Loveparade-Anwältin reicht 30 neue Zivilklagen ein

Rainer Schaller, Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent, gehört zu den Beklagten der Zivilprozesse. Hier ein Bild von der Pressekonferenz nach dem Unglück, bei dem auch der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland einen vernichtenden Eindruck hinterließ.
Rainer Schaller, Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent, gehört zu den Beklagten der Zivilprozesse. Hier ein Bild von der Pressekonferenz nach dem Unglück, bei dem auch der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland einen vernichtenden Eindruck hinterließ.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In den kommenden Tagen werden beim Landgericht Duisburg 30 neue Klagen im Zusammenhang mit dem Love-Parade-Unglück eingehen. Eine Bochumer Anwältin sieht auch das Land als Dienstherren der Polizei in der Haftung. Beim Landgericht gab es bereits vier Verfahren: Zwei sind erledigt, zwei laufen noch.

Duisburg.. Im Rahmen einer Pressekonferenz des Vereins „LoPa 2010“ will am Freitag auch Bärbel Schönhof vor die Medien treten. Die Anwältin aus Bochum wird heute die ersten Klagen in die Post geben - angesichts des Umfanges wird es wohl eher ein Paketdienst sein -, mit denen sie vier Jahre nach dem Unglück rund 30 Geschädigten der Loveparade zu einer Entschädigung verhelfen will. Allerdings sind dies nicht die ersten Zivilprozesse, die als Folge des Unglücks mit 21 Toten und 652 Verletzten vor dem Landgericht Duisburg anhängig sind.

Zwei Verfahren sind bereits erledigt: Um 6000 Euro Schmerzensgeld ging es bei einer Klage gegen den Loveparade-Veranstalter Lopavent und die Stadt Duisburg aus März 2011. Sie wurde durch Vergleich erledigt (2 O 113/11). 5000 Euro wurden im Mai 2011 ebenfalls von Lopavent und Stadt gefordert. Die Sache endete bereits im Verfahren um Prozesskostenhilfe mit einem außergerichtlichen Vergleich (6 O 1560/11).

Klage mit verwirrendem Gang

Verwirrend ist der bisherige Gang einer Klage, die im Oktober 2010 einging (3 O 373/10). 7000 Euro ist der Streitwert, außerdem wird die Übernahme künftiger Schadensfolgen verlangt. Beklagte sind die Lopavent und deren Geschäftsführer Rainer Schaller. Im Laufe des Prozesses wurde vorsichtshalber auch schon einmal der Streit verkündet gegen die Stadt Duisburg, das Land NRW und gegen Stauforscher Professor Michael Schreckenberg, der auf Anfrage im Vorfeld der Loveparade eine Einschätzung zu der Methodik eines Gutachtens abgegeben hat.

Im Juli 2011 hatte die zuständige Zivilkammer den Prozess mit Blick auf das ausstehende Strafverfahren ausgesetzt. Ein Schicksal, das vermutlich auch vielen der jetzt eingereichten Klagen droht. Dagegen hatte der Kläger Beschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht hob die Aussetzung auf. Die Kammer setzte erneut aus. Es gab einen Befangenheitsantrag, weitere Beschwerden. Kürzlich hat der Kläger einen förmlichen Fortsetzungsantrag gestellt, weil das Verfahren seit über einem Jahr ausgesetzt ist.

Italienerin fordert Schmerzensgeld

Die jüngste Klage ging am 31. Dezember 2013 ein: Die Begleiterin einer bei der Loveparade getöteten Italienerin fordert 6000 Euro Schmerzensgeld sowie Übernahme künftiger Kosten von Stadt, Lopavent und vom Versicherer Axa.

Nebenbei sei auch noch die Schadenersatzklage einer Baumaschinenfirma aus Neudorf erwähnt, die 35.000 Euro von der Lopavent fordert, weil ihr Firmengelände nicht zugänglich gewesen sei.

Anwältin: Polizei hätte handeln müssen

Die Klagen, die Bärbel Schönhof nun einreichen wird, sind die ersten, die neben Schaller, Lopavent und Stadt auch konkret das Land als Dienstherren der Polizei in die Pflicht nehmen wollen: Die Polizei hätte erkennen müssen, dass die Loveparade gefährlich schlecht organisiert war und hätte sie absagen oder abbrechen müssen.

Bis zu 300.000 Euro fordert die Bochumer Anwältin für jeden ihrer rund 30 Mandanten. Darin sind allein jeweils 50.000 bis 80.000 Euro Schmerzensgeld enthalten. Die Anwältin geht davon aus, dass die Zivilverfahren bis zu drei Jahren dauern werden.