veranstalter aufgefordert worden, die realen Zahlen nicht zu veröffentlichen“, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
Während offiziell von einer Besucherzahl im Millionenbereich in die Rede war, gab es nur eine Genehmigung für 250.000 Technofans. „Mehr ging gar nicht“, wurde Sauerland zitiert. Mit den hohen Zahlen habe man nur Marketing betrieben.
Sauerland verteidigte zudem erneut die Genehmigungsprozess für die Großveranstaltung. Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Ordnungsamt seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen. „Und am Ende steht die Frage: Ist dieses Konzept sicher? Das haben alle bejaht. Also wird genehmigt.“
„Plausibel und stimmig“
Auch bei der letzten großen Sitzung habe es keine Bedenken gegeben. Er sehe keine Punkte, die man intensiver hätte prüfen müssen. „Was wir gemacht haben, war plausibel und stimmig“, sagte der Oberbürgermeister.
In der WDR-Sendung „Kreuzverhör“ zeigte sich Sauerland erneut tief betroffen über das Unglück. „Jeden Morgen, wenn ich wach werde, wünsche ich mir, dass alles das, was wir erlebt haben, nur ein böser Traum ist, aber es ist Realität“, sagte er (Ausstrahlung am Sonntag, 15. August, 19.40 Uhr).
Der Oberbürgermeister vermied es in der Sendung, persönliche Schuld einzuräumen: „Es muss geklärt werden, wer der Verursacher dieses tragischen Ereignisses war. So weit sind wir noch nicht.“ Einen sofortigen Rücktritt lehnte Sauerland weiterhin ab, schloss aber persönliche Konsequenzen nach der Aufklärungsarbeit nicht aus: „Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe.“
„Keine Kompromisse bei der Sicherheit“
Der CDU-Politiker wehrte sich gegen den Vorwurf, er habe im Vorfeld der Loveparade persönlich darauf hingewirkt, die Veranstaltung unter allen Umständen durchzuführen. Auch habe man bei der Sicherheit keine Kompromisse gemacht. „Wir haben als Verwaltung unsere Vorstellungen durchgesetzt und sind nicht zurückgewichen.“ Der Veranstalter habe deswegen im Vorfeld seine Konzepte nachbessern müssen.
Bei dem Unglück waren am 24. Juli in Duisburg 21 Menschen getötet und über 500 verletzt worden. (ddp/apn)

13:07
@Stefano
Ich maße mir nicht an zu sagen, dass der Tunnel, oder besser die Tunnel, da es tatsächlich ja zwei Zugänge waren, die auf eine gemeinsame Rampe mündeten, vorhersehbar nicht ausreichend waren. Ich bin kein Experte für solche Fragen. Ich erwarte aber, dass genau diese Fragen geklärt werden. Sie gehen davon aus, dass die Mehrzahl bereits in der Stadt war. Da frage ich mich woher sie kamen? Auch diese müssen irgendwann angereist sein. Bisher habe ich, soweit ich die Anträge hier im Internet gesehen habe, keine Berechnung gesehen, die in sich nicht schlüssig war.
Was den Zeitraum anbelangt, glaube ich dass wir gar nicht so lange werden warten müssen bis wir eine Bewertung des Genehmigungsverfahrens haben werden. Lange wird es dauern, bis die tatsächlichen Geschehnisse am Tage der LP geklärt sind. Hier ist umfangreiche Ermittlungsarbeit gefragt, Videos, Fotos und Zeugenaussagen auszuwerten. Polizei und Staatsanwaltschaft haben hier eine Mamutaufgabe vor sich.
11:37
@kikimurks,
Jede von Ihnen und auch von mir erstellte Berechnung - und schon ganz und gar die des Veranstalters - wiesen ganz klar darauf hin, dass der Tunnel und die Rampe als einzigem Zu- und Abgang vollkommen ungeeignet war.
Nur, und das ist jetzt die eigentliche Frage, warum fiel das der Genehmigungsbehörde nicht auf ???
Und natürlich kommen Menschen nicht nur und zielgerichtet vom Bahnhof zum Tunnel. Sie hielten sich z. T. schon in der Stadt auf. Auch die Personen, die das Gelände verlassen wollten kamen offensichtlich nicht vom Bahnhof.
Aber egal, warten Sie dann ab. In spätestens fünf Jahren können Sie sich dann ein genaueres Bild machen ...
11:20
@Stefano
Ich bin bereits mehrfach auf dieses seltsamen Thesen eingegangen. Wo, bitte schön, sollen in einer Stund 145.000 Menschen herkommen, wenn der Hauptbahnhof im gleichen Zeitraum eine maximale Kapazität von ca. 40.000 Menschen hat? Fallen die vom Himmel? Gerade solche Ungereimtheiten sind es doch, die es aufzuklären gilt. Hier wird immer wieder mit Zahlen jongliert, die gerade in den Kram passen. Was wir brauchen ist eine gesicherte Faktenlage und nicht der sagt und der sagt. Oberhagemann hat nichts geäußert, was man nicht tausendmal vorher irgendwo lesen konnte. Durch die stetige Wiederholung und das Vortragen durch einen Experten werden die Zahlen nicht gesicherter. Im übrigen bin ich weiter oben sehr wohl auf die Aussagen Obrehagemanns eingegangen. Passte aber wohl nicht in ihr Weltbild?
09:52
Oh ja, er ist wieder da. Und wie er da ist.
Nach seinem etwas weinerlichen, aber trotzdem konsequent nichtssagendem Interview am gestrigen Abend im WDR, hielt er nun für die Rheinische Post eine Audienz ab.
Was man dort zu Lesen bekommt ist dann kein weinerlicher Oberbürgermeister mehr. Er wirkt dort eher kämpferisch.
Was für ihn ausschlaggebend ist und womit er in den letzten Tagen beschäftigt war, macht er dann sehr deutlich:
Die Stadt hat sich zu ihrem Vorteil entwickelt und muss auf diesem Weg weitergehen. Ich habe vor wenigen Tagen mit einem Investor verhandelt, der natürlich über die Katastrophe informiert war. Er wird trotzdem kommen. Bei wirtschaftlichen Entscheidungen spielen Faktoren wie Ansiedlungsfläche, Anbindung und Arbeitskräfte eine wesentlichere Rolle, als dass auf uns ein dunkler Schatten gefallen ist.
Mir fehlen da jetzt echt die Worte !!!
09:13
3 Wochen abtauchen mit Rückendeckung aus mächtigeren Kreisen. An einer Überlebensstrategie feilen die man ab heute beim Behördenfunk WDR zu hören und sehen bekommt. Fazit: die lassen keinen aus ihrer Mitte fallen, wehrt euch den Anfängen. Das könnte ja zu einer Flutwelle werden.
08:53
@ kikimurks & @winni puh,
und vorsichtshalber gehen Sie jetzt auch gar nicht auf die inhaltlichen Aussagen des Dr. Oberhagemann ein.
Warum ? Weil Sie vielleicht nicht in der Lage sind, uns zu erklären, wie in einer Stunde 145.000 Menschen durch den Tunnel gehen sollten.
Und natürlich ist auch diese Zahl des Veranstalters passend gerechnet. Er musste ja dafür sorgen, dass sich bereits laut Planung nie mehr als die genehmigten 250.000 Personen gleichzeitig auf dem Gelände befinden. Also musste er darstellen, dass die realistisch angenommenen 485.000 Besucher alle im Laufe des Tages einmal auf das Gelände gehen - aber dann ein Großteil frühzeitig auch wieder das Gelände verlässt. Für die Zeit zwischen 17:00 – 18:00 Uhr waren entsprechend 90.000 kommende und 55.000 gehende Besucher geplant.
Das diese Zahlen nie und nimmer realistisch waren, weil die Kapazität des Tunnels um ein vielfaches geringer ist, hätte selbstverständlich der genehmigenden Behörde auffallen müssen. Und weiterhin hätten auch diese unrealistischen Zahlen ein klares Warnsignal sein müssen, dass der Tunnel als einziger Zu- und Abgang eine große Gefahr darstellt.
Und wäre es nicht zu diesem Unglück an der Rampe gekommen, so vermute ich, wäre die Zahl der genehmigten 250.000 Personen auf dem Gelände deutlich überschritten worden. Spätestens bei Ende der Veranstaltung wäre es dann zu einer sehr kritischen Situation gekommen. Denn die nach dem Unglück geöffneten Notausgänge des Geländes waren nicht als Ausgang vorgesehen.
Um aber auf des wesentliche zurück zu kommen: Ist Ihnen auch aufgefallen, dass Herr Oberhagemann einen Schmollmund gezogen hat ?
08:03
@winni puh
Den Eindruck hatte ich auch. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass er sich so geäußert hat, wie er glaubte, dass es von ihm erwartet wurde. Da fehlte vollständig die Selbstsicherheit, die man sonst von Experten gewohnt ist.
23:43
@ kikimurks
Der Herr Oberhagemann kam mir übrigens so ein bißchen wie die beleidigte Leberwurst vor. So nach dem Motto: Ich hatte meine Dienste angeboten, aber man wollte mich nicht.
Wollte er vielleicht mehr Geld für seine Beratung als der Schreckenberg? Der hat ja auch schon 20000 € zugesagt bekommen.
23:24
@Unevangelen
Was soll eine Behörde auch anderes machen als sich auf die Gutachten von Experten zu verlassen? Wenn Sie ein Haus bauen, kommen Sie auch nicht allzuweit wenn Sie die Feststellungen von Architekt und Statiker außer acht lassen. Stellen Sie sich vor, die Gutachter hätten abgenickt und die Stadt hätte nein gesagt. Was hätte dann wohl das zweifelsohne bemühte Verwaltungsgericht gesagt?
22:03
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