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Lohengrin in der Finanzkrise

22.05.2014 | 00:17 Uhr
Lohengrin in der Finanzkrise

Im Januar hatte Sabine Hartmannshenn Inszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ ihre Premiere in Düsseldorf erlebt, nun wird die Produktion in neuer Besetzung nach Duisburg kommen. In einer Opernwerkstatt führte die Regisseurin mit Chefdramaturgin Dr. Hella Bartnig und Generalmusikdirektor Axel Kober in ihre Sicht auf Wagners romantische Oper ein.

Kober verriet, dass er fast alle 13 Wagner-Opern, sogar das Frühwerk, dirigiert habe. Lediglich „Der fliegende Holländer“ fehle ihm noch. Sein Debüt mit der gruseligen Seefahrergeschichte wird er aber nächste Spielzeit in Duisburg geben.

Für Kober ist der Duisburger „Lohengrin“ nach Basel und Düsseldorf schon die dritte Premiere dieses Stückes in der laufenden Saison: „An einem Haus wie der Rheinoper ist es besonders schön, dass wir jungen Sängern des Ensembles die Möglichkeit geben können, in ihre Rollen hineinzuwachsen.“ So debütieren in Duisburg Corby Welch in der Titelpartie, Sylvia Hamvasi als Elsa und Thorsten Grümbel als König Heinrich.

Regisseurin Sabine Hartmannshenn berichtet, dass sie anfangs erschrocken gewesen sei, als die Deutsche Oper am Rhein ihr den „Lohengrin“ angeboten habe: „Ich habe mich gefragt, wie man eine Geschichte, die kaum greifbar ist, theatralisch macht?“

Mythos in einem Bankhaus verortet

Ihr Ansatzpunkt ist die aktuelle Finanzkrise: „Wie schön wäre es, wenn da jemand wie Lohengrin kommt und verspricht, alle unsere Probleme zu lösen.“ Das Buch „Man muss dran glauben – Die Theologie der Märkte“ von Jochen Hörisch habe dann die Motivation gegeben, den religiös geprägten Lohengrin-Mythos in einem Bankhaus zu verorten.

Bühnenbildner Dieter Richter ließ sich deshalb von der Firmenzentrale des Kölner Gerling-Konzerns inspirieren, wo er für die Kölner Oper vor 2010 Claudio Monteverdis „Die Krönung der Poppea“ ausstatte. Bei der anschließenden Bühnen-Orchester-Probe im Saal konnte das Publikum schon einmal die Säulenhalle aus dunklem Marmor in Augenschein nehmen.

Selbst für Wagner sei der „Lohengrin“ schon „ein tragischer Stoff der modernen Zeit“ gewesen, ergänzte Dramaturgin Hella Bartnig: „Die Figur des Lohengrin verkörpert die Utopie von einem besseren Leben, das aber nicht realisierbar ist.“

An die Zuschauer gerichtet, sagt die Regisseurin: „Es gibt bestimmt viele Menschen, die das Stück anders sehen als ich. Ich appelliere an das Publikum, für neue Lesarten offen zu sein. Wenn Sie die Inszenierung nicht verstehen, können Sie bei der Premiere immer noch Buh rufen.“

Rudolf Hermes

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