Das aktuelle Wetter Duisburg 9°C
Lokales

Lohengrin in der Welt des großen Geldes

26.05.2014 | 00:21 Uhr
Lohengrin in der Welt des großen Geldes

In Düsseldorf hatte Sabine Hartmannshenns „Lohengrin“-Inszenierung bereits im Januar Premiere, nun ist die Produktion in neuer Besetzung nach Duisburg übernommen worden. Zwar war blieben bei der Premiere viele Plätze frei, für die Sänger gab es aber viel Beifall.

Regisseurin Sabine Hartmannshenn erzählt eine ganz neue Geschichte, die oft mit Wagners Text kollidiert, und siedelt den „Lohengrin“ in der modernen Hochfinanzwelt an: König Heinrich ist der Mehrheitseigner einer maroden Bank, der Heerrufer sein Assistent. Um einen Posten im Management bewerben sich Telramund und seine Frau Ortrud. Welche Rolle die traumatisierte Elsa dabei spielt, ist nicht klar. Sie fantasiert von einem Retter, der dann in Gestalt des Occupy-Aktivisten Lohengrin die Bühne betritt. Der Occupy-Lohengrin bekommt sofort den Chefposten der Bank, heiratet Elsa, wird aber im dritten Akt gefeuert. Vor allem im ersten Akt und im Schlussbild schert sich die Regie wenig um Wagners Text und versucht ihr Konzept um jeden Preis durchzusetzen. Da werden am Ende des Vorspiels Occupy-Demonstranten von der Bühne gejagt, Occupy-Aktivist Lohengrin darf aber ohne Bewerbungsgespräch in die Chefetage wechseln.

Noch im Gebet vor dem Zweikampf mit Telramund wählt sich Lohengrin seinen Business-Anzug aus und der Zweikampf entfällt, weil sowieso schon alles entschieden ist: Telramund bekommt vom Heerrufer sein Kündigungsschreiben und den Koffer mit der Abfindung. Dieser Geldkoffer ist das wichtigste Requisit dieser konstruierten Inszenierung, denn im dritten Akt wechselt die Abfindung erst zu Lohengrin und schließlich zur verlassenen Elsa.

Die märchenhaften und sagenhaften Elemente des Stückes um Elsas verschwundenen Bruder Gottfried sowie um den Schwan und Lohengrins Herkunft kann Hartmannshenn nicht schlüssig in ihr Bankenkonzept integrieren. Wenn sie nicht weiß, wie sie etwas inszenieren soll, lässt sie alle Akteure erstaunt ins Publikum schauen und behauptet, das unerklärliche Geschehen würde sich dort abspielen.

Die musikalische Seite des Abends ist wesentlich erfreulicher als die szenische: Unter der Leitung von Rheinopern-Generalmusikdirektor Axel Kober spielen die Duisburger Philharmoniker einen „Lohengrin“, in dem sowohl die märchenhaft-lyrischen wie die dramatischen Elemente schön umgesetzt werden. In der Titelpartie gibt Corby Welch ein großartiges Debüt. Er singt den Lohengrin mit müheloser Leichtigkeit und betört mit vielen weichen und lyrischen Tönen. Gleichzeitig weiß er seine farbenreiche Stimme in den richtigen Momenten zu heldenhafter Größe zu steigern.

Rudolf Hermes



Empfehlen
Lesen Sie auch
Kommentare
Kommentare
autoimport
Umfrage
In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Freche Straßen-Tattoos sollen Marxloh vom Dreck befreien
Straßenkunst
Um Fußgänger auf pfiffige Art für ordentliche Müllentsorgung zu sensibilisieren, geht die Stadt gemeinsam mit Kreativen des Medienbunkers neue Wege: Müll-Tattoos sollen künftig die Bürgersteige des Stadtteils zieren. Im Gegensatz zu anderen Tätowierungen verschwinden diese sogar wie von Geisterhand.
Stadtdirektor beschämt über Passivität gegen pöbelnde Rechte
Flüchtlinge
Drei Tage nach der aus dem Ruder gelaufenen Debatte ums Landes-Asyl in Duisburg-Neumühl zeigt sich Stadtdirektor Spaniel zornig und bestürzt über den Verlauf der Veranstaltung. Keiner der anwesenden Politiker oder Kirchenleute sei aufgestanden und habe den Rechten Paroli geboten, kritisiert Spaniel.
Nachwuchs-Rapper Seaple aus Duisburg ist „Big in L.A.“
Fernsehen
Stephan Nieke ist ein Duisburger Nachwuchsrapper. Seinem Traum von Karriere und Erfolg kommt er in einer neuen Sendung des TV-Senders Vox ein Stückchen näher.
Stadt Duisburg will nun doch ein Online-Portal anbieten
Bürgerbeteiligung
Die Stadt Duisburg hat die Bürgerbeteiligung offenbar doch noch nicht ganz aufgegeben. Entgegen ersten Informationen soll es jetzt doch eine gesonderte Internetseite zur Bürgerbeteiligung geben. DIe muss aber noch freigeschaltet werden, erklärte Stadtsprecherin Anja Kopka.
Duisburger ist zum viertel Mal Weltmeister
Ballonfahren
Wilhelm Eimers aus Duisburg gewinnt mit seinem Co-Piloten Matthias Zenge das Gordon-Bennett-Rennen – den wichtigsten Wettkampf, den es für Gasballonfahrer gibt. Das Duo legt in rund 61 Stunden 1410 Kilometer von Vichy bis nach Sizilien zuürck.